Neue Klinik-Kooperation

Medikamente aus Garmisch

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Landrätin Andrea Jochner-Weiß und ihr Garmischer Kollege Anton Speer besiegelten die neue Kooperation symbolisch mit einem Handschlag. Daneben die Geschäftsführer Thomas Lippmann (li.) und Peter Lenz (re.).

Schongau – Ohne Arzneimittel läuft im Krankenhaus nichts. Umso wichtiger ist eine verlässliche Versorgung. Die Krankenhaus GmbH setzt dabei bereits seit Jahren auf externe Dienstleister. Zuletzt hatte die Aufgabe eine Apotheke aus Kaufbeuren inne. Nach fünf Jahren musste der Posten jetzt neu ausgeschrieben werden. Seit August zeichnet die Apotheke des Klinikums Garmisch-Partenkirchen für die Belieferung der drei Standorte verantwortlich.

Kopfschmerztabletten, Gerinnungshemmer, Salben, Narkosemittel: Die Liste der im Klinikalltag verwendeten Medikamente ließe sich beliebig fortsetzen. Rund 1300 Produkte verschiedenster Art werden jährlich an den drei Standorten der Krankenhaus GmbH zum Wohl der Patienten eingesetzt. 

Das kostet: 1,2 Millionen Euro wird man voraussichtlich in den nächsten fünf Jahren nach Garmisch-Partenkirchen überweisen – pro Jahr. Die dortige Klinik, die seit 1968 eine eigene Apotheke betreibt, hatte das günstigste Angebot bei der Ausschreibung abgeliefert. 

Der logistische Aufwand, der dahinter steckt, ist enorm. Mehrmals wöchentlich müssen die Medikamente an die drei Standorte Weilheim, Schongau und Peißenberg geliefert werden. Hinzu kommen dringende Fälle, in denen Arzneimittel binnen einer Stunde benötigt werden. 

Die hohen Anforderungen waren der Grund, warum sich der bisherige Lieferant erst gar nicht mehr an der neuen Ausschreibung beteiligt hatte. „Für eine private Apotheke ist das schwer zu schultern“, erklärte Thomas Lippmann, der die neue Kooperation mit der Klinik aus dem Nachbarlandkreis begrüßte. Geht es nach ihm, ist die Arzneimittelversorgung nur der erste Schritt einer künftig weitaus engeren Zusammenarbeit: „Ich bin der festen Überzeugung, dass wir den Schulterschluss üben müssen für die Zukunft, damit beide Häuser kommunal bleiben können.“ 

Als „ersten Anfang“ wertete auch der Garmischer Landrat Anton Speer, der gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Garmischer Klinik, Peter Lenz, zum Pressetermin nach Schongau gekommen war, die Kooperation. Nur so könne man sich auf lange Sicht gegen die Region München behaupten. 

In diesem Zug begrüßten beide den Anfang des Jahres erfolgten Beitritt der Krankenhaus GmbH zum Verbund „Gesundheit Oberbayern“, dem mittlerweile zehn Landkreise mit 16 kommunalen Krankenhäusern angehören. Das sei längst überfällig gewesen, gab Landrätin Andrea Jochner-Weiß zu. „Wir waren da bislang so etwas wie ein kleines gallisches Dorf, standen ganz allein“. Das könne man sich leisten, wenn man „top da steht“, was auf die defizitäre GmbH allerdings nicht zutreffe. Nur zusammen sei es möglich, den großen Paroli zu bieten und gegenseitige Synergieeffekte zu nutzen, betonte sie. 

Auch politisch habe man gemeinsam mehr Einfluss als jeder Landrat alleine, fügte Speer mit Blick auf das geplante Krankenhausstrukturgesetz hinzu. Trete dieses in der jetzigen Form Kraft, kämen auf die Kliniken weitere finanzielle Belastungen zu, warnte Lenz. „Dann geht die Schere noch weiter auf.“ 

Kooperationen hält deshalb auch er für unabdingbar, um langfristig die kommunale Trägerschaft sichern zu können. Neben der Arzneimittelversorgung wollen beide Häuser künftig auch bei der Ausbildung, etwa der Pflegefachhilfeschule, zusammenarbeiten. 

Mit dem neuen Lieferanten wurde gleichzeitig das Bestellsystem modernisiert. Ärzte und Pflegekräfte können ab sofort alle Medikamente direkt online am Stationscomputer ordern. Bestellungen auf Papier haben ausgedient. Auch die Patienten sollen von der neuen Zusammenarbeit profitieren. 

So ist ein wichtiger Baustein des geschlossenen Kooperationsvertrags die Beratung der Krankenhaus GmbH-Ärzte. Eine eigene Arzneimittelkommission soll sich mehrfach pro Jahr über die Erfahrungen mit eingesetzten Medikamenten sowie Neuerungen in der Pharmazie austauschen. „Perspektivisch können wir uns vorstellen, eine gemeinsame Arzneimittelliste für beide Unternehmen zu erarbeiten“, so die beiden Geschäftsführer.

Christoph Peters

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