Erstmals Komödie bei Mittelalter-Spektakel

Der "Schongauer Sommer" wird lustig

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Birgit Guldner aus Schongau gemeinsam mit Manuela Zwick und Markus Zwick aus Peiting bei den ersten Proben für das neue Stück „Der Medicus vom Orient“.

Schongau – Vom Sommer kann man derzeit nur träumen, so winterlich mutete in den vergangenen Tagen die Wetterlage an. Für Manfred Wodarczyk ist er dagegen längst Realität – allerdings im übertragenen Sinne. Seit Monaten bastelt der Vorsitzende des Vereins „Schongauer Sommer“ an der  Neuauflage der gleichnamigen Veranstaltung.

Vom 2. bis 11. August soll sie die Stadt Schongau wieder ins Mittelalter zurückversetzen. Diesmal spielt ein Medicus die Hauptrolle. Das Programm hat Wodarczyk längst festgezurrt. Von mittags bis spät abends soll der Historische Markt mit seinen Fieranten die Besucher in die Schongauer Altstadt ziehen. 60 Stände wird es in diesem Jahr geben. Dazu sorgen Gaukler, Musiker, Feuerschlucker und Tänzer für die richtige Stimmung. „Es läuft eigentlich alles“, kommentiert der Vereins-vorsitzende den derzeitigen Stand der Planung.

An anderer Stelle steht man dagegen noch ziemlich am Anfang. Gerade erst sind die Proben zum großen Freilichtspiel angelaufen, das in diesem Jahr an sieben Abenden am Bürgermeister-Schaegger-Platz aufgeführt wird. „Der Medicus vom Orient“ heißt das Stück, das der Peitinger Regisseur Bernhard Huber inszeniert und der damit Neuland betritt. Denn zum ersten Mal wird die Bühne zum Schauplatz einer Komödie.

Schon vor längerer Zeit hatte Huber den Zweiakter für sich entdeckt und wollte ihn bereits im vergangenen Jahr auf die Bühne bringen. Da jedoch machte dem Bildhauermeister das Geschäft einen Strich durch die Rechnung. Die Realschule sprang erfolgreich mit ihrem Musical ein. Nach dem „Schongauer Sommer“ habe er sich mit Wodarczyk noch einmal unterhalten und sich auf eine Aufführung in diesem Jahr verständigt, sagt Huber. Dass seine Komödie das richtige für die Veranstaltung sei, davon ist er überzeugt. „Da müssen die Leute mal nicht so vertieft sein, sondern können auch mal lachen“, erklärt Huber. Noch dazu passe das Stück perfekt zum mittelalterlichen Thema. 

Dem Vereinsvorsitzenden kam das Angebot gelegen. „Wir können so die Hexe von Schongau weiter nach hinten verschieben“, erklärt er. Dadurch gewinne man Zeit, um die Finanzierung des Kult-Stücks zu stemmen. Immerhin 70000 Euro habe die letzte Aufführung 2007 gekostet. In der Pflicht sieht Wodarczyk auch die Stadt. „So lange der Zuschuss, den wir bekommen, nur 5000 Euro beträgt, ist eine Neuauflage schwierig.“ 

In diesem Jahr soll also ein Medicus die Besucher am Bürgermeister-Schaegger-Platz begeistern. Die Handlung ist schnell beschrieben: Der selbsternannte Arzt reist mit seinen Assistenten Josephine und Leopold als Wunderheiler im Planwagen von Ort zu Ort. Als die Drei eine Fürstin von einem üblen Gebrechen befreien sollen, drohen ihre Schwindeleien aufzufliegen. 

 15 Sprechrollen hatte Huber zu vergeben, dazu kommen rund 30 bis 40 Statisten. Keine leichte Aufgabe, wie der Regisseur feststellen musste. Mehrmals sprangen Schauspieler wieder ab, doch seit Ostern steht die endgültige Besetzung. Die wichtigste Rolle, die des Medicus, übernimmt Huber selbst. „Ich wollte einfach wieder auf die Bühne“, erklärt er schmunzelnd, nachdem er zuletzt beim Theater in Peiting nur Regie geführt habe. Bei der „Hexe von Schongau“ 2007 war Huber schon einmal als Protagonist zu sehen. Damals spielt er den Hexenbeschauer Meister Abriel. 

An seiner Seite werden die Peitingerin Doris Höfler, die ihre Theatererfahrung in Apfeldorf sammelte, und der Altenstadter Karl-Heinz Gaisbauer (Theaterverein Schongau) in den beiden weiteren Hauptrollen agieren. Für die musikalische Untermalung sorgt die Trachten- und Knappschaftskapelle Peiting unter der Leitung von Martin Wiblishauser. Noch seien die Musiker auf der Suche nach historischen Instrumenten, verrät Wodarczyk.

Mindestens zweimal pro Woche wird derzeit im Probenraum im LEW-Gebäude geprobt. Anfang Juli, wenn die Bühne aufgebaut wird, soll es für die Akteure das erste Mal nach draußen gehen. Spätestens am Freitag, 2. August, muss alles sitzen, denn dann ist die Premiere. „Es wird eine Punktlandung“, weiß Huber und fügt lächelnd hinzu. „Aber das ist bei Theaterstücken immer so.“ 

Christoph Peters

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