Konstituierende Sitzung in Schongau

"Zauber des Anfangs nutzen"

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Dem ältesten Stadtrat Siegfried Müller oblag es, Falk Sluyterman als neuen Bürgermeister zu vereidigen.

Schongau – Rund 200 Schongauer strömten am Dienstag in den Jakob-Pfeiffer-Saal – eine stolze Zahl für eine konstituierende Stadtratssitzung. Im Mittelpunkt ihres Interesses stand allerdings weder der erste öffentliche Auftritt des neuen Bürgermeisters noch der der neuen Stadträte, sondern die Vergabe eines Stellvertreter-Postens.

Als Falk Sluyterman zum ersten mal als Schongauer Bürgermeister das Wort ergriff, war ihm die Nervosität deutlich anzumerken. Kein Wunder, schließlich hingen nicht nur 23 Stadträte an seinen Lippen, sondern auch rund 200 Besucher, die sich die erste Sitzung im Jakob-Pfeiffer-Haus nicht hatten entgehen lassen wollen. Der Andrang könne durchaus mit der Zuschauertribüne im deutschen Bundestag mithalten, verglich Sluyterman lächelnd. Natürlich wusste auch er, dass das Interesse nicht allein seiner Person galt, sondern vor allem der Frage, wen das Gremium zu seinem Stellvertreter wählen würde. 

In den Wochen seit der Bürgermeisterwahl Ende März, bei der Tobias Kalbitzer nur denkbar knapp Sluyterman unterlegen war, hatte der ALS-Stadtrat keinen Hehl daraus gemacht, dass er für das Amt zur Verfügung stehen würde. Doch auch die CSU hatte auf ihr Recht als stärkste Fraktion gepocht, den Stellvertreter zu stellen wie sie es schon in der vergangenen Wahlperiode mit Paul Huber getan hatte – wohlwissend, dass sie für die Wahl ihrer Kandidatin Cornelia Funke keine Mehrheit im neuen Gremium hat. 

Eine Möglichkeit, beide Lager zufriedenzustellen, schlug deshalb CSU-Fraktionschef Michael Eberle vor. Er beantragte, den Posten des 3. Bürgermeisters wieder einzuführen. Beide Bewerber seien beruflich eingespannt und hätten so die Möglichkeit, sich gemeinsam für die Stadt einzusetzen, begründete er seinen Vorstoß. Bei der SPD hielt man davon allerdings gar nichts. „Wir schließen uns dem Vorschlag der Verwaltung an“, betonte Fraktionschefin Ilona Böse. 

Den hatte zuvor Bürgermeister Falk Sluyterman vorgetragen. Demnach habe sich die bisherige Regelung, nur einen Stellvertreter zu bestimmen, in den vergangenen Jahren bewährt. Das sah offenbar auch die Mehrheit der Stadträte so. Mit 15:9-Stimmen wurde der CSU-Antrag abgelehnt – Kalbitzer stimmte als Einziger aus der ALS-Fraktion dafür. 

So kam es zur erwarteten Kampfabstimmung zwischen Kalbitzer und Funke, vor der beide Seiten noch einmal für ihren Kandidaten trommelten. Nina Konstantin (ALS) forderte, den Bürgerwillen zu respektieren. Eberle wiederum warf die Erfahrung Funkes in die Waagschale und appellierte, nicht auf die Erwartungshaltung, sondern auf das Gewissen zu achten. Sluyterman bemühte sich indes um Neutralität: Er könne sich eine Zusammenarbeit mit beiden gut vorstellen. 

Nacheinander gaben die Stadträte in der Wahlkabine ihre Stimme ab. Danach vergingen schier endlose Minuten, bis Wahlleiter Paul Huber das Ergebnis verkündete: 15 Stimmen für Tobias Kalbitzer, neun für Funke. Begeisterter Applaus von den Zuschauern. Die erste, die dem Sieger gratulierte, war Funke. Natürlich sei sie enttäuscht, sagte die Unterlegene anschließend – allerdings weniger vom Wahlergebnis als über die Ablehnung eines 3. Bürgermeisters. „Das wäre ein Zeichen für Zusammenarbeit gewesen. Schade, dass dieser Brückenschlag nicht gelungen ist.“ 

Dabei hatte der neue Bürgermeister zuvor in seiner ersten Rede nach seiner Vereidigung noch an die Stadträte appelliert, dass es künftig um Schongau gehen müsse und nicht wie in der Vergangenheit um „parteipolitisches Taktieren“. Getreu dem Motto „Schongaus Stadtgemeinschaft wächst durch Eintracht“, das auf dem Adler vor dem Rathaus stehe, müsse sich die Eintracht auch im Stadtrat wiederfinden, forderte er. Er selber wolle sein Amt auf jeden Fall parteiübergreifend wahrnehmen. An die Schongauer gewandt, bat Sluyterman um Geduld: „Wir werden nicht von heute auf morgen alle Probleme, die es in Schongau gibt, lösen können. Aber wir werden den Zauber des Anfangs nutzen, um durch sachliche Arbeit Schongau in den nächsten sechs Jahren weiter voranzubringen.“ 

Die Wahl des 2. Bürgermeisters blieb nicht das einzige Mal, dass die Gräben zwischen den Fraktionen offen zutage traten. Bei der Bestimmung eines Mitglieds für den Tourismusverein schickte die SPD Stefan Konrad ins Rennen, die CSU setzte wieder auf Funke. Diesmal gewann sie, weil Kalbitzer als Einziger der SPD- und ALS-Fraktion nicht für Konrad stimmte. Einstimmiger lief es bei den übrigen Posten. Kalbitzer und Helmut Hunger wurden zu Jugendreferenten gewählt, Bettina Buresch zur Umweltreferentin, und Siegfried Müller übernahm den Posten des Seniorenreferenten.

Christoph Peters

Die Bilder:

Erste Sitzung des neuen Schongauer Stadtrats

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