Bauernpräsident Joachim Rukwied beim Kreisbauerntag in Rottenbuch

"Wir denken in Generationen"

+
Die neuen Landwirtschaftsmeister wurden durch Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied (4. v.li.) sowie BBV-Geschäftsstellenleiter Thomas Müller (re.) und Kreisobmann Wolfgang Scholz (2. v. re.) geehrt. Bestens ausgebildet sind (v.li.) Leonhard Schmid, Oberhausen-Berg, Benedikt Schreiber, Huglfing- Deimenried, Markus Habersetzer, Hohenpeißenberg, Michael Schweiger, Sindelsdorf, Marlis Leis, Eberfing-Ludwigsried und Johannes Jungwirth, Fischen.

Rottenbuch – Einen hochkarätigen Gast hatte der BBV beim Kreisbauerntag zu Gast, mit Joachim Rukwied war der Präsident des Deutschen Bauernverbandes im Festzelt auf der Schönegger Käsealm erschienen.

Der großgewachsene Bauernpräsident aus Baden-Württemberg am Rednerpult, hinter ihm die Fassade einer urigen Almhütte auf der Bühne und von oben klatschte lautstark der Regen auf das Zeltdach. So erlebten die Zuhörer einen gut einstündigen Vortrag über die aktuelle Agrarpolitik. Rukwied holte weit aus, sprach über die Entwicklung der Agrarmärkte, um dann auf die Punkte zu kommen, die auch den Bauern im Oberland unter den Nägeln brennen, etwa die aktuellen Agrarverhandlungen, den Milchmarkt oder die Unterstützung der benachteiligten Gebiete. Bei letzterer forderte Rukwied mit Nachdruck eine weitere Unterstützung, als Unsinn bezeichnete er Bestrebungen aus Brüssel, wonach weite Teile der bisher als benachteiligt anerkannten Regionen aus dieser Gebietskulisse herausfallen.

Sensibler ist das Milchthema, das auch unter den Bauern kontrovers diskutiert wird. Zunächst unterstrich Rukwied die enorme Bedeutung der tierischen Veredelung, „die Zukunft der Landwirtschaft hängt im wesentlichen vom tierischen Sektor und speziell vom Milchsektor ab“, sagte er. Diskussionen um die Fortführung einer Mengenregulierung bezeichnete er als reines Wunschdenken. „Ich wäre nicht gegen eine Quote, wenn wir einen ausreichenden Außenschutz hätten“, sagte Rukwied.

Dieser sei aber weitgehend verschwunden und es gebe in der Politik keinerlei Bereitschaft, die Schutzzölle wieder hochzuziehen. Im Gegenteil verhandle die EU mit Kanada und bald mit den USA über weitere Marktöffnungen. Quotendiskussionen unter diesen Voraussetzungen seien unseriös, so Rukwied. Vielmehr brauche es einen Markt mit Spielregeln und Instrumenten für Krisenzeiten. Das könne zum einen die Aufrechterhaltung der Interventionsmöglichkeit sein, zum anderen die teilweise Absicherung der Preise über Börsen, ähnlich wie es auch beim Ackerbau praktiziert werde.

Wichtig für die Milchbauern sei die Entwicklung der Absatzmärkte. Der heimische Markt zeichne sich zwar durch seine hohe Kaufkraft aus, bei sinkender Bevölkerungszahl und einer älter werdenden Gesellschaft sei hier aber bestenfalls mit einer Seitwärtsbewegung im Absatz zu rechnen. Rukwied bezeichnete es deshalb als große Herausforderung für die Branche, die europäischen und außereuropäischen Märkte zu bedienen, die im Sektor Milch weiter Zuwächse verzeichnen. „Die Landwirtschaft ist zu einem Megathema geworden, auch in der Politik“, sagte Rukwied, sie sei eine Zukunfts- und eine Schlüsselbranche, weltweit gelte es in der nächsten Generation neun Milliarden Menschen zu ernähren.

An der öffentlichen Diskussion zu landwirtschaftlichen Themen sollten sich die Bauern aktiv beteiligen, etwa wenn es um die tiergerechte Haltung geht. Positiv sei die „wirkliche öffentliche Meinung“ über die Landwirtschaft, die „veröffentlichte Meinung“ sei oft eine andere. Landwirte, so Rukwied, denken in Generationen, auch er sehe sich als Verwalter seines Hofes und hoffe, dass er von seinen Kindern fortgeführt wird. Familienbetrieben, auch unter süddeutschen Strukturen, sprach er eine gute Chance zu, weil die Landwirte bestens ausgebildet, kreativ, intelligent und innovativ sind. Fünf dieser jungen Landwirte und eine Landwirtin aus dem Weilheim- Schongauer Raum durfte Rukwied zum Abschluss des Bauerntages ehren, sie haben ihre Meisterprüfung mit Erfolg abgeschlossen.


Von Josef Berchtold

Meistgelesene Artikel

Parkplatz am Buchenweg wird heuer gebaut

Schongau – Was lange währt, wird endlich gut: Am Dienstag hat der Stadtrat endgültig grünes Licht für die Umsetzung von zwei Projekten gegeben, die …
Parkplatz am Buchenweg wird heuer gebaut

Närrisches "Wohlfühlparadies"

Peiting/Hohenfurch – Bürgermeister Guntram Vogelsgesang wurde kurzerhand in Quarantäne gesteckt und ab ging die Post. Mit einem rauschenden Ball in …
Närrisches "Wohlfühlparadies"

Schongauer Grundschule hat ein Schimmel-Problem 

Schongau – An Baustellen mangelt es in der Schongauer Grundschule aktuell nicht. Doch als wäre der Teilabriss samt Neubau nicht schon schwierig …
Schongauer Grundschule hat ein Schimmel-Problem 

Kommentare