Landkreis lauft Mehrfamilienblock in der Pöllandtstraße

Schongau bekommt zweites Asylbewerberheim

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In diesem derzeit leerstehenden Mehrfamilien-Wohnblock in der Pöllandtstraße in Schongau West sollen schon bald Asylbewerber einziehen.

Schongau – Der Flüchtlingsstrom aus den Krisengebieten der Welt nach Deutschland nimmt kein Ende. Immer verzweifelter wird deshalb die Suche nach geeigneten Unterkünften. Auch der Landkreis Weilheim-Schongau bildet da keine Ausnahme. In Schongau ergriff er jetzt die Gelegenheit beim Schopf, ein leerstehendes Mehrparteienhaus in der Pöllandtsraße zu kaufen. Schon Anfang nächster Woche könnten dort rund 50 Asylbewerber einziehen. Es ist die zweite Gemeinschaftsunterkunft in der Lechstadt.

Es ist schon etwas länger, dass es in Schongau in Sachen Asyl rumorte. Vor zwei Jahren wurde bekannt, dass die Regierung von Oberbayern überlege, das ehemalige Forstamt in der Lechvorstadt zu einer Gemeinschaftsunterkunft umzubauen. Das brachte nicht nur die Anwohner, sondern auch manchen Stadtrat auf die Palme. Mit allen Mitteln versuchte man daraufhin, das Vorhaben zu verhindern. 

Obwohl jedoch die Stadt die erlassene Veränderungssperre im vergangenen Jahr mangels Grundlage aufheben musste, ist seitdem nichts mehr geschehen. Das dürfte vor allem daran liegen, dass das Forstamt vor einer neuen Nutzung erst einmal aufwendig saniert werden müsste. Für die Unterbringung der immer mehr werdenden Asylbewerber sind schnellere Lösungen gefragt. Eine hat der Landkreis nun in der Pöllandtstraße gefunden. 

Wie Pressesprecher Hans Rehbehn auf Nachfrage des KREISBOTEN am Mittwoch mitteilte, hatte Kreiskämmerer Norbert Merk im August den Tipp bekommen, dass dort ein leerstehender Wohnblock zum Verkauf stehe, der sofort bezugsfertig wäre. Es folgten Verhandlungen mit dem Hausbesitzer. In der vergangenen Woche stimmte der Kreisausschuss in nichtöffentlicher Sitzung für einen Kauf. Am Freitag folgte der Notartermin. Bis gestern sollten die letzten Formalitäten über die Bühne gehen. „Wenn alles planmäßig läuft, könnten schon ab Montag die ersten Asylbewerber einziehen“, sagte Rehbehn. 

Dass der Landkreis das Gebäude gekauft und nicht gemietet hat, begründet Rehbehn damit, dass es noch einen weiteren Interessenten gegeben habe. Auch dieser habe die Immobilie als Asylbewerberunterkunft nutzen wollen, indem er sie an den Landkreis vermiete. „Da war es günstiger, wenn sie der Landkreis selbst kauft und die Mietkosten von der Regierung erstattet bekommt.“ Den Kaufpreis will Rehbehn nicht verraten. 

Bei der Stadt sieht man die Entwicklung zwiespältig. „Mir ist bewusst, dass bei der Unterbringung von Asylbewerbern derzeit große Anstrengungen notwendig sind und wir gemeinsam anpacken müssen, um den Menschen, die oftmals nur mit dem nackten Leben davon gekommen sind, Schutz und Unterkunft zu geben“, teilte Bürgermeister Falk Sluyterman mit. 

Im Hinblick auf die bereits vorhandene Unterkunft in der Birkländer Straße habe Schongau aber bereits einen wichtigen Beitrag geleistet, betonte er. „Bevor der Landkreis weitere Menschen in unserer Stadt unterbringt, wäre eine gleichmäßige Unterbringung der Asylbewerber auch in anderen Kommunen des Landkreises meines Erachtens der bessere und sicher auch gerechtere Weg gewesen.“ 

Zumal das Ende der Fahnenstange mit bald insgesamt 110 Asylbewerbern noch nicht erreicht sein könnte. Am Dienstag beschäftigte sich der Bauausschuss mit einer Nutzungsänderung für die Berufsschulturnhalle, mit der der Landkreis die Möglichkeit schaffen will, dort im Notfall bis zu 160 weitere Flüchtlinge unterzubringen (siehe eigenen Bericht). 

Im Landratsamt kann man den Unmut durchaus verstehen. Doch Rehbehn verwies auf die angespannte Situation. „Wir müssen uns an jeden Strohhalm klammern“, sagte er. Auch in anderen Gemeinden sei man weiter auf der Suche nach geeignetem Wohnraum. In Weilheim werde derzeit angebaut, um weitere 45 Personen versorgen zu können. In Penzberg soll ein Containerdorf für 60 Asylbewerber entstehen. Ebenfalls ein Auge hat der Landkreis auf das ehemalige Krankenhaus in Steingaden geworfen. Ergebnis offen. 

Eine Entspannung der Lage ist derzeit nicht in Sicht. Bis Ende 2014 soll die Zahl der Asylbewerber im Landkreis noch um rund 200 auf 500 steigen. Ende 2015 liegt die Prognose laut dem Pressesprecher bereits bei 840.

Christoph Peters

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