Neubau Arbeitsagentur

Die große Lösung ist vom Tisch

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Dachterrassen für die Bewohner, eigener Eingang für Arbeitsagentur und Job-Center: Das neue Gebäude muss vielfältige Anforderungen erfüllen, was die Planung erschwerte.

Schongau – Die Stadt Schongau baut ein neues Verwaltungsgebäude für die Agentur für Arbeit. Das hat der Stadtrat jetzt entschieden. Bis dahin war es allerdings ein abenteuerlicher Weg.

Anfang vergangenen Jahres hatte der damalige Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl zum ersten Mal öffentlich gemacht, was bislang nur hinter verschlossenen Türen beredet worden war: Die Stadt werde direkt neben dem Josefsheim in der Liedlstraße ein neues Gebäude für die Arbeitsagentur errichten. Viel mehr Details gab das Stadtoberhaupt nicht preis. Die folgten jetzt am Dienstag in der Stadtratssitzung und sie gaben den Blick auf die abenteuerliche Odyssee eines ehrgeizigen Projekts preis. 

Alles begann mit einem Feuer. 2009 brannte das Bürogebäude An der Leithe, in dem die Arbeitsagentur ihren Sitz hatte, ab. Die Geschäftsstelle zog erst einmal nach Weilheim, in Schongau ging die Stadt auf die Suche nach einem alternativen Standort. Der war mit dem ehemaligen Gesundheitsamt im Josefsheim bald gefunden. Schon Ende 2009 zog die Arbeitsagentur in die neuen Räume, wo sie bis heute residiert. Doch schon damals war klar, dass es sich bei dem in die Jahre gekommenen Gebäude nur um eine Übergangslösung handeln konnte. 

Die Stadt war deshalb in Zugzwang. Wollte man die Arbeitsagentur in der Altstadt halten, musste man entweder das Josefsheim sanieren und an die Bedürfnisse des Mieters anpassen oder aber für adäquaten Ersatz sorgen. Ersteres sei ziemlich schnell vom Tisch gewesen, blickte Stadtbaumeister Ulrich Knecht am Dienstag in der Stadtratssitzung zurück. Um das Josefsheim zu ertüchtigen und barrierefrei zu machen, hätte die Stadt 1,5 Millionen Euro in die Hand nehmen müssen. „Das wäre in keinem Verhältnis zu einem Neubau gestanden.“ 

Dass dieser trotz der langen Zeit, die seitdem vergangen ist, immer noch nicht steht, hängt damit zusammen, dass die Stadt Größeres im Sinn hatte. „Wir haben die Chance gesehen, gleich das ganze Quartier zu entwickeln. Das hat es seit 20 Jahren nicht mehr gegeben“, erklärte Knecht. Statt nur den Neubau neben dem bestehenden Josefsheim zu errichten, plante die Stadt, auch die angrenzenden Grundstücke zu erwerben und dort Wohnungen und Geschäfte zu errichten. Insgesamt 22 barrierefreie Wohnungen an der Amtsgerichtstraße sah die Planung vor, außerdem Flächen für die Sparkasse in der Liedlstraße. Der Komplex hätte einen begrünten Innenhof bekommen und dank einer Tiefgarage ausreichende Stellplätze. 

Was gut klang, scheiterte letztendlich daran, dass sich die Stadt mit der Grundstückseigentümerin im Norden nicht einigen konnte. Diese langwierigen Verhandlungen seien auch der Grund gewesen, weshalb das Projekt bislang immer nur in nichtöffentlichen Sitzungen behandelt worden sei, erklärte der Stadtbaumeister, der nun Gelegenheit sah, das dadurch entstandene „Informationsdefizit“ der Öffentlichkeit zu beseitigen. 

Für die Stadt und die beteiligten Architekten hieß es deshalb umplanen. Zwischenzeitlich prüfte man sogar, ob ein alternativer Standort am Bahnhof nicht vielleicht die bessere Wahl sei, verwarf die Idee nach eingehender Prüfung jedoch wieder. Das große Bauvorhaben in der Altstadt schrumpfte, übrig blieb allein der Verwaltungsbau, in dem einmal im Erdgeschoss die Arbeitsagentur und im ersten Obergeschoss das Jobcenter einziehen sollen. Die Tiefgarage wurde gestrichen, stattdessen sollen auf der Fläche des nicht denkmalgeschützten Josefsheim nach dessen Abriss frei zugängliche Stellplätze entstehen. 

Für die Mieter, die teils seit 60 Jahren in ihren Wohnungen im Josefsheim leben, sieht die Planung vier Appartements im Dachgeschoss des Neubaus vor. „Uns war wichtig, die Mieter mitzunehmen und sie nicht aus ihrer gewohnten Umgebung zu verpflanzen“, betonte Knecht. 

Auf Begeisterung stießen die Pläne bei den Betroffenen allerdings nicht, wie der Stadtbaumeister einräumte. Mit einem Mieter, der ein altes Nebengebäude bewohnt, liefert sich die Stadt einen Rechtsstreit. Sie hatte ihm aus Eigenbedarf gekündigt, wogegen der Betroffene klagte. Während das Amtsgericht der Sichtweise der Stadt folgte, sah das Landgericht München den Mieter im Recht, weil zum Zeitpunkt der Kündigung noch gar keine beschlossenen Pläne vorlagen. 

Dieses Problem ist seit Dienstag beseitigt. Gegen die Stimmen von ALS, Helmut Hunger und Cornelia Funke (beide CSU) segnete das Gremium die Planung ab. Allerdings hatte es zuvor eine längere Diskussion über das 2,65 Millionen Euro teure Projekt gegeben. So kritisierte Siegfried Müller (ALS) die Geheimhaltung, wodurch er und die anderen neuen Stadträte erst kurzfristig davon erfahren hatten. „Wir müssen das jetzt schlucken oder dagegen stimmen.“ 

Peter Blüml (CSU) war die geringe Laufzeit des Mietvertrags der Arbeitsagentur ein Dorn im Auge, während sein Parteikollege Helmut Hunger sich darüber ärgerte, dass die Stadt ein Gebäude für einen Dritten baue, obwohl es wirtschaftlich nicht sinnvoll sei. Tatsächlich musste Kurt Konrad von der Stadtverwaltung einräumen, dass bei Einberechnung aller Kosten und Einnahmen ein jährliches Defizit von 5000 Euro bleibe. Immerhin habe man aber die Dauer des Mietvertrags von fünf auf sieben Jahre heraufhandeln können. Sollte die Arbeitsagentur diesen nicht verlängern, sei das Gebäude so geplant, dass eine Nachnutzung flexibel möglich sei, fügte Architekt Fritz Weinberger hinzu. 

Stephan Hild (UWV) brachte es anschließend auf den Punkt. „Der Erhalt der Arbeitsagentur in der Altstadt sollte uns das wert sein. Für ein Nein ist es nach dem langen Leidensweg zu spät.“

Christoph Peters

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