Ampellösung gilt seit 1. April

Neue Besuchs-Regelung für die Wieskirche

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Klare Ansage vor der letzten Kirchenbank. Schild mit Fotografier- und Filmverbot.

Steingaden – Eine deutliche Fixierung gibt es bei den Be-sichtigungszeiten der Wies-kirche, die jährlich mehr als eine halbe Million Besucher anlockt. Seit dem 1. April greift die so genannte Ampellösung.

Mit Rot sind im Wochenkalender die Zeiten vermerkt, in denen eine Besichtigung generell nicht erlaubt ist. Dies gilt künftig zum Beispiel am Sonntag von 8 Uhr bis 13 Uhr. Gelb bedeutet, dass eine Besichtigung möglich ist, außer es finden kurzfristig zusätzliche Messen, Andachten, Konzerte oder Führungen statt. Grün sind im Wochenkalender die Zeiten vermerkt, in denen die Kirche immer frei ist zur Besichtigung. Das sind 35 Stunden pro Woche. 

Christoph Schneider vom Pfarramt spricht davon, die Besucherströme in der Wies „zu kanalisieren“. Auf der einen Seite sollen Gläubige in der Andacht nicht gestört werden. Andererseits brauchen Reiseveranstalter „verlässliche Zeiten“. 

Ob die neue Regelung der Besuchszeiten bei Touristik-Anbietern zu langen Gesichtern führt? Keinesfalls, winkt Susanne Lengger vom Tourismusverband Pfaffenwinkel ab. Die klare Einteilung sei eher positiv einzuschätzen. Die sogenannte Ampellösung schaue im ersten Moment zwar wie eine Einschränkung aus, sei aber eine Verbesserung. 

Bisher sei die Wieskirche für Besucher und Touristen jeden Wochentag immer von früh bis spät geöffnet gewesen. Dies habe aber mitunter während Gottesdienstzeiten beziehungsweise Führungen Konflikte beschert. Wallfahrtsreferent Karl Müller-Hindelang betont, die Hauptbestimmung der Wieskirche ist die einer Wallfahrtskirche, „also ein Ort für Gottesdienst und Gebet zu sein.“ Dafür wurde sie ursprünglich erbaut. 

Durch ihre großartige künstlerische Gestaltung und den daraus resultierenden Titel einer Unesco-Weltkulturerbestätte sei sie auch eine berühmte Sehenswürdigkeit, die viele Menschen mit rein touristischem Interesse anziehe. Bisher war der Zugang zur Besichtigung, was in der Regel mit Umhergehen, Fotografieren und gewisser Geräuschkulisse verbunden ist, sehr spontan geregelt. Das hat auch bei Zeiten für Gottesdienste und Gebet gegolten. Daraus haben sich immer wieder Konflikte ergeben. 

Gerade Reisegruppen waren mitunter sehr ungehalten, wenn sie angekommen sind, um dann festzustellen, dass wegen eines Gottesdienstes die Kirche gerade nicht „besichtigt" werden kann. Umgekehrt fühlten sich Betende gestört, wenn plötzlich eine Schar von Touristen in (und – je nach Reiseleiter – auch durch) die Kirche geströmt ist. Mit der neuen Regelung hofft Wiespfarrer Gottfried Fellner, da etwas mehr Klarheit zu schaffen. 

So sei mit der „Ampelregelung" von vorneherein festgelegt, dass es Zeiten gibt, in denen die Besichtigung mit den Begleiterscheinungen grundsätzlich ermöglicht wird: die grünen Zeiten. Umgekehrt sei auch klar, dass zu gewissen Zeiten eine Besichtigung nicht gestattet wird, weil in dieser Zeit die Kirche für ihren ursprünglichen Zweck (Gottesdienst, Meditation, Gebet) reserviert sei. Dies biete insbesondere Reiseunternehmen eine höhere Planungssicherheit. 

Die gelben Phasen bleiben weiterhin „Spontanzeiten“, weil es hier durchaus sein kann, dass die Kirche gerade für Gottesdienste, Andachten oder Führungen reserviert ist, das heißt in dieser Zeit eine Besichtigung nicht möglich ist. Aber es könne auch sein, dass nichts dergleichen stattfindet. Will man die Wieskirche nur besichtigen, trägt man in diesen Phasen ein gewisses Risiko. 

Um dafür verlässliche Auskunft zu bekommen ist es notwendig, kurzfristig vorher im Pfarramt nachzufragen. Am Sonntag und an Feiertagen finden vormittags zwei Gottesdienste statt, die je nach liturgischer und musikalischer Gestaltung von sehr unterschiedlicher Dauer sein können. Freilich seien Gottesdienst-Besucher oftmals schon vorher oder anschließend da, um Zeit fürs persönliche Gebet zu haben. Das habe am Sonntagvormittag eindeutig Priorität, betont Wiespfarrer Fellner. Mitunter sei die Kirche zu diesen Zeiten auch so voll, dass aus Sicherheitsgründen die Kirche tatsächlich geschlossen werden müsse.

Johannes Jais

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