Neue Funkgeräte für die Feuerwehr

Digital-Funk sorgt für Diskussionen

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Die alten Analogfunkgeräte der Schongauer Feuerwehr sind musemsreif.

Schongau – Eigentlich war angedacht, dass er bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 seinen ersten Einsatz hat, doch noch immer hat der Digital-Funk die veraltete Analog-Technik nicht abgelöst. Jetzt soll aufgrund des nahenden G8-Gipfels im kommenden Jahr auf einmal alles ganz schnell gehen.

Der Kauf der dafür nötigen Funkgeräte für die Schongauer Feuerwehr sorgte jetzt allerdings für eine längere Debatte im Stadtrat.

In allen Gemeinden des Landkreises steht das Thema derzeit auf der Tagesordnung, denn um Kosten zu sparen, sollen die neuen Funkgeräte gemeinsam beschafft werden. Wie Hauptamtsleiter Bernd Liebermann den Stadträten vortrug, benötigt die Schongauer Feuerwehr 14 neue Geräte für die Fahrzeuge, 30 Handfunkgeräte sowie zwei stationäre Anlagen. Da der Rahmenvertrag noch nicht verhandelt sei, gebe es derzeit noch keine genauen Kosten, erklärte Liebermann. Er plädierte dafür, schon einmal 65000 Euro im Haushalt einzuplanen. 

Für Siegfried Müller waren das allerdings 65000 Euro zu viel. Der ALS-Stadtrat outete sich als „Gegner der Digital-Technik“ und führte gleich eine Reihe von Argumenten ins Feld, um seine Position zu untermauern. Da sei zum einen die Tatsache, dass der Digital-Funk dauernd sende, und nicht wie die analogen Geräte nur, wenn er gebraucht würde. Dadurch verbrauche die Technik viel mehr Strom. 

Müller kritisierte außerdem die zentrale Netzstruktur mit Sitz in Berlin, die noch dazu nicht in Behördenhand, sondern in der einer GmbH liege. Am meisten störte den ALS-Stadtrat die ungeklärten Auswirkungen auf die Gesundheit, ein Restrisiko sei nicht ausgeschlossen. „Da stellen sich bei mir die Haare auf.“ Er plädierte deshalb dafür, dass sich Schongau der Forderung von 230 Widerstandsgemeinden nach einem Moratorium anschließe. „Uns wird veraltete Technik einfach übergestülpt.“ 

Die mögliche Gesundheitsgefahr konnte Armin Schleich (SPD) nicht entkräften. Allerdings verwies der BRK-Mitarbeiter darauf, dass Deutschland nur noch eines von zwei europäischen Ländern sei, in denen der Digital-Funk noch nicht flächendeckend eingesetzt werde. Und der biete immerhin einen entscheidenden Vorteil gegenüber der Analog-Technik: „Es gibt damit keine Funklöcher mehr.“ 

Davon gebe es derzeit noch einige, wie Stefan Konrad, der ebenfalls im Rettungsdienst arbeitet, erklärte. In Richtung Landsberg sei der Empfang derart schlecht, dass er oft auf sein privates Handy zurückgreifen müsse, um Kontakt zur Rettungsstelle zu halten. Für den SPD-Stadtrat führt an der Umstellung daher kein Weg vorbei. „Da geht es um Menschenleben.“ 

Ähnlich sah es auch Schongaus Feuerwehr-Kommandant Werner Berchtold, der sich allerdings eine langsamere Umstellung gewünscht hätte. Allerdings könne man als Stadt jetzt nicht einfach ausscheren, da eine spätere Beschaffung in Eigenregie deutlich teurer kommen würde, betonte er. Über kurz oder lang käme man um das Nachfolgesystem ohnehin nicht herum. „Die analog-Frequenzen werden verkauft. Dann sendet da ein Radiosender.“ 

Friedrich Zeller, den das Thema schon während seiner Zeit als Landrat beschäftigt hat, konnte der beschleunigten Umstellung bis Jahresende sogar etwas Positives abgewinnen. Es könne durchaus sein, dass dadurch die Zuschüsse steigen würden. Gegen drei ALS-Stimmen stimmte das Gremium schließlich für die Anschaffung.

Christoph Peters

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