Tag des offenen Betriebs in Herzogsägmühle

In den Berufsalltag hineinschnuppern

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In der Schlosserei flogen die Funken. Dort fertigten die Mitarbeiter passend zur Osterzeit Metallhasen an. Aus Sicherheitsgründen blieb den Schülern nur die Zuschauerrolle.

Herzogsägmühle – Zum zweiten Mal hat Herzogsägmühle in der vergangenen Woche zum Tag des offenen Betriebs geladen. Nach der gelungenen Premiere im Vorjahr zogen auch heuer wieder rund 350 Schüler durch das Diakoniedorf, um sich in den verschiedenen Betrieben über mögliche Ausbildungsrichtungen zu informieren.

Vor der Deckerhalle bildet sich morgens um kurz nach 9 Uhr eine aufgeregte Menschentraube. Immer mehr Schüler strömen ins Freie, wedeln mit Teilnehmerkarte und Lageplan. Suchend gleiten die Augen über die gelben Schilder, auf denen die Namen der einzelnen Betriebe stehen, in denen die Schüler in den nächsten Stunden in den Berufsalltag hineinschnuppern können. 

Eine halbe Stunde später hat sich der Menschenauflauf aufgelöst, Schülergruppen ziehen von Station zu Station durch den Ort. Möglichst viele Eindrücke einsaugen, lautet die Devise. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Die 19 Betriebe in Herzogsägmühle bieten in 42 Berufen Ausbildungen an. Mehr Auswahl in fußläufiger Entfernung findet man selten. 

In der Kfz-Werkstatt haben Schüler das erste Auto auf der Hebebühne platziert, Reifenwechseln ist angesagt. Der erste greift unter Anleitung zum Druckluftschrauber, als nächstes traut sich ein Mädchen. Währenddessen erklärt der Auszubildende Manuel Beck einer anderen Gruppe, wie ein Getriebe funktioniert. 

Praxis statt Theorie, das ist der Unterschied zu den Jobmessen, auf denen Unternehmen mit Hochglanzbroschüren um den Nachwuchs werben. „Hier können sie schmecken, hören, fühlen, sehen“, sagt Markus Sinn, der als Bereichsleiter Arbeit und Integration für den Tag des offenen Betriebs verantwortlich zeichnet. 

Um die Schüler zum Mitmachen zu motivieren, gibt es für jede gelöste praktische Aufgabe Punkte, die am Ende in Gutscheine umgewandelt werden. In manchen Betrieben bleibt es aber aus Sicherheitsgründen beim Zuschauen, etwa wenn in der Schlosserei metallene Hasen gefertigt werden. Herzogsägmühle führt die Veranstaltung bereits zum zweiten Mal durch. 

„Die Rückmeldung nach der Premiere war so gut, dass wir uns für eine Wiederholung entschieden haben“, erklärt Sinn. Dabei profitiert das Diakoniedorf nur indirekt davon, denn einstellen können die Betriebe die potentiellen Auszubildenden nicht, da sie nur Bewerber mit Förderbedarf aufnehmen. „Uns geht es darum, einen Beitrag zu leisten und die Freude an einer Ausbildung zu vermitteln“, betont Sinn. 

Auch die eigenen Azubis würden profitieren. „Für sie ist die Präsentation ihrer Aufgaben eine gute Übung. Sie sind sehr stolz darauf“, fügt der Bereichsleiter hinzu. Und noch ein Aspekt ist ihm wichtig. „Die Schüler, die kommen, erleben die Herzogsägmühle als ganz normales Dorf.“ Das helfe, die immer noch weit verbreitenden Vorurteile abzubauen. 

Zu den Partnern, die Herzogsägmühle beim Tag des offenen Betriebs unterstützen, zählen Handwerkskammer, IHK, der Landkreis und die Agentur für Arbeit. Deren Engagement verwundert nicht, denn sie alle suchen nach Mitteln, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Auftritte wie in Herzogsägmühle oder auf regionalen Messen gehören zum Pflichtprogramm. Längst hat man die Fühler nach Zuwanderern ausgestreckt, um die unbesetzten Ausbildungsplätze zu füllen. Die Handwerks-kammer beschäftigt deshalb seit August vergangenen Jahres sogar einen eigenen Flüchtlingsaquisiteur. 

Auch bei der IHK hat man die letzten Jahre personell aufgestockt, um zielgruppengerechter beraten zu können. Bei allen Anstrengungen, die Jugendlichen zu erreichen, dürfe man aber auch die Betriebe nicht vergessen, betont IHK-Berater Ronald Hubrecht. Angesichts der immer unterschiedlicheren Bewerbungsgruppen, sei hier der Beratungsbedarf deutlich gestiegen.

Sich beraten lassen, das kann Monika Lex Jugendlichen, die noch keinen Ausbildungsplatz haben, nur empfehlen. Es gebe derzeit noch in allen Branchen genug Plätze für das neue Ausbildungsjahr, das im September beginne, so die Geschäfts-führerin operativ der Agentur für Arbeit in Weilheim. Gerade in den Pflegeberufen herrsche ein „absoluter Mangel“.

Christoph Peters

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