Pläne für Münz- und Weinstraße vorgestellt

Mehr Platz für Fußgänger

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Die südliche Münzstraße wie sie sich die Planer vorstellen im Querschnitt: Auffällig sind die breiten Fußgängerbereiche auf beiden Seiten und die fehlenden Bordsteine.

Schongau – Neben der Umwandlung des Marienplatzes zur Fußgängerzone hat die Stadt Schongau noch ein weiteres großes Projekt in der Altstadt vor Augen. In der Stadtratssitzung am Dienstag wurden die ersten Pläne für die Neugestaltung der Münz- und Weinstraße vorgestellt. Auch hier sollen wie bei der Fußgängerzone Bürger und Geschäftsleute ihre Ideen und Vorstellungen einbringen können. Eine entsprechende Informationsveranstaltung ist für Anfang Oktober geplant.

Jochen Baur kennt sich aus in der Lechstadt. Ganz besonders ist ihm die Wein- und Münzstraße ein Begriff. Der Architekt hatte mit seinem Büro SEP 1999 von der Stadt den Auftrag erhalten, die Möglichkeit einer Tiefgarage unter der Münzstraße zu prüfen. Das Vorhaben scheiterte bekanntlich damals wie auch bei einer erneuten Prüfung 2013 an den Kosten und den schwierigen räumlichen Gegebenheiten. 

Im Rahmen des Plangutachtens hatte sein Büro vor 16 Jahren auch erste Überlegungen angestellt, wie die Münz- und Weinstraße neu gestaltet werden könnte. Die Ideen verschwanden damals ebenfalls aus Kostengründen in der Schublade. Vor zwei Jahren durfte sie Baur im Rahmen der Tiefgaragen-Prüfung erneut präsentieren. Diesmal mit größerem Erfolg. Der Stadtrat beschloss, den Entwurf grundsätzlich weiterzuverfolgen. Im vergangenen Jahr bekam Baurs Büro den endgültigen Zuschlag für die Neukonzeption. 

Am Dienstag konnten er und sein Team dem Stadtrat die ersten Pläne vorstellen. Bevor Baur ins Detail ging, erläuterte Stadtbaumeister Ulrich Knecht die Herausforderungen, die die Neugestaltung mit sich bringe. „Wir befinden uns hier in einem Spannungsfeld“, erklärte er. Einerseits gelte es, die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Andererseits dürfe der Verkehr darunter nicht leiden, der vor allem in der Weinstraße durch die Fußgängerzone zunehmen werde. Die Planungen seien daher auch als erste Überlegungen zu verstehen, betonte der Stadtbaumeister. „Wir werden heute keinen Beschluss fassen.“ 

Diese fußten zum Teil auf den Vorschlägen, die Baurs Büro schon vor 16 Jahren erarbeitet hatte. Kernpunkt sind breite Fußgängerbereiche, die nicht mehr durch Bordsteine, sondern durch eine Entwässerungsrinne von der Fahrbahn getrennt sind. Sowohl Gehweg als auch Straße sollen gepflastert werden. Wie auf dem „Präsentierteller“ würde laut Baur künftig das Rathaus liegen, denn um das Gebäude herum sieht die Planung einen größeren Aufenthaltsbereich vor. Stellplätze und die Insel mit dem Denkmal in der Straßenmitte müssten dafür weichen. Letzteres käme direkt vor dem Rathaus unter. 

Was die Parkplätze angeht, sieht das Konzept im südlichen Teil der Münzstraße Senkrechtparker auf der West- und Längsparker auf der Ostseite vor. Schwieriger wird es im nördlichen Bereich ab der Wasserstraße. Ursprünglich habe man hier im Osten Senkrechtparker und im Westen Längsparker vorgesehen, sagte Baur.

Damit bliebe allerdings auf Höhe des Landratsamtes aufgrund der beengten Platzverhältnisse nur Platz für einen zwei Meter breiten Gehweg. Für die Barrierefreiheit seien aber mindestens 2,50 Meter nötig. Der Planer schlug daher vor, zwischen Wasser- und Friedhofstraße auf Senkrechtparker zu verzichten, was nicht jedem Stadtrat gefiel. 

Als „kniffligen Punkt“ bezeichnete der Architekt auch das Gefälle weiter nördlich. An einer Stufenlösung wie bislang auf der Westseite komme man auch in Zukunft nicht vorbei, wenn man die Erreichbarkeit der Geschäfte gewährleisten wolle. Er riet jedoch dazu, parallel einen Gehweg auf Straßenniveau zu führen, gab aber zu: „Das Problem ist noch nicht voll gelöst.“

Zur Aufenthaltsqualität beitragen sollen kleinkronige Bäume zwischen den Stellplätzen. Im Bereich der Wasser- und Reichelstraße kann sich Baur zudem einen Brunnen vorstellen, der historisch dort in früheren Zeiten einmal vorhanden gewesen sei. 

Schwierige Weinstraße 

Problematischer stellt sich laut Baur die Neugestaltung der Weinstraße da. Aufgrund der beengten Platzverhältnisse im östlichen Teil könne man dort nicht viel ändern, ohne Parkplätze wegzunehmen. Auch Bäume seien hier nicht möglich. Ähnliche Probleme gibt es auf der anderen Seite. Um die Situation an der Einmündung Christophstraße zu entschärfen und den schmalen Gehweg verbreitern zu können, brachte Baur eine Einbahnregelung ins Spiel. 

Diese dürfte allerdings aufgrund des durch die Fußgängerzone zu erwartenden steigenden Verkehrsaufkommens wenig Aussicht auf Erfolg haben, wie auch Stadtrat Markus Wühr (CSU) bemerkte. „Wenn wir das machen, verstärken wir den Verkehr in der Löwen- und Rentamtsraße.“ 

Die Sperrung des Marienplatzes bietet allerdings auch Chancen. So könne die Einmündung Richtung Marienplatz kleiner ausfallen, wodurch es möglich wäre, künftig drei Busse an der Haltestelle vor der Kirche halten zu lassen, erklärte Baur. Für den Kreuzungsbereich Münz- und Weinstraße warb er zudem für das „Shared Space“-Konzept, das eine gleichberechtigte Nutzung durch alle Verkehrsteilnehmer vorsieht. Das begeisterte besonders Siegfried Müller (ALS).

Auch über das Grundstück direkt vor der Stadtpfarrkirche hatten sich die Planer Gedanken gemacht. „Hier könnte eine Relaxzone entstehen.“ 

Bei den Stadträten kam die Planung durch die Bank gut an. Ein paar Kritikpunkte gab es dann aber doch. So vermisste Müller Zebrastreifen als Querungshilfe, worauf ihm Paul Huber entgegenhielt, dass diese bei „Shared Space“ gar nicht nötig seien. Der CSU-Stadtrat wiederum hatte seine Probleme mit dem Pflaster. Er befürchtete eine zusätzliche Lärmbelastung für die Anwohner. 

Michael Eberle sprach sich gegen einen Aufenthaltsbereich vor der Kirche aus. Der Platz sei zum einen aufgrund seiner Lage auf der Nordseite nicht attraktiv, argumentierte der CSU-Chef. Zum anderen gehöre der Grund komplett der Kirche, was schon bei der Errichtung der Bushaltestelle problematisch gewesen sei.

Letztere gab ebenfalls Anlass zur Diskussion. Während Huber eine dritte Haltestelle für unbedingt nötig erachtete, hielt Friedrich Zeller davon gar nichts. „Wenn da drei Busse parken, ist die Sicht auf die Kirche völlig verstellt.“ Der SPD-Stadtrat forderte außerdem Nachbesserungen, was die geplante Stellplatzanordnung auf dem Platz vor der ehemaligen Büchergalerie betraf. „Da muss man nochmal ran.“ 

Weitere Wünsche war die Einrichtung von mehr Fahrradständern und Sitzgelegenheiten sowie einer Ladestation für Elektro-Autos. Ilona Böse (SPD) stellte die Frage nach der geplanten Beleuchtung. In den engen Bereichen seien Lampen angedacht, die an den Gebäuden befestigt würden, antwortete Baur. Ansonsten werde man mit Mastleuchten arbeiten. 

Streitpunkt Parkplätze

Erst ganz am Schluss kam man auf ein Thema zu sprechen, dass vor zwei Jahren noch für hitzige Diskussionen gesorgt hatte. „Mich wundert, dass noch niemand nach den wegfallenden Parkplätzen gefragt hat“, sagte Knecht, bevor er die entsprechenden Zahlen präsentierte. Je nach Ausführung würden demnach allein in der Münzstraße zwischen 14 und 27 der aktuell 159 Stellplätze wegfallen. Für die Weinstraße habe man noch keine exakte Zahl.

Klar sei, dass Ersatz in Form von altstadtnaher Parkplätze geschaffen werden müsse. Dabei könne die Stadt auf Fördergelder hoffen. Diese Ersatzflächen waren besonders Stephan Hild wichtig. Schließlich würden nicht nur in der Wein- und Münzstraße Parkplätze wegfallen, sondern auch am Marienplatz durch die Einrichtung der Fußgängerzone, so der UWV-Stadtrat: „Das muss zusammen betrachtet werden.“

Christoph Peters

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