Politiker-Derblecken im Brauhaus

"I dad’s amol probieren"

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Fastenprediger Michi Marchner holte zum Rundumschlag aus. Den Gästen im Schongauer Brauhaus gefiel’s.

Schongau – Besser hätte wohl Michi Marchners Premiere als Fastenprediger nicht laufen können: Beim ersten Starkbierfest im Schongauer Brauhaus glänzte der Kabarettist als treffsicherer Politiker-Derblecker und stieß mit seiner Rede allseits auf Begeisterung.

„Voll ins Schwarze getroffen“, „genau passend – aber gleichzeitig nicht unter Gürtellinie“ lautete das allgemeine Urteil. Dabei gab sich Marchner erst mal ganz bescheiden: Er hat erst gar nicht gewusst, ob er das mit der Fastenpredigt überhaupt kann, und was da von ihm verlangt wird – behauptet er. Bis er die Wahlwerbung eines Schongauer Kandidaten (Kalbitzer) gesehen hat, „der keine Ahnung hat, was ein Bürgermeister so macht“, aber einfach sagt, „i dad's amol probieren“. Marchners Fazit: „Wenn die Schongauer so drauf sind, dann kann ich da auch Fastenprediger machen.“ 

Und dass er es kann, hat er mit Bravour unter Beweis gestellt. In erster Linie waren es die Schongauer Bürgermeisterkandidaten und die Landratskandidaten, die ihr Fett abbekamen – und auch fast alle selbst im Publikum saßen und hautnah ihre Schelte mitkriegten. 

Karl-Heinz Grehl (Grüne) wird zum „Krakeel“, Wolfgang Taffertshofer (BfL) ist „kompetent, erfahren, zeugungsfähig“ und „ein Naturbursche, also ein echter Büffel“, Susann Enders (Freie Wähler) ist die humorlose, „gestrenge Herrin“ und Landrat Dr. Friedrich Zeller „ist von der SPD – und deswegen kann er nicht rechnen“. 

Einen echten Brüller im Saal landet Marchner mit seinem Kommentar über die CSU-Landratskandidatin Andrea Jochner-Weiß: „Die kann ein Dirndl ausfüllen, dass es dem Herrn Brüderle eine Freude wäre!“ 

Vier „tapfere Recken“ würden sich gerne auf den Schongauer Chefsessel setzen – und das, obwohl die Schongauer schon den letzten Bürgermeister „so zügig zerschlissen haben“, stellte Marchner fest. Von der Kandidaten-Wahlwerbung per Internet-Video, wo einer wie Ralf Schnabel „in Zeitlupe durch Schongau wandelt“, hält Marchner schon mal gar nichts: Ich hätte den Sluyterman gewählt – weil er der einzige ist, der nicht so ein peinliches Video im Netz hat,“ behauptet der Kabarettist. Denn die einzige Botschaft, die Marchner aus allen drei Kandidatenvideos gezogen hat, war: „Wir brauchen ein schönes Kino mit Popcorn.“ 

Zum nicht anwesenden Robert Stöhr (CSU) meinte Marchner: „Ich denke, der wird bewusst von Herrn Eberle zurückgehalten.“ Zur Frage, was ein richtiger Schongauer ist und was nicht, meinte der Fastenprediger in Richtung Falk Sluyterman: „Sie sind es jedenfalls nicht – Sie sind ja nicht einmal ein richtiger Deutscher (in Anspielung auf dessen niederländische Vorfahren).“ 

Doch Marchner setzt noch einen drauf und fragt den SPD-Kandidaten, ob er denn unbedingt gleich Bürgermeister werden müsse – oder ob es für den Anfang nicht auch ein Rikscha-Führerschein tun würde. Zu Tobias Kalbitzers K.-O.-Tropfen-Geschichte meinte der Festredner: „K.-O.-Tropfen in Schongau? Jetzt versteh ich, warum ihr in Schongau eine Sicherheitswacht braucht“ – eine, die schon eine ganze Reihe von „Wildbieslvergehen“ zur Anzeige gebracht hat. 

Vor der gelungenen Fastenpredigt übernahm Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl aber erst mal den Anstich des selbst gebrauten Bieres „Fastinator 2014“ und verkündete nach zwei Schlägen: „O'zapt is!“. Zum Abschluss warteten „Da Stenz und de Stiagnhausratschn“ noch mit einem Singspiel auf.

Manuela Schmid

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