Altenpflegeschüler werben für ihren Beruf

"Für jemanden da zu sein, ist toll"

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Landrat Friedrich Zeller (li.) stand Heimerer-Altenpflegeschulleiterin Conny Leibig (2. v. li.) und den Schülern (Hintergrund) Rede und Antwort – genau wie auch Schulnamensgeber Friedrich Heimerer (re.) und seine Frau Josefine.

Schongau – Der Beruf des Altenpflegers ist für viele kein Traumjob. Geht es nach den Schülern der Schongauer Heimerer-Altenpflegeschule soll sich das ändern. Ihre Idee: Werbung in eigener Sache.

Wenn die Schüler der Schongauer Heimerer Altenpflegeschule im zweiten Ausbildungsjahr angelangt sind, gehört es mittlerweile schon zur Tradition des Hauses, dass sie sich gemeinsam einem Projekt widmen. In der Vergangenheit kam auf diesem Weg etwa ein Theaterstück oder ein Kochbuch für Senioren zustande. In diesem Jahr hat sich die Klasse ein besonders anspruchsvolles Ziel gesetzt: Die Schüler wollen Vorurteile gegenüber ihrem Beruf abbauen und so andere Jugendliche für die Arbeit als Altenpfleger zu begeistern. 

Für die Vorstellung ihres Vorhabens hatten die Klasse und Schulleiterin Conny Leibig neben der Presse auch Landrat Friedrich Zeller sowie die Schul-Namensgeber Friedrich und Josefine Heimerer eingeladen. Dass sich die Klasse im Vorfeld bereits intensiv mit dem Thema beschäftigt hatte, zeigten die zum teil kritischen Fragen, die die Schüler dem Landrat stellten. 

So wollte Denis Lalic wissen, warum die Politik sich angesichts des demografischen Wandels nicht mehr für die Altenpflege einsetze. „An den Schulen wird der Beruf nicht einmal von der Arbeitsagentur vorgestellt“, kritisierte er. Sollte das wirklich der Fall sein, werde er nachhaken, versprach Zeller. „Leider ist es so, dass bestimmte Berufsfelder in der Gesellschaft geringer geachtet werden. Da wird dann meist auch nur über das Negative berichtet“, bedauerte der Landrat. Man müsse gemeinsam daran arbeiten, dass Pflegeberufe die Geltung bekom-men, die sie verdienen. Einfach den Namen ändern, wie es laut Schüler Raphael Hölch im vergangenen Jahr in einer Petition gefordert worden war, helfe da nicht weiter. „Davon bin ich kein Freund.“

 Ein Problem sah Zeller eher darin, dass Pflegeberufe im Gegensatz zum Handwerk oder anderen Berufsgruppen über keine gute Lobby verfügen. Das bestätigte Friedrich Heimerer. Die zuständigen Regierungsbehörden seien etwa im Vergleich zur IHK zu weit weg von der Wirtschaft, kritisierte er und forderte mehr Unterstützung. „Die Altenpflege ist einer der wenigen jungen, dynamischen Berufe, bei denen es Wachstum gibt.“ 

Wie schwer der Beruf mit der öffentlichen Wahrnehmung zu kämpfen hat, verdeutlichte Leibig anhand der Diskussion um das Schulgeld. „Als man bei der Debatte über die Abschaffung der Studiengebühren in einem TV-Beitrag das gleiche auch für das Schulgeld für Altenpfleger gefordert und dabei die Heimerer Schulen gezeigt hat, gingen unsere Schülerzahlen drastisch zurück.“ 

Dass die Gebühr viele von einer Ausbildung abschreckt, hat auch Ebra Bicakci festgestellt. Sie könne nicht verstehen, warum der Freistaat nicht mehr in dieser Richtung tue, ärgerte sich die Schülerin. Zwar habe die Staatsregierung mittlerweile reagiert und zahle seit September Zuschüsse für Lehrer, Klassen- und Schülerzahl, merkte Heimerer an. Ob diese allerdings reichen würden, um als gemeinnütziges Unternehmen das Schulgeld abschaffen zu können, könne man erst nach dem Schuljahr sagen. 

Trotz aller Widrigkeiten: Ihren Beruf möchten die Schüler nicht missen. „Für jemanden da zu sein, das ist ein tolles Gefühl“, schwärmt Bicakci. „Das gibt es in kaum einem anderen Job.“ Mit Besuchen in den achten und neunten Klassen der umliegenden Real- und Mittelschulen will die Klasse deshalb selbst für die Ausbildung zum Altenpfleger werben: „Wenn Schüler zu Schülern sprechen, ist das was ganz anderes.“ chpe

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