Anstehende Veränderungen im Überblick

Quo vadis, Schongauer Altstadt?

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Diese beiden Häuser gehören Richard Merkle. Ihm schwebt nach Auszug des NKD eine große Lösung vor – gesetzt, die Stadt spielt mit bei der Verkehrsberuhigunng.

Schongau – Der TV-Beitrag über Schongau zum Thema Altstadtsterben hat in der vergangenen Woche viele Schongauer interessiert. In der Mediathek des Bayerischen Fernsehens ist er bereits einer der meist gese-henen Filme. In manchen Dingen war der im Sommer gedrehte Beitrag allerdings nicht mehr aktuell. Grund genug für einen Überblick über die aktuell anstehenden Veränderungen in der Altstadt, die es durchaus in sich haben.

NKD 

Schon länger hatte das Gerücht seine Runde gemacht, jetzt ist es offiziell: Am 1. April ist Schluss. Der NKD am Marienplatz schließt seine Pforten. Einen neuen Mieter für das Geschäft gibt es nicht. Was auf den ersten Blick nach einem weiteren Mosaikstein im Bild einer sterbenden Altstadt wirkt, entpuppt sich auf den zweiten als Chance. 

Denn Hausbesitzer Richard Merkle, dem auch das Gebäude nebenan gehört, hat Großes vor. Er wäre bereit, einen Millionenbetrag in die Sanierung der beiden Häuser zu investieren, die insgesamt über eine vermietbare Fläche von rund 2500 Quadratmetern verfügen. Allerdings nur unter einer Voraussetzung. „Ohne Fußgängerzone brauchen wir nicht anfangen“, macht Merkle klar. 

Denn ein verkehrsberuhigte Mitte sei die Grundbedingung für eine Ansiedlung der großen Modekette, mit der er in aussichtsreichen Verhandlungen steht. Stellt die Stadt die entsprechenden Weichen, schweben Merkle neben dem ersehnten Altstadt-Magneten, ein Restaurant samt Café, sowie in den oberen Stockwerken Büros und Wohnungen vor. 

Schuhhaus Suttor 

Eigentlich kennt jeder das Schuhhaus Suttor am Marienplatz unter seinem ursprünglichen Namen, der noch immer an der Fassade steht. Kein Wunder, schließlich betrieb die Familie Mack ihr Geschäft ein Dreiviertel Jahrhundert lang. Heute ist Lotte Mack nur noch Besitzerin des Hauses, doch ihr Herz hängt noch immer an der Schuhhandlung. Eine Altstadt ohne Schuhgeschäft? „Unmöglich“, findet sie. 

Doch genau das könnte passieren, denn ihr langjähriger Pächter Horst Suttor will in diesem Jahr endgültig in Ruhestand gehen, frühestens am 1. August, spätestens jedoch zum Jahresende. Bis dahin will Mack einen Nachfolger parat haben. Sie ist optimistisch, dass ihr das gelingt. 

Parfümerie Wiedemann 

Keinen Nachfolger indes gibt es für die Parfümerie Wiedemann in der Lechtorstraße. Erst vor einem Jahr hatte Peter Wiedemann die Filiale von der Parfümerie-Kette Schmidt aus Garmisch-Partenkirchen im Paket mit elf weiteren Standorten übernommen und in sein Tölzer Unternehmen eingegliedert. 

Kurios: Acht Jahre zuvor war es Wiedemann, der die Schongauer Filiale an den Konkurrenten verkaufte. Dass das Unternehmen den Standort jetzt zum 1. Mai aufgibt, hat laut Wiedemann einen einfachen Grund. „Wir brauchen eine gewisse Mindestmarge, um die Filiale rentabel zu führen. Dafür reicht der Umsatz nicht.“ Besserung sei nicht in Sicht gewesen, weshalb man sich entschlossen habe, den auslaufenden Mietvertrag nicht zu verlängern. 

amt connect

Seit Mitte November ist der ep-Fachmarkt in der Weinstraße geschlossen. Vorausgegangen war ein jahrelanger Streit zwischen Hausbesitzer und Mieter, der sich gegen die Kündigung wehrte. Die Auseinandersetzung hatte auch Auswirkungen auf die geplante Belebung der oberen Stockwerke. 

Dort sollten längst zwei Wohngruppen der Herzogsägmühle einziehen, doch habe man die nötigen Umbauten nicht ohne Zugang zu den Geschäftsräumen bewerkstelligen können, erklärt Hans Rock, Fachbereichsleiter in Herzogsägmühle. Dieser Weg ist nun frei. 

Einen neuen Mieter für die Ladenfläche hat Hausbesitzer Stephan Wanner bereits gefunden. „Wir haben eine Vereinbarung unterzeichnet“, bestätigt Rock, auf den Wanner zuletzt zugegangen war. Wie genau die Diakonie-Einrichtung das Objekt nutzen will, steht noch nicht fest. Eine Möglichkeit ist, dass der vorhandene Laden wenige Meter weiter umzieht. 

Gonizianerhaus

Von einem unterzeichneten Mietvertrag ist Klaus Kirstein immer noch weit entfernt. Seit mehr als zwei Jahren versucht er, das von ihm erworbene Gonizianerhaus in der Weinstraße zu vermieten – mit überschaubarem Erfolg. Im ersten Stock zog zwar die psychologische Beratungsstelle für Erziehungs- Jugend- und Familienberatung ein. 

Das Erdgeschoss steht weiter leer. Alle Anläufe, die große Verkaufsfläche einer Modekette schmackhaft zu machen, sind bislang gescheitert. In diesem Jahr müsse er eine Entscheidung treffen, wie es mit der Immobilie weitergehe, kündigt Kirstein an. 

Hoffnungsvoll blickt er auf die Pläne Merkles, am Marienplatz einen großen Filialisten anzusiedeln, setzt auf den Schneeball-Effekt. „Das kann man nur begrüßen.“ 

Blaue Traube

Die Speisekarte hängt noch neben der Tür, doch die Küche im Gasthof Blaue Traube in der Münzstraße ist seit Wochen kalt. Am zweiten Weihnachtsfeiertag endete der Pachtvertrag von Rosemarie Keppeler, die das Traditionshaus 17 Jahre führte. 

Einen neuen Pächter gibt es nicht. Seit längerem ist die Aktienbrauerei Kaufbeuren schon auf der Suche, bislang allerdings ohne Erfolg. „Es gibt Gespräche mit Interessenten, aber noch ist nichts unter Dach und Fach“, sagt Brauerei-Bezirksleiter Johannes Bechteler.

 Sollte ein Nachfolger gefunden werden, ist mit einer Neueröffnung dennoch nicht sofort zu rechnen. Erst einmal sind die Handwerker dran. „Nach so vielen Jahren gibt es Gebrauchsspuren, die beseitigt werden müssen“.

Christoph Peters

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