"Recht auf Lebensqualität"

Laut BDM-Vorsitzendem Romuald Schaber bleibt die Situation für die Milchbauern angespannt. Foto: Jungwirth

Es brodelt weiterhin bei den Milchbauern. Denn noch immer sind sie weit weg von den seit Jahren anvisierten 40 Cent. Stattdessen erhält ein Landwirt derzeit zwischen 27 bis 31 Cent je Liter Milch. Beim Milchbauernabend des Bundesverbands Deutscher Milchvieh-halter (BDM) wurden deutliche Worte gesprochen.

Knapp 700 Milchbauern waren ins Festzelt nach Bernbeuren gekommen, um zu hören, was ihr Bundesvorsitzender Romuald Schaber zu sagen hat. Zudem war Peter Schmidt, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, Region Allgäu, und zuständig für die Milchwirtschaft als Referent geladen worden. „Wir können beim jetzigen Milchpreis nicht mehr von eine Delle reden. Es handelt sich hier um eine Krise“, sagte Romuald Schaber. Denn die knapp 30 Cent seien in Anbetracht gestiegener Diesel-, Energie- und Pachtpreise wie 22 Cent zu werten. „Die Wirtschaft verfolgt knallhart ihre Interessen und die Liberalisierung, die eingeführt wurde, nützt nur den Großen“, sagte der Bundesvorsitzende. Die politischen Rahmenbedingungen müssten geändert werden. Statt immer mehr produzieren zu müssen, sollten jene, die weniger produzierten, dafür eine Entschädigung erhalten. Zugleich riet er den anwesenden Bauern, weder zu resignieren, noch die Flucht nach vorne in extreme Investitionen zu suchen. „Ich rate schon zu investieren. Aber die Kosten müssen überschaubar bleiben“, unterstrich der Vertreter der Milchbauern. In einer emotionalen Rede beklagte Gewerkschafter Peter Schmidt anschließend die Raffgier international agierender Konzerne: „Die Milchwirtschaft verzeichnet Gewinngrößen zwischen 15 bis 20 Prozent. Und Nestle hat 2010 eine Eigenkapitalrendite von 40 Prozent erwirtschaftet! Da stimmt doch was nicht!“, erboste sich der Referent. Zugleich prophezeite er der Bundesrepublik eine ähnliche Entwicklung wie sie derzeit schon in den südeuropäischen Ländern zu beobachten ist: „Die Löhne in Griechenland oder Spanien sind um 20 bis 25 Prozent gekürzt worden. Warum? Nicht, weil die Menschen über ihre Verhältnisse gelebt haben, sondern weil die Banken das Geld verzockt haben“, wetterte der Gewerkschafter. Gleichzeitig riet der den anwesenden Milchbauern, zusammen zu halten, denn nur gemeinsam könnten sie ihre Interessen gegenüber den Konzernen und den Molkereien vertreten. Bernhard Heger, BDM-Kreisvorsitzender und BDM-Beiratsmitglied, sprach sich schließlich vehement gegen ständiges Wachstum und gegen damit verbundene steigende Arbeitszeit und Zinslast aus. Stattdessen forderte er mehr Lebensqualität für die Landwirte: „Das ganze Wachstum geht nur auf dem Rücken der Familie und der Partnerschaften. Aber wir Bauern haben, so wie jeder andere auch, ein Recht auf Lebensqualität und nicht nur wenig Urlaub und viel Arbeit“.

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