Schongauer Stadtrat gibt grünes Licht

Der Bike-Park kommt

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So soll der Bike-Park auf der Schärflshalde einmal aussehen.

Schongau – Voll besetzte Zuschauerreihen sind bei einer Sitzung des Schongauer Stadtrats ein seltener Anblick. Am Dienstagabend jedoch platzte der Saal im Rathaus aus allen Nähten. Viele waren gekommen, um zu erfahren, ob eines der umstrittensten Projekte der letzten Monate nun umgesetzt wird oder nicht. Die Befürworter des Bike-Parks an der Schärflshalde konnten schließlich aufatmen. Mit 15:9 Stimmen gab das Gremium endgültig grünes Licht.

Noch während der Sitzung machte das Ergebnis im sozialen Netzwerk Facebook die Runde. Schongaus Zweiter Bürgermeister Tobias Kalbitzer hatte die Nachricht in Umlauf gebracht. Die Reaktionen waren gemischt. „Ich glaub’ das erst, wenn er da ist“, kommentierte ein Nutzer skeptisch. 

Tatsächlich dürfte manch einer bereits den Glauben daran verloren haben, dass das Vorhaben doch noch zu einem guten Ende kommt. Seit die Stadt vor einem Jahr ihre Planung für das Gelände vorgestellt hatte, waren die Proteste der Anwohner immer lauter geworden. Sie fürchteten vor allem den Lärm, ließen sich auch von einem Schallgutachten, das den Bike-Park bis auf kleine Ausnahmen innerhalb der vorgeschriebenen Grenzen sah, nicht beeindrucken. 

Zuletzt trafen Befürworter und Gegner bei einer Informationsveranstaltung im Juli aufeinander, lieferten sich eine hitzige Debatte über Sinn und Unsinn des Projekts. „Es ist klar, dass nicht allen alles gefällt“, stellte Stadtbaumeister Ulrich Knecht am Dienstag fest, nachdem er die lange Vorgeschichte noch einmal aufgerollt hatte. 

Er verschwieg auch nicht, dass das umfangreiche Verfahren die Stadt bereits rund 20000 Euro gekostet habe. Bis zum Baustart würde sich diese Summe durch den nötigen Bebauungsplan noch einmal verdoppeln. Damit stünden von den eingeplanten 150000 Euro im Haushalt nur noch rund 110000 Euro zur Verfügung – bei geschätzten Baukosten der fünf Strecken von rund 144000 Euro. 

„Das ist aber keine Schongauer Sache, sondern dem rechtsstaatlichen Verfahren geschuldet“, betonte er. Jedoch habe das Projekt gute Chancen auf Aufnahme ins Leader-Programm, wodurch eine Förderung von rund 50 Prozent winke. „Wir müssten dann allerdings 2015 bauen.“ 

Für die Mehrheit der Stadträte war klar, dass man diesen Weg gehen sollte. „Wir haben die Jugend lange genug vertröstet“, befand Robert Stöhr (CSU). Ähnlich sah es auch Ilona Böse (SPD), die das Vorhaben von Beginn an vorangetrieben hatte und in der Sitzung als ihr „Baby“ bezeichnete. „Ich glaube daran, dass das Projekt gelingt.“

Stephan Hild (UWV) plädierte dagegen dafür, erst einmal nur den unteren Teil der Strecken umzusetzen. „Dann sehen wir, wie es angenommen wird.“ Zumal der obere Teil ohne Lift sowieso schwierig zu erreichen sei. Das sah auch sein Fraktionskollege Ralf Schnabel so. „Wir würden etwas Einmaliges schaffen. Eine Downhill-Anlage ohne Lift gibt es nirgendwo.“ 

Der Vorschlag der UWV stieß im übrigen Gremium allerdings auf wenig Gegenliebe. „Dann schaffen wir ein totgeborenes Kind“, konterte Friedrich Zeller (SPD), denn wenn weniger angeboten werde, sinke die Attraktivität. Und auch Michael Hunger (CSU) hielt eine reduzierte Ausführung für „nicht zielführend“. 

Als Cornelia Funke (CSU) die Folgekosten ins Feld führte, erklärte Knecht, dass auch andere Einrichtungen Unterhalt kosten würden. „Außerdem gibt es eine Gruppe, die bei der Pflege mithelfen will.“ Und Nina Konstantin (ALS) verwies auf den interkommunalen Effekt des Bike-Parks. „ Auch in Altenstadt freuen sie sich schon drauf“, berichtete sie. 

Oliver Kellermann kritisierte, dass die Anlage laut Ausschreibung nur in trockenem Zustand genutzt werden könne. „Wann ist das bei uns schon der Fall?“, fragte der CSU-Stadtrat und forderte, „lieber ein Ende mit Schrecken als einen Schrecken ohne Ende.“ 

Davon ließen sich die Befürworter allerdings nicht mehr beeindrucken. SPD, ALS und Teile der CSU (Hunger, Stöhr und Markus Wühr) erteilten dem Bike-Park mit 15:9-Stimmen das Placet.

Christoph Peters

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