Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman im Interview

"Ich bin kein Fähnlein im Wind"

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Am Schreibtisch in seinem Dienstzimmer im Schongauer Rathaus beginnt frühmorgens der Arbeitstag von Bürgermeister Falk Sluyterman. Oft endet er erst spätabends.

Schongau – Die ersten 100 Tage im Amt hat Falk Sluyterman hinter sich. Der KREISBOTE sprach mit dem Schongauer Bürgermeister über seinen gestiegenen Wiedererkennungswert, lange Arbeitstage und Schongauer Wut-Bürger.

Herr Sluyterman, haben Sie sich schon eingelebt in Ihre neue Rolle? 

Sluyterman: „Ein klares Ja. Ich bin im Rathaus angekommen.“ 

Sie waren vorher im Bundesverkehrsministerium beschäftigt. Was war die größte Umstellung für Sie?

Sluyterman: „Die Themenvielfalt ist eine ganz andere als in meinem bisherigen Job. Dazu kommt die Allzuständigkeit des Bürgermeisters und natürlich, dass man plötzlich Chef von 200 Beschäftigten ist.“ 

Wie sind Sie von Ihren Mitarbeitern empfangen worden? 

Sluyterman: „Sehr freundlich, das war schön. Wenige Wochen nach meinem Amtsantritt fand der Betriebsausflug statt, das war eine gute Gelegenheit, die Beschäftigten näher kennenzulernen. Mir war aber auch wichtig, dass ich in den ersten Tagen gleich alle städtischen Einrichtungen besucht habe, damit sich jeder selbst ein Bild vom Neuen machen konnte.“ 

Mussten sich die Mitarbeiter an einen anderen Wind im Rathaus gewöhnen? 

Sluyterman: „Ein bisschen schon. Ich neige dazu, Dinge rasch zu erledigen. Vielleicht dränge ich da manchmal auch ein wenig.“ 

Wo hat sich Ihre persönliche Handschrift schon bemerkbar gemacht? 

Sluyterman: „Hausintern habe ich ein paar kleinere Veränderungen angeordnet. Alles weitere kommt mit der Zeit, man muss auch erstmal schauen, wie es läuft. Ich halte es da wie ein Lotse bei der Marine, der ein Schiff übernimmt. Da lautet das erste Kommando auch Kurs und Geschwindigkeit beibehalten. Ich will mir da erst nach einer gewissen Zeit ein Urteil erlauben.“ 

Die Zeiten, in denen Sie in Schongau unbemerkt einkaufen gehen konnten, sind vorbei, oder? 

Sluyterman: „Das stimmt. Die Leute erkennen mich auf der Straße und sprechen mich auch an, gerade, wenn ich morgens und abends zu meinem Auto am Köhlerstadel gehe. Ich finde das schön, denn dadurch habe ich mein Ohr immer am Bürger. Es ist wichtig, dass da keine Scheu besteht. Das von mir eingeführte schriftliche Beschwerdemanagement wird zwar gut angenommen. Ein direktes Gespräch kann aber nichts ersetzen.“ 

Gab es in den ersten 100 Tagen Momente, in denen Sie sich gefragt haben, ob das Bürgermeisteramt die richtige Entscheidung war?

Sluyterman: „Ein ganz klares Nein. Auch wenn man davor nur eine vage Vorstellung hat, wie arbeitsintensiv das Bürgermeisteramt ist. Es gibt Tage, an denen gehe ich um 7.30 Uhr aus dem Haus, wenn meine Kinder noch schlafen und komme um 23.30 Uhr zurück, wenn sie schon wieder im Bett sind.“ 

Was hat Sie am meisten überrascht? 

Sluyterman: „Ich hätte vorher nicht gedacht, dass die Zusammenarbeit mit den Stadt-räten so gut und harmonisch verläuft. Das war ja im Wahlkampf immer wieder thematisiert worden. Überrascht hat mich auch, wie viel Kritik selbst kleinere Vorhaben wie etwa der Bolzplatz an der Carl-Orff-Straße oder der geplante Bike-Park hervorrufen können. Der Wut-Bürger ist auch in Schongau angekommen. Eine wichtige Aufgabe sehe ich daher, diese kritischen Bürger mitzunehmen.“ 

Sie haben ihre ersten Stadtrats- und Ausschusssitzungen hinter sich. Dabei wirken Sie oft wie ein Moderator und nicht wie der Chef. Muss ein Bürgermeister seine Meinung nicht klarer äußern? 

Sluyterman: „Das hängt meiner Ansicht nach sehr stark vom Thema ab. Ich versuche, wo es geht, die Neutralität zu wahren. Das heißt nicht, dass ich nicht für Dinge eintrete. Als es etwa im Stadtrat um die Erhöhung der Gewerbesteuer ging, habe ich mich noch vor der Diskussion dagegen ausgesprochen, obwohl das in der SPD-Fraktion teils anders gesehen wurde. Ein Fähnlein im Wind bin ich also nicht.“ 

Was war Ihre bislang schwierigste Entscheidung? 

Sluyterman: „Da fällt mir keine ein. Bei manchen muss man länger, bei anderen weniger lang nachdenken. Aber dafür sind 100 Tage vielleicht auch noch zu kurz.“ 

Und die angenehmste? 

Sluyterman: „Ich hatte schon im Wahlkampf betont, dass man mehr für den Schongauer Westen tun müsse. Als ich dann im Amt war und die Bürgerinitiative mit der Bitte um eine Aufwertung des Spielplatzes an der Beethovenstraße vorstellig wurde, konnte ich gleich helfen. Die Spielgeräte lagerten schon im Bauhof, zwei Wochen später gab’s die Eröffnungsfeier. Das hat Freude gemacht.“ 

Baustellen beziehungsweise offene Projekte gibt es in Schongau reichlich. Was werden Sie als nächstes anpacken?

Sluyterman: „Es gibt eine lange Liste offener Projekte, für die im September eine Arbeitsgruppe beraten wird, in welcher Reihenfolge wir sie angehen sollten. Das kann ich nicht allein entscheiden. Wichtig ist mir außerdem, dass wir in Schongau ein vernünftiges Parkraum-Konzept entwickeln und umsetzen. Da blickt aktuell keiner mehr richtig durch. Das will ich nach der Sommerpause angehen. Immer aktuell ist natürlich die Frage, wie wir mehr Leben in die Altstadt bekommen. Auch das liegt mir am Herzen. City-Manager Martin Soyka ist in dieser Hinsicht ein sehr wichtiger Mitarbeiter für mich.“

Interview: Christoph Peters

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