Schongaus City-Manager zieht erste Bilanz

Viele Baustellen, viele Ideen

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Das Parkraumkonzept der Stadt Schongau gehört überarbeitet, findet Schongaus City-Manager Martin Soyka.

Schongau – Seit seiner Vorstellung im Oktober vergangenen Jahres war es still um Martin Soyka geworden. Öffentlich trat der City-Manager und Wirtschaftsförderer der Stadt Schongau nicht in Erscheinung. Am Dienstag gab Soyka nun im Stadtrat erstmals einen Überblick über seine bisherige Arbeit – und sparte dabei nicht mit deutlichen Worten.

Als Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl Soyka das Wort erteilte, wurde es mucksmäuschenstill im historischen Sitzungssaal. Endlich, so schien diese gespannte Stille zu bedeuten, würde der City-Manager verkünden, wie man all die Probleme der Stadt in den Griff bekommen werde, wie die ausblutende Altstadt mit neuem Leben erfüllt und Schongau zum heißbegehrten Wirtschaftsstandort werden würde. Soyka als Heilsbringer, nichts anderes hatten sich viele von ihm bei seinem Amtsantritt versprochen. 

Diese Erwartungen erfüllte der City-Manager natürlich nicht. Viel zu kurz waren die wenigen Monate seiner Amtszeit, als dass er schon jetzt konkrete Lösungen für Probleme bieten konnte, für die die Stadtvertreter in den vergangenen Jahrzehnten keine gefunden hatten. Aber obwohl Soyka bei seiner Bestandsaufnahme meist allgemein blieb, gelang es ihm, bei vielen Themen den Finger in die Wunde zu legen.

Schonungslos stellte er etwa fest, dass es gelte, die Bürger wieder für die eigene Stadt zu begeistern. Hier habe es in den vergangenen Jahren einen „starken Rückzug“ gegeben. Er kritisierte, dass der Stadt ein integriertes Stadtentwicklungskonzept fehle, bei dem die Bürger ihre eigenen Ideen in Arbeitsgruppen und Bürgerwerkstätten einbringen können. „Das anzugehen, ist das wichtigste Thema für die nächsten eineinhalb Jahre“, betonte er. Auch, weil nur so in Zukunft weiter Fördergelder fließen. 

Lobend erwähnte der City-Manager in diesem Zusammenhang die Gruppierung „Schongau belebt“, die sich seit kurzem für die Altstadt einsetze. Ein erstes Ergebnis sei, dass es im Mai einen französischen Markt geben werde.

Hoffnungen weckte Soyka hinsichtlich der weiteren Entwicklung der Altstadt. Diese habe seiner Meinung nach am Marien- und Lindenplatz „interessante Areale“ zu bieten. Derzeit laufen bereits Gespräche mit drei Projektentwicklern. Noch fehle es allerdings an Nutzungskonzepten. „Das ist ein langwieriger Prozess“, betonte er. Gleiches gelte im übrigen für die größte leerstehende Immobilie, das Gonizianerhaus in der Weinstraße. „Wir müssen den Investoren klarmachen, dass es sich lohnt, hier zu investieren.“ 

Besonders schwierig sei das bei den denkmalgeschützten Objekten wie dem Gasthof Sonne und dem Münzgebäude. Letzteres würde eine Gruppe Schongauer laut dem City-Manager gerne als eine Art Mehrgenerationenhaus herrichten. Das scheitere bislang jedoch an den hohen Sanierungskosten. „Ohne finanzielle Hilfe der Stadt geht da nichts vorwärts,“ betonte er. 

Auch sonst müsste die Stadt nach Soykas Ansicht in vielen Bereichen Entwicklungen korrigieren. Viel frequentierte Einrichtungen wie die Bücherei und die Volkshochschule gehörten in die Altstadt, höhere Mieten müsste man dafür in Kauf nehmen. Die vielen unterschiedlichen Parkzonen seien für Fremde und Einheimische nicht leicht zu durchdringen, eine Vereinfachung dringend nötig. Außerdem fehle es der Stadt an erschlossenen Gewerbeflächen, um Unternehmen konkret etwas anbieten zu können. 

Was den Kontakt zu den Firmen vor Ort angeht, bemängelte Soyka den geringen Datenbestand. Noch vor Ostern will der City-Manager deshalb mit einer schriftlichen Befragung die Datenbank auf einen aktuellen Stand bringen. 

Zu wenig Personal und kein Geld

Viele Bemühungen, auch das verhehlte Soyka nicht, scheitern derzeit jedoch am Geld. Ohne Haushalt verfüge er über kein Budget, wichtige Projekte wie ein neuer Internetauftritt könnten deshalb nicht vorangetrieben werden. Außerdem fehle es angesichts der Vielzahl an offenen Baustellen am Personal. „Die Ausstattung reicht hinten und vorne nicht. Gewisse Themen bleiben da zwangsläufig auf der Strecke.“ 

Eine große Diskussion im Anschluss an Soykas Bericht blieb aus. Michael Eberle (CSU) erinnerte daran, dass ein neues Parkraum-Konzept eigentlich eine der ersten Aufgaben Soykas hätte sein sollen. „Wir erwarten hier von Ihnen Vorschläge.“ Das freilich wollte dieser so nicht stehen lassen. „Ich bin kein Verkehrsgutachter“, betonte er. Es gebe ja bereits gute Konzepte, die aber bislang nicht umgesetzt worden seien. „Aus welchen Gründen auch immer.“ Eberles Fraktionskollege Peter Blüml forderte eine Prioritätenliste samt Zeitschiene. „Die muss der neue Stadtrat schnell beschließen.“

Christoph Peters

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