Schongauer Vorstand im Interview

Sparkassen-Fusion: "Wir stehen erst am Anfang"

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Noch ist nicht entschieden, ob die Kreissparkasse Schongau in einer Sparkasse Oberland aufgehen wird.

Schongau – Die Nachricht hat jüngst für Aufregung gesorgt: Die Kreissparkasse Schongau, die Vereinigten Sparkassen Weilheim und die Kreissparkasse Garmisch verhandeln über eine mögliche Fusion. Der Kreisbote sprach darüber mit den Schongauer Vorständen Alexander Schmitz und Michael Lautenbacher.

Herr Schmitz, es war nicht ganz leicht, einen Termin mit Ihnen zu finden. Sie müssen derzeit ziemlich viele Gespräche führen. 

Schmitz: „Das kann man so sagen.“

Die Nachricht, dass Ihr Haus mit den Vereinigten Sparkassen und der Kreissparkasse Garmisch zusammengehen will, kam überraschend, auch wenn die Möglichkeit seit der Gebietsreform immer irgendwie im Raum stand. Wieso gerade jetzt dieser Vorstoß? 

Schmitz:  „Wirtschaftlich betrachtet steht die Kreissparkasse Schongau auf gesunden Füßen, doch wir müssen auch die Zukunft betrachten. Die aktuelle Niedrigzinsphase ist für vor allem für die regionalen Banken ein absoluter Stresstest. Es ist nicht zu erwarten, dass sich an diesen Bedingungen in nächster Zeit etwas ändert. Wir wollen deshalb lieber jetzt handeln und zwar aus einer Position der Stärke. Es wäre falsch einfach weiter zu machen, und schlimmstenfalls aus der Not heraus zu agieren. Das ist immer die schlechteste Option. Aber, und auch das will ich noch einmal betonen, wir stehen erst am Anfang. Entschieden ist noch nichts.“

Seit der Gebietsreform sind aus Schongau viele Institutionen wie etwa das Amtsgericht verschwunden, manche, wie das Finanzamt, sind nur noch mit einer Außenstelle vertreten. Können Sie verstehen, dass daher manch einer in der Lechstadt die geplante Fusion skeptisch sieht?

Schmitz: „Sicher gibt es diese Vorbehalte, die ich sehr gut nachvollziehen kann. Uns ist auch klar, dass eine eventuelle Vereinigung Veränderungen mit sich bringt. Aber es ist in den Sondierungsgesprächen natürlich unser Ziel, die Region Schongau in einem neuen Haus so abzubilden, dass wir unsere Präsenz vor Ort sichern.“

Ganz ohne einen Personalabbau wird es aber nicht gehen.

Lautenbacher: „Natürlich wird eine mögliche Sparkasse Oberland personell schlanker werden. Das fängt schon bei den Vorständen an, deren Anzahl sich reduzieren wird. Betriebsbedingte Kündigungen wird es, das haben wir ja schon versichert, nicht geben.“

Und Filialschließungen?

Schmitz:  „Konkrete Überlegungen gibt es derzeit nicht. Klar ist, dass wir sorgfältig und verantwortungsvoll beobachten, wie die einzelnen Standorte genutzt werden. Immer mehr unserer Kunden erledigen ihre Bankgeschäfte online, das ist eine Entwicklung, der wir wirtschaftlich Rechnung tragen müssen – ganz unabhängig davon, ob das die Kreissparkasse Schongau oder eine Sparkasse Oberland ist.“

Was spricht aus Ihrer Sicht für die Vereinigung der drei Sparkassen?

Lautenbacher:  „Allein in den letzten fünf Jahren sind die bank­aufsichtlichen Anforderungen stark gestiegen und damit der Aufwand, den wir treiben müssen, um diese zu erfüllen. Das lässt sich in einem großen Haus viel leichter schultern, weil es größenbedingt mehr Möglichkeiten zur fachlichen Qualifizierung gibt. Hinzu kommt, dass nicht mehr jede der drei Sparkassen zum Beispiel ihre eigene Bilanz erstellen und prüfen lassen müsste, was sich natürlich positiv auf die Kosten auswirkt. Alles Dinge, von denen der Kunde gar nichts mitbekommt.“

Schmitz: „Umgekehrt gäbe es in Einzelfällen durch den Zusammenschluss auch mögliche Vorteile, die einzelne Kunden betreffen.“

Die wären? 

Schmitz: „Wir können beispielsweise bei ganz besonderen Fragestellungen eine noch spezialisiertere Beratungen anbieten, als es uns aktuell möglich ist. Zudem würden die Grenzen bei Kreditvergaben in einem größeren Haus höher liegen, das käme unseren großen regionalen Unternehmen zugute.“

Gibt es schon erste Rückmeldungen seitens der Kunden, wie sie einer Fusion gegenüberstehen? 

Schmitz: „In der Tat haben wir in den vergangenen Tagen mit vielen Kunden gesprochen und sie nach Ihrer Meinung gefragt. Der überwiegende Teil hat Verständnis für den Schritt gezeigt. Allen aber war wichtig, dass der Kontakt zu ihrem gewohnten Berater auch nach einer Fusion erhalten bleibt. Diese Erfahrung haben im übrigen auch die Kollegen in Weilheim und Garmisch gemacht. Das wird in den Sondierungsgesprächen natürlich eine ganz wesentliche Rolle spielen.“

Sie haben die Mitarbeiter in einer Betriebsversammlung über die laufenden Gespräche informiert. Auch Landrätin Andrea Jochner-Weiß war dabei. Wie wurde die Nachricht aufgefasst? 

Schmitz: „Vorweg: Dass Frau Jochner-Weiß sich trotz ihres engen Terminkalenders dafür Zeit genommen hat, ist ein Zeichen der Wertschätzung für die Kreissparkasse Schongau. Was unsere Mitarbeiter angeht, will ich mir hier als Vorstand nicht anmaßen, für sie zu sprechen. Sicher ist manch einer in Sorge, andere wiederum sehen eine Fusion auch als Chance. Schließlich gäbe es in einem größeren Haus mehr Weiterentwicklungsmöglichkeiten. Klar ist, dass wir als Dienstleistungsunternehmen ein starkes Eigeninteresse daran haben, dass unsere Mitarbeiter den Weg, den wir gehen, mittragen. Es würde deshalb überhaupt keinen Sinn ergeben, bei einer Vereinigung der drei Häuser eine große Unruhe durch Versetzungen hineinzubringen. Dennoch werden die erwähnten schwierigen Rahmenbedingungen zu Veränderungen führen, unabhängig davon, ob es zu einer Vereinigung kommt oder nicht. “

Die Kreissparkasse Schongau war in der Vergangenheit immer sehr engagiert, was die Unterstützung der Vereine und sozialen Einrichtungen angeht. Muss man befürchten, dass mit der Zusammenlegung diese Identifikation mit der Region zu einem gewissen Teil wegfallen könnte? 

Lautenbacher: „Wir sind in der Region verwurzelt und fühlen uns dieser verpflichtet. Das wird sich durch eine Fusion nicht ändern. Natürlich gilt für die finanzielle Unterstützung von Vereinen, Bürgerstiftungen und sozialen Einrichtungen das gleiche wie zum Beispiel für eine Investition in einzelne Geschäftsstellen. Sie ist abhängig vom wirtschaftlichen Ergebnis.“

Christoph Peters

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