Stadtrat verweigert Genehmigung

Rote Karte für Adventskalender

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Bleibt ein einmaliger Anblick: Der rote Adventskalender am historischen Ballenhaus.

Schongau – Er hatte in der vergangenen Vorweihnachtszeit für viele Diskussionen gesorgt. Die einen fanden den riesigen Adventskalender am Ballenhaus eine gelungene Aktion der Schongauer Werbegemeinschaft, andere sahen darin eher eine Verschandelung des historischen Gebäudes. Letztere dürfen jetzt aufatmen: Am Dienstag verweigerte der Stadtrat eine neuerliche Genehmigung.

Als die Werbegemeinschaft im vergangenen Jahr an die Stadt mit der Idee herangetreten war, einen Adventskalender am Ballenhaus aufhängen zu wollen, hatte diese dem Vorhaben keine Steine in den Weg gelegt. Mehr noch: Der damalige Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl hatte dem Projekt sogar im Alleingang sein Placet erteilt. „Sonst wird uns wieder vorgeworfen, wir verhindern alles“, begründete er dies damals im Bauausschuss. 

Dass der Antrag der Werbegemeinschaft auf eine Wiederholung der Aktion am Dienstag auf der Tagesordnung des Stadtrats stand, zeigte, dass es diesmal keinen Freifahrschein geben würde. Zu groß war die Kritik an der roten Riesenfolie gewesen, die den Adventskalender an der Fassade des Ballenhauses symbolisierte, als dass sie Bürgermeister Falk Sluyterman übergehen wollte. 

Er selbst ließ sich auf keine Geschmacksdiskussion ein. „Man kann geteilter Meinung darüber sein, ob er schön ist oder nicht“, sagte er. Stattdessen betonte das Stadtoberhaupt, dass die Aktion „gut für die Altstadt“ sei, indem sie eine „attraktive Magnetfunktion“ erfülle. Außerdem gab er zu bedenken, dass der Kalender ja nur 24 Tage hängen würde. 

Den Kritikern nahm er damit freilich nicht den Wind aus den Segeln. „Er passt überhaupt nicht dazu“, befand SPD-Fraktionschefin Ilona Böse, die stattdessen vorschlug, richtige Fenster in der Altstadt als Kalendertürchen zu gestalten. Schon im Vorjahr hatte Bettina Buresch ihren Unmut über die „gigantische rote Plastikkonstruktion“ lautstark geäußert. Ihre Kritik wiederholte die ALS-Stadträtin am Dienstag. „Ständig betonen wir, wie schützenswert die Altstadt ist und dann verhunzen wir eines der bedeutendsten Gebäude so.“ 

Selbst aus Reihen der CSU gab es leise Bedenken. Zwar lobte Robert Stöhr das Engagement der Werbegemeinschaft. „Unter einem Adventskalender habe ich mir aber etwas anderes vorgestellt“, gab er zu. „Das ist kein Hingucker.“ 

Mit 12:8 Stimmen lehnte das Gremium den Antrag schließlich ab. Für die Werbegemeinschaft ist das keine gute Nachricht, denn schließlich hat sie mit 4500 Euro eine nicht unbeträchtliche Summe für den Adventskalender aufgewendet, der als mehrjährige Attraktion gedacht war. 

„Für uns ist das natürlich ein Schlag ins Gesicht“, sagt Thomas Eichler, zweiter Vorstand der Werbegemeinschaft. „Damit hat keiner gerechnet.“ Man werde sich jetzt zusammensetzen und beraten, wie man auf die Entscheidung reagiere.

Christoph Peters

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