"Stehen uns selber im Weg"

Prominente Gäste konnte FU-Kreisvorsitzende Christine Sander (2.v.r) zum 40-jährigen Jubiläum begrüßen (v.l.): FU-Bezirksvorsitzende Ulrike Scharf, MdL Renate Dodell, Sozialministerin Christine Haderthauer und Hohenpeißenbergs Bürgermeister Thomas Dorsch, der die FU-Damen vor dem Festakt durch die Wallfahrtskirche führte. Foto: Jepsen

Nicht selten sind Festreden belanglos und langweilig. Dass es auch anders geht, bewies Christine Haderthauer am vergangenen Dienstag beim 40-jährigen Jubiläum des Kreis-verbands der Frauen Union (FU) Weilheim-Schongau. Losgelöst von den sonst üblichen, parteipolitischen Einlassungen plauderte die bayerische Sozialministerin in der Gaststätte auf dem Hohen Peißenberg locker und unterhaltsam über Gleichstellungsprobleme von Frauen in der Arbeitswelt.

„Man wird im Laufe der Zeit zwangsläufig zur Frauenrechtlerin, weil man schnell merkt, dass es mit der Frauengerechtigkeit gar nicht so weit her ist“, konstatierte Haderthauer vor den versammelten Festgästen. Obwohl „Mädels die Bildungsgewinnerinnen“ seien, würden die beruflichen Karrieren meist auf der Sacharbeiterebene enden. „Plötzlich ist der, der von uns in der Schule abgeschrieben hat, unser Chef. Was ist da passiert ?“, fragte die Ministerin und schob die Antwort gleich nach: „Wir stehen uns mitunter auch selber im Weg.“ So würden Frauen ihre Qualitäten oft schlecht vermarkten, zuwenig Mut bei Postenvergabe sowie Gehaltsver-handlungen zeigen und sich häufig von gängigen Argumentationen einschüchtern lassen. Haderthauer verwies in diesem Zusammenhang auf die Diskussion um die Quotenregelung: „Der Begriff ,Quotenfrau’ ist negativ belegt. Aber wissen Sie, wie viele Quotenmänner es in der Arbeitswelt gibt ?“ Die Ministerin sprach zudem Imageprobleme an. Oft seien Männer, die sich auf Kosten des Berufs um Kindererziehung kümmern würden, als „Warmduscher“ verschrien. „Wenn wir Mädels die halbe Arbeitswelt wollen, dann müssen wir den Männern auch die halbe Familie überlassen. Aber wir stehen eben so auf den Manager mit Porsche“, sagte die Ministerin, die sich vehement für eine Anrechnung von Erziehungs- und Pflegezeiten bei der Rente einsetzt: „Das System muss sich der Lebenswirklichkeit anpassen.“ Hoher Altersschnitt Haderthauer bekam für ihren launigen Vortrag viel Applaus von den Festgästen, unter denen sich auffällig wenig junge Frauen befanden. Laut FU-Kreisvorsitzende Christine Sander liegt der Altersdurchschnitt der 240 Verbandsmitglieder bei „gut über 50“: „Die jüngere Generation anzusprechen, ist generell das Problem der Parteien“, analysierte Sander, der Ambitionen auf eine Kandidatur für das Landtagsdirektmandat nachgesagt werden. Am Rande des FU-Jubiläums war diesbezüglich von der Schongauer CSU-Kommunalpolitikerin zumindest kein klares Dementi zu hören: „Schau mer mal“, schmunzelte Sander.

Meistgelesene Artikel

Närrisches "Wohlfühlparadies"

Peiting/Hohenfurch – Bürgermeister Guntram Vogelsgesang wurde kurzerhand in Quarantäne gesteckt und ab ging die Post. Mit einem rauschenden Ball in …
Närrisches "Wohlfühlparadies"

Schongauer Grundschule hat ein Schimmel-Problem 

Schongau – An Baustellen mangelt es in der Schongauer Grundschule aktuell nicht. Doch als wäre der Teilabriss samt Neubau nicht schon schwierig …
Schongauer Grundschule hat ein Schimmel-Problem 

Parkplatz am Buchenweg wird heuer gebaut

Schongau – Was lange währt, wird endlich gut: Am Dienstag hat der Stadtrat endgültig grünes Licht für die Umsetzung von zwei Projekten gegeben, die …
Parkplatz am Buchenweg wird heuer gebaut

Kommentare