Neujahrsempfang der Bundeswehr in Altenstadt

Stürmische Zeiten für die Fallschirmjäger

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Brachte in seinem Grußwort durchaus Kritik an der Strukturreform der Bundeswehr zum Ausdruck: Altenstadts Kommandeur Ferdinand Baur.

Altenstadt – Eine lange Schlange an Gästen hatte Oberst Ferdinand Baur jüngst zu begrüßen, denn viele waren der Einladung des Kommandeurs zum Neujahrsempfang in die Franz-Josef-Strauß-Kaserne in Altenstadt gefolgt. So heiter es  zuging, im offiziellen Teil sorgte die Bundeswehrstrukturreform und ihre Auswirkungen auf den Standort für eine ernste Stimmung.

Er müsse aufpassen, was er sage, hob Baur an, kein Wunder, schließlich ist der Oberst seinem obersten Dienstherren verpflichtet. Nur wie lässt sich die Kritik an der im Rahmen der Strukturreform beschlossenen Verlegung der Fallschirmspringer in den Norden nach Oldenburg am besten verpacken? Baur entschied sich, die Worte eines anderen zu zitieren, die des Dichters Theodor Storm. Von grauem Strand ist in dessen Werk die Rede, von Nebel und brausendem Meer. „Wer’s mag“, kommentierte Baur vielsagend und erntete damit laute Lacher der mehreren hundert Besucher. Der Kommandeur äußerte sich sogar noch konkreter. „Schneebedeckte Berge, eine ideale Wetterlage für den Fallschirmsprungdienst und die angenehme Wärme im Monat Mai hier in Altenstadt sind uns ehrlich gesagt lieber als eine stürmische See.“ 

Bis der Ausbildungsstützpunkt Luftlande- und Lufttransport allerdings wirklich verlegt werde, werde noch eine Weile vergehen, prophezeite Baur. Denn noch fehle es woanders an den Voraussetzungen. Entschieden stemmte sich der Oberst gegen die angedachte Ausbildung deutscher Fallschirmspringer im Ausland in fremder Sprache. Sicher mache es Sinn, das man versuche, gemeinsam auszubilden, um die vorhandenen Kapazitäten kostengünstig und ohne unnötige Doppelstrukturen ausnutzen zu können. „Aber wenn der Soldat nicht weiß, ob er rechts oder links ziehen soll, hat das Konsequenzen.“ Schneller geht es dagegen anderer Stelle. 

Noch in diesem Jahr soll die Führer- und Einzelkämpferausbildung nach Hammelburg verlegt werden. Zudem wird der gesamte Bereich der Weiterentwicklung aufgelöst. „Damit verlieren wir rund 30 Prozent unserer Ausbildungskapazität“, rechnete der Kommandeur vor. Der restliche Schulbetrieb gehe zunächst weiter wie bisher. Bereits im zweiten Halbjahr bekommt die Kaserne Zuwachs durch das Feldwebel/Unteroffizierausbildungs-Bataillon. Dessen Kommandeur Oberstleutnant Mark Emmerich, der ebenfalls am Neujahrsempfang teilnahm, werde wohl bereits Anfang 2014 die ersten Lehrgangsteilnehmer in Altenstadt begrüßen, erklärte Baur. 

Dass diese und ihre Ausbilder sich in der Region wohlfühlen werden, davon zeigte sich der Oberst überzeugt. „Altenstadt ist ein idealer Standort“, lobte er. Die geringe Arbeitslosigkeit ermögliche den Angehörigen der Soldaten leicht eine Stelle zu finden. 

Das Lob gab Landrat Friedrich Zeller in seinem Grußwort sofort zurück. „Die Bundeswehr ist wichtig für die Region. Wir sind gerne Garnisonsstandort“, betonte er. Zeller ließ außerdem die Gelegenheit nicht aus, seinem Ärger über die in seinen Augen ohne Not geschehene Abschaffung der Wehrpflicht Luft zu machen. „Die Banken retten wir mit Milliarden-Beträgen. Bei der Sicherheit des Landes wird dagegen gespart“, sagte er und heimste damit Beifall ein. An die Bürger appellierte er, mehr Verständnis für die aktiven Soldaten zu zeigen, „die unsere Außengrenzen bewachen“. Gerade in Zeiten des Umbruchs sei dies keine einfache Aufgabe. „Dafür gebührt Ihnen Dank.“ 

Die Gäste, darunter der FDP-Bundestagsabgeordnete Klaus Breil, die Landtagsabgeordneten Renate Dodell (CSU) und Peter-Paul Gantzer (SPD) sowie zahlreiche Kommunalpolitiker und Soldaten, nutzten anschließend die Gelegenheit zum Gedankenaustausch. Natürlich durfte da auch der traditionellen Teller Eintopf nicht fehlen. „Warum sollt es Ihnen da anders ergehen als uns“, sagte Baur augenzwinkernd. chpe

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