Umbau Münz- und Weinstraße

 Streitpunkt Parkplätze

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Planer Jochen Baur stellte die Vorentwurfsplanung zum Umbau der Münz- und Weinstraße im voll besetzten Ballenhaussaal vor.

Schongau – Erst der Marienplatz, jetzt die Münz- und Weinstraße: Am Montag hat die Stadt auch das zweite große Projekt in der Altstadt im Rahmen einer Informationsveranstaltung im Ballenhaussaal vorgestellt. Erneut hatten die Bürger die Gelegenheit, ihre Meinung zu den Umbauplänen kundzutun. Im Zentrum der Diskussion stand wieder einmal die Parkplatz-Situation.

Gleich mehrere große Plakatwände hatte Eva Bruns vorbereitet. Dort wollte die Moderatorin alle Anmerkungen festhalten, die von Seiten der Bürger genannt würden. Doch allzu oft konnte Bruns während der zweistündigen Veranstaltung nicht zum Stift greifen.

Anders als bei der Umgestaltung des Marienplatzes waren die Grenzen diesmal durch die Vorentwurfsplanung von Planer Jochen Baur enger gesteckt. Durch die Topographie und äußeren Zwänge wie dem Verlauf von Leitungen gebe es nur wenig Spielraum, hatte Bürgermeister Falk Sluyterman gleich bei seiner Begrüßung vorweg geschickt.

Anschließend stellte Baur sein Konzept vor, welches er bereits im Stadtrat präsentiert hatte. Kernpunkt sind breite Fußgängerbereiche, die nicht mehr durch Bordsteine, sondern durch eine Entwässerungsrinne von der Fahrbahn getrennt sind, um die Barrierefreiheit sicherzustellen. Sowohl Gehweg als auch Straße sollen gepflastert werden, das Rathaus einen kleinen Vorplatz bekommen.

Geparkt wird in der Münzstraße künftig nicht mehr in der Mitte, sondern nur noch an den Seiten. Kleinteilige Bäume, die die Fassaden nicht verschatten, sollen für mehr Aufenthaltsqualität sorgen, genau wie ein Brunnen im Bereich Wasser- und Reichelstraße.

Ganz ohne Diskussion lief der Abend dann aber doch nicht ab. Besonders das Thema Verkehr und speziell die Parkplatz-Situation sorgte wieder einmal für Gesprächsstoff. Denn dass zwischen 14 und 27 Stellplätze der aktuell 159 Parkplätze in der Münzstraße wegfallen sollen, gefiel nicht jedem. „Die Altstadt liegt nun mal auf dem Berg. Und wir wollen doch, dass auch die älteren Leute zum Einkaufen kommen?“, kritisierte ein Bürger und erntete damit Applaus.

Dem hielt Sluyterman entgegen, dass der Verlust durch ein sinnvolles Bewirtschaftungssystem aufgefangen werden könne. „Da müssen wir ran.“ Es helfe den Geschäftsleuten nicht, wenn wie jüngst geschehen, ein Anwohner 14 Tage auf dem Marienplatz parke. Dabei nahm das Stadtoberhaupt auch all jene in die Pflicht, die in der Altstadt arbeiten. „Ich parke auch jeden Tag am Köhlerstadel und laufe in die Stadt.“ Und auch von den Anwohnern könne man Flexibilität verlangen, schließlich habe niemand ein Anrecht auf einen Stellplatz direkt vor seinem Haus.

Während dass Thema Parken wohl demnächst auch den Stadtrat noch einmal beschäftigen wird, konnte Baur andere Sorgen dagegen schnell zerstreuen. Etwa, ob für die Pflasterung ein lautes Kopfsteinpflaster verwendet werde. Dessen Verwendung sei nicht mehr zeitgemäß, beruhigte der Planer und erklärte auch, warum man die Fahrspur dennoch nicht einfach wieder asphaltiere.

Denn nur, wenn sich Fußgänger- und Fahrbereich optisch nicht unterschieden, würden Autofahrer automatisch langsamer fahren, betonte er. Dies hätten Erfahrungen in Rosenheim gezeigt, wo ein derartiges „shared Space“-Konzept erfolgreich an einer von täglich 13000 Autos befahrenen Straße funktioniere. Vor diesem Hintergrund sei auch der von manchen kritisierte Einbau des Brunnens vor der VR-Bank zu sehen. Durch das entstehende Eck werde der Verkehr automatisch gebremst, so Baur.

Bei aller Kritik und geäußerten Sorgen gab es auch Lob für die Pläne. Endlich werde die Münzstraße, die schließlich das Entree der Stadt bilde, aufgewertet, freute sich ein Bürger. „Jetzt ist das ja nur eine grässliche Teerwüste.“ Vor allem für die Fußgänger würde sich die Situation durch den Umbau immens verbessern.

Als Anregung gab er noch mit, die Fahrbahn vor dem Café Express zu verschwenken, um dort mehr Raum für Fußgänger zu schaffen. „Da laufen viele zur Zeit mangels Platz auf der Straße.“ Und auch aus dem Platz vor der Firma LKG ließe sich noch mehr machen – Vorschläge, die Bruns gleich zu Papier brachte.

Bis die Bagger rollen, wird allerdings noch eine Weile vergehen. Wie Stadtbauamtsmitarbeiter Martin Blockhaus auf entsprechende Nachfrage erläuterte, plant man bei der Stadt mit einem Beginn des Umbaus im Jahr 2017. Noch unklar ist derzeit, ob er in zwei oder drei Jahren über die Bühne gehen wird. Der Verkehr soll während der Bauzeit so weit wie möglich weiter fließen, der Platz dafür sei da, sagte Baur. Einschränkungen ließen sich aber naturgemäß nicht ganz vermeiden.

Die Kosten bezifferte Sluyterman nach aktuellem Stand auf rund 2,8 Millionen Euro, für die, da es aktuell keine Straßenausbaubeitragssatzung gebe, die Stadt aufkomme. Die wiederum habe Anspruch auf 60 Prozent Förderung.

Christoph Peters

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