Ungleich behandelt? Schongauer Stadtrat bewilligt Zuschüsse für Orgelerneuerung

Organist Andreas Wiesmann an der in die Jahre gekommenen Kirchenorgel, die nun erneuert werden soll. Foto: Jungwirth

Zumindest bis zum Aschermittwoch hatte die Lechstadt eine Prinzessin, nämlich Prinzessin Andrea I. vom Niederhofer Notenschlößerl. Doch mit dem Ende des Faschings ist auch sie Geschichte. Was viele nicht wissen: Schongau hat auch eine Königin. Denn so wird die Orgel in der Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt genannt. Und ihre „Durchlaucht“ ist in die Jahre gekommen und malade. Deshalb ist eine Erneuerung dringend nötig. Doch die kostet Geld, viel Geld.

Merkwürdiges trug sich zu Beginn der letzten Stadtratssitzung zu. Nicht nur, dass diese mit zehnminütiger Verspätung begann, weil der Bürgermeister und die Fraktionsvorsitzenden noch irgendetwas Wichtiges zu besprechen hatten, sondern auch, weil Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl die anwesenden Gäste danach sogleich des Saales verwies mit dem Hinweis, dass das Gremium noch in nichtöffentlicher Sitzung tagen müsse. Eine geschlagene halbe Stunde lang wurde hinter verschlossenen Türen beraten, während im Gang die Zuhörer warteten – darunter auch Pfarrer Bernhard Mooser mit einigen Kirchenvertretern. Nachdem sich die Räte beratschlagt hatten, und auch die Besucher wieder am Geschehen teilnehmen durften, vermeldete Bürgermeister Gerbl, dass die Kirchengemeinde zwar um einen 20-prozentigen Zuschuss gebeten habe, er es aber befürworte, erst einmal lediglich zehn Prozent zu geben. Weitere zehn Prozent, so Gerbl, sollten erst später nach Klärung noch offener Fragen gewährt werden. 1965 wurde die „Königin“ von dem Aachener Orgelbauer Karl Kamp errichtet. Da häufig nur billige Materialien verwendet worden waren, erwies sich das Instrument als technisch und klanglich problematisch und äußerst störanfällig. Nach mehreren Reparaturen ist der Zustand der Orgel inzwischen dennoch so schlecht, dass im Grunde nur noch eine Neuerrichtung in Frage kommt. Denn neben ständigen Tonausfällen, die sogar ganze Register betreffen, ist auch starker Schimmelbefall zu beklagen. Derzeit spielt Organist Andreas Wiesmann deshalb auf einer kleinen Orgel, die die Musikschule zur Verfügung gestellt hat. Die Erneuerung der Orgel wird, so die Prognose, mit 650 000 Euro zu Buche schlagen. Somit sollte die Stadt nach Ansicht der Kirche 130 000 Euro zuschießen – eine wirklich stattliche Summe, wenn man bedenkt, dass selbst ein kleiner Betrag von ein paar tausend Euro, den ein Verein als Zuschuss von der Stadt beantragte, nach endlosen Diskussionen doch nicht gewährt wurde. „Wir sollten die Kirche genau so behandeln, wie die anderen Vereine auch, denen wir Zuschüsse gewährt haben“, forderte CSU-Fraktionschef Michael Eberle. Kritisch zeigte sich der Vertreter der ALS, Sigi Müller, der meinte: „Der Vergleich von Kirche und Verein hinkt stark. Denn man kann nicht alle mit 20 Prozent über einen Kamm scheren. Das halte ich für kritisch.“ Die Kirche, so Müllers Ansicht, habe noch andere Möglichkeiten, an Geld zu gelangen. Sowohl Robert Bohrer (SPD), der sich unzureichend informiert fühlte, als auch Stephan Hild von der UWV äußerten Zweifel. „Die Voraussetzungen für einen Zuschuss sind nicht gegeben. Warum nehmen wir uns nicht die Zeit und klären alles?“, argumentierte Hild. Auf den Gleichheitsgrundsatz verwies Stadtrat Peter Blüml (CSU), der sich klar gegen eine Teilung des Zuschusses, wie von Gerbl vorgeschlagen, aussprach. Mit 15 gegen acht Stimmen wurde der Antrag der Kirchengemeinde auf einen Zuschuss bewilligt.

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