Verein bittet Stadt um Hilfe

Schongauer Eisstadion: 115000 Euro fehlen

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Der marode Kabinentrakt am Schongauer Eisstadion muss dringend erneuert werden. Wie genau, darüber soll ein Konzept Aufschluss geben.

Schongau – Am vergangenen Wochenende feierte die EA Schongau einen lockeren 7:2-Erfolg gegen Kempten. Während es auf dem Eis derzeit läuft für die Mammuts, herrscht hinter den Kulissen Krisenstimmung. Schuld daran trägt das teilweise marode Eisstadion, dessen Betrieb den TSV Schongau vor immer mehr finanzielle Probleme stellt. Jetzt drohte sogar die Zahlungsunfähigkeit.

Der Antrag, den Johannes Rauch an den Schongauer Stadtrat gestellt hatte, glich einem Hilferuf. „Wir sehen uns fast nicht mehr in der Lage, den Betrieb des Eisstadions auf der Grundlage des bestehenden Finanzierungskonzepts zu gewährleisten“, schrieb der Vorsitzende des TSV an Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl. Gegenwärtig erhält der Verein von der Stadt einen jährlichen Zuschuss von 65000 Euro. 

Dass diese Summe nicht mehr ausreiche, liege vor allem an den immer weiter steigenden Energiekosten und dem „laufenden Aufwand für die Instandhaltung“, erläuterte Rauch. Man habe in der Vergangenheit zwar diverse Maßnahmen zur Energieeinsparung umgesetzt, die steigenden Preise durch den gesunkenen Verbrauch aber nicht auffangen können. 

Besonders heikel: Derzeit würden Zahlungen von 10000 Euro für bereits durchgeführte Instandhaltungen anstehen, das Giro-Konto des Vereins bewege sich jedoch bereits seit Jahren mit minus 35000 Euro an der Finanzierungslinie. „Eine Rückführung über die laufenden Kosten hat sich als unmöglich herausgestellt“, betonte der Vorsitzende und bat deshalb um einen einmaligen Zuschuss von 45000 Euro, um die Zahlungsfähigkeit sicherzustellen. Darüberhinaus beantragte Rauch, die Honorarkosten für die bauliche Untersuchung des Stadions zu übernehmen sowie rund 70000 Euro für die Erneuerung des Hauptschaltschrankes. Diese sei nötig, um die Genehmigung für den Spielbetrieb in der nächsten Saison zu bekommen. 

Das Thema Eisstadion ist nicht neu. Schon im vergangenen Jahr hatte die EAS bei einer Ortsbegehung Vertreter der Stadt auf die eklatanten Mängel der in die Jahre gekommenen Anlage aufmerksam gemacht. Gerbl erinnerte daran, dass die Stadt die jährliche Unterstützung von 33000 Euro schon vor drei Jahren verdoppelt habe, obwohl der Verein damals nur 56000 Euro gefordert hatte. Diese Summe habe er jetzt trotz eines fehlenden Haushalts bereits freigegeben, um die Finanzierungslücke zu decken. Kein Problem sah das Stadtoberhaupt auch bei der Übernahme der Honorarkosten. „Das ist selbstverständlich.“ Einem einmaligen Zuschuss zum Ausgleich des überzogenen Kontos erteilte er aber eine Absage. „Das machen wir bei anderen Vereinen auch nicht.“ Und beim Schaltschrank plädierte er dafür abzuwarten, bis feststehe, wohin die Reise gehe – Neubau oder Sanierung.

Während Stephan Hild (UWV) Gerbls Vorschlag begrüßte, zeigte sich die CSU damit nicht einverstanden. „Wir haben dadurch, dass der TSV das Stadion betreibt, eine Menge Geld gespart. Wir sind es dem Verein daher schuldig, den Engpass abzudecken“, betonte Michael Eberle. Es sei ja schließlich „kein Defizit aus Vergnügen“. Sein Parteikollege Peter Blüml pflichtete ihm bei. „Wenn wir es selbst betreiben, käme uns das doppelt so teuer.“ Das sehe man an Peiting, wo der Markt jährlich rund 150000 Euro ins Stadion investiere. „Wir sollten die Bredouille jetzt lösen.“ Eine Entscheidung müsse zudem schnell fallen, um den Spielbetrieb nicht zu gefährden.

Damit allerdings hatte Max Martin seine Probleme. Der SPD-Fraktionssprecher forderte, dass der Verein erst alle Zahlen auf den Tisch legen müsse. „Sonst kann jeder Verein kommen, der in Zahlungsschwierigkeiten ist.“ Auch Roland Heger (UWV) interessierte, wie sich das Defizit zusammensetze. Eine genaue Antwort musste Rauch, der mit mehreren TSV-Kollegen der Sitzung beiwohnte, zwar mangels Unterlagen schuldig bleiben. Eberle verwies in diesem Zuge jedoch auf den Rechungsprüfungsausschuss, der die Zahlen genau prüfen werde. 

Als es schließlich zur Abstimmung kam, folgte nur die SPD-Fraktion Gerbls Vorschlag, erst einmal das Konzept abzuwarten. Mit 14:9 Stimmen beschloss das Gremium, die beantragten Beträge sofort auszuzahlen.

"Wird immer defizitär sein" 

Eisstadion: Der TSV-Vorsitzende Johannes Rauch sieht die Stadt in der Pflicht

Schongau – Johannes Rauch verfolgte die Sitzung des Schongauer Stadtrats als Zuschauer. Nur kurz durfte der Vorsitzende des TSV Schongau Stellung zum Antrag des Vereins Stellung beziehen. Der KREISBOTE hakte beim 51-Jährigen nach. 

Herr Rauch, wie angespannt waren Sie vor der Sitzung? 

Rauch: „Angespannt eigentlich nicht, schließlich ging es nicht um die Eislaufabteilung Schongau, sondern um eine öffentliche Liegenschaft.“ 

Erklären Sie das genauer. 

Rauch: „Nun, es gibt eine klare Trennung zwischen dem Vereins- und dem Eisstadionbetrieb. Nur um letzteres drehte sich unser Zuschussantrag.“ 

Genau gesagt ging es um 45000 Euro, mit denen Sie ausstehende Rechnungen für Instandhaltungsmaßnahmen begleichen und ein mit 35000 Euro im Minus stehendes Girokonto ausgleichen wollten. Gerade letzteres sorgte für Stirnrunzeln bei manchen Räten. Was hat es damit auf sich? 

Rauch: „Wie ich schon sagte, ist der Vereins- und Stadionbetrieb klar getrennt. Auf dem angesprochenen Konto wickeln wir rein den Stadionbetrieb ab. Dort landen also alle Einnahmen wie der Zuschuss der Stadt und die Erlöse aus Vermietungen an Vereine und Schulen. Und hier werden auch sämtliche Ausgaben das Stadion betreffend verrechnet wie die Kosten für Instandhaltung, Energie und so weiter.“ 

Schongau ist eine der wenigen Städte bayernweit, in der ein Verein das Eisstadion betreibt. Ist das aus Ihrer Sicht überhaupt noch sinnvoll? 

Rauch: „Zuerst einmal: Wir haben eines der günstigsten Stadion mit einem Defizit im sechsstelligen Bereich. Das ist natürlich auch ein Verdienst der ehrenamtlichen Arbeit. Ob dieses Modell aber langfristig eine Zukunft hat, bezweifle ich. Was man bei all dem nicht vergessen darf: Das Eisstadion ist und bleibt eine öffentliche Liegenschaft, für die die Stadt verantwortlich zeichnet.“ 

Wo sehen Sie die Stadt in der Pflicht? 

Rauch: „Sie muss die Frage beantworten, ob sie das Stadion als Sportstätte erhalten will oder nicht. Klar ist: Der Betrieb eines Eisstadions wird immer defizitär sein, da gilt das gleiche wie für die öffentlichen Bäder. Lautet die Antwort ja, dann kostet das Geld. Der Weg kann dann nur eine Sanierung oder Neubau des 40 Jahre alten Kabinentrakts sein.“ 

Sie treten bei der anstehenden Vorstandswahl des TSV nicht mehr an. Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger?

 Rauch: „Ein glückliches Händchen. Und ein Eisstadion mit kalkulierbarem Defizit – egal, ob in Vereins- oder Stadthand.

Interview: Christoph Peters

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