Vortrag von Felix Brunner im Rahmen der Aktionswoche von "Rolliwelten"

Vom Pflegefall zum Spitzensportler

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Felix Brunner hat nie aufgegeben. Sein derzeitges Ziel ist es, bei den nächsten Paralympics teilzunehmen.

Schongau – Felix Brunners Leidenschaft sind die Berge. Das war schon immer so. Eisklettern, Mountainbiken, Skifahren, Bergrettung: Jede freie Minute verbrachte er in Bergmassiven Europas. Doch vor sechs Jahren rutschte er auf einem eisigen Wanderweg aus und fiel 30 Meter tief in eine Schlucht. Die Ärzte hatten ihn bereits aufgegeben, doch der heute 25-Jährige kämpfte sich zurück ins Leben. In Schongau erzählt er in der kommenden Woche von seinem Schicksal. Mit dem Kreisboten sprach er über sein Leben, Inklusion und seine Ziele.

Wie war dein Leben vor dem Unfall?

Felix Brunner: „Ich war immer in den Bergen unterwegs, schon als Kind. Sie sind und waren meine absolute Leidenschaft.“

Wie schwer war dein Unfall?

Brunner: „Ich habe vier Liter Blut verloren. Das kann man eigentlich nicht überleben. Außerdem waren viele meiner Knochen zertrümmert. Ich wurde sofort ins künstliche Koma versetzt.“ 

Die Ärzte machten deiner Familie nicht viel Hoffnung.

Brunner: „Meine Eltern haben oft gesagt bekommen, dass ich es nicht überstehe. Aber für sie und mich war es immer nur eine Frage der Zeit, dass wieder alles normal wird.“

Auch als klar war, dass du auf einen Rollstuhl angewiesen sein wirst?

Brunner: „Klar gab es Momente, in denen es mich angekotzt hat. Aber resigniert habe ich nie. Es war eine harte Zeit, aber ich lebe und mir geht es gut.“ 

Wie schafft man es, sich nicht aufzugeben?

Brunner: „Ich habe nie mit meinem Schicksal gehadert. Der schwierigste Schritt ist es, Niederlagen zu akzeptieren und sein Ziel nie aus den Augen zu verlieren. Das gebe ich auch in meinen Vorträgen weiter. Die sind nicht nur für Menschen mit Behinderung, sondern jeder kann sich darin wiedererkennen.“

Wie fandest du den Weg zurück in die Berge?

Brunner: „Ich war ein absoluter Pflegefall und konnte nur liegen. Aber meine Freunde haben mich eingepackt und wir sind mit der Bahn auf den Tegelberg gefahren. Da war klar: Ich will selber wieder da hoch können.“

Wie kam dir die Idee zur Alpenüberquerung?

Brunner: „Ich hatte mir – recht blauäugig – ein spezielles Mountain-Handbike in den USA bestellt. Hier gibt es sowas nicht. Dann ging es mit Kumpels an den Gardasee. Aber es ging gar nix. Mein Freund musste mich ziehen. Bei einem Bier kam uns dann die Idee und die hat sich im Kopf fixiert. Danach begann ich richtig zu trainieren.“

Inzwischen könnte man dich als Spitzensportler bezeichnen.

Brunner: „Ich war der Erste, der es mit einem Handbike abseits der Straßen über die Alpen geschafft hat. Das war schon super. Inzwischen habe ich mich auch auf das Monoskifahren spezialisiert. Ich habe mich für den Europacup qualifiziert. Mein Ziel sind die nächsten Paralympics.“

Warum bist du dabei immer Botschafter für den BRK Blutspendedienst?

Brunner: „Ich habe in den letzten Jahren über 800 Bluttransfusionen gebraucht. Das hat mir erst klar gemacht, wie wichtig dieser Dienst ist.“

Wie kamst du dazu, Vorträge zu halten?

Brunner: „Das war nie geplant, aber es haben sich Türen geöffnet und ich habe die Chancen genutzt. Zuerst habe ich in Kliniken und Schulen gesprochen. Inzwischen werde ich von großen Wirtschaftskonzernen in ganz Deutschland gebucht.“

Wie weit ist die Inklusion in Deutschland?

Brunner: „Gar nicht. Ich bin eher ein Inklusionskritiker, denn so, wie die deutsche Politik die Inklusion angeht, macht sie keinen Sinn.“

Warum?

Brunner: „Es macht keinen Sinn, wenn Inklusion nicht mehr ist, als Kinder in Schulen unterzubringen. Jeder, egal mit welcher Behinderung, wird in den gleichen Topf gesteckt.“

Ist es dir auch so ergangen?

Brunner: „Ich bin dem System entflohen, habe mich selbstständig gemacht. Ich möchte selbst über mein Leben entscheiden und nicht von Förderungen abhängig sein.“

Wie könnte sich das System verändern?

Brunner: „Das ist nicht leicht. Inklusion muss bedingungslos in allen Köpfen passieren. Gelungen ist das erst, wenn im Tatort ein Rollstuhlfahrer das Arschloch spielen darf.“ 

Vielen Dank!


Von Ursula Gnadl

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