Wasserbeschaffungsverband Birkland in der Kritik

Rechtswidriger Eingriff am Wielenbach

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Die Bachstrecke mit der tiefergelegten Sohle.

Peiting/Birkland – Durch die Kiesentnahme aus dem Wielenbach, die der Wasserbeschaffungsverband Birkland (WBV) vorgenommen hat, ist die Gewässerstruktur zerstört und die Sohle tiefergelegt worden. „Dieser Eingriff hätte nicht erfolgen dürfen“, erklärt dazu Roland Kriegsch, der Chef des Wasserwirtschaftsamtes Weilheim. Seine Behörde fordert nun gemeinsam mit dem Landratsamt ein Sanierungskonzept. Es wird zurzeit erarbeitet.

 Erik Bohl vom Kreisfischereiverein Schongau greift zu deftigem Vokabular; er bezeichnet die Eingriffe als „stümperhaft, verantwortungslos und rechtswidrig“. Dadurch sei ein beträchtlicher Schaden an Gewässer und Landschaft sowie am Fischereirecht und am Besitz des Grundeigentümers entstanden, schreibt der Schriftführer in einem Beitrag für den Jahresbericht, der zur Hauptversammlung ausgegeben wurde. Der Kreisfischereiverein Schongau hat zirka 450 Mitglieder.

Besonders schlimm findet Bohl, dass die Bachsohle um bis zu zwei Meter tiefer gelegt und sämtliche ökologisch wichtigen Strukturen im Gewässer und an den Ufern zerstört wurden. Ohne jegliche Befugnis habe der Wasserbeschaffungsverband Birkland den Kies ausbaggern lassen, fährt Bohl in seinem Aufsatz fort. Denn der Bach, der am Nordhang des Hohenpeißenbergs entspringt und Richtung Westen zum Lech fließt, sei ein Gewässer dritter Ordnung. Dafür hat die Gemeinde Peiting die Unterhaltspflicht. Bohl beziffert die Menge des entnommenen Kieses auf „wohl an die tausend Kubikmeter“.

Franz Schmid, der Vorsitzende des WBV Birkland, widerspricht vehement. Die Aussage mit den tausend Kubikmetern stimme so nicht. Er nennt im Gespräch mit dem Kreisboten eine Zahl von 240 Kubikmetern. „Absoluter Blödsinn“ sei gar die Behauptung, der entnommene Kies sei vom WBV noch auf eigene Rechnung verkauft worden, obwohl er Eigentum des Staatsforstes sei.

Während der Dissens zwischen Kreisfischereiverein und Wasserbeschaffungsverband kaum zu überbrücken ist, möchte die Marktgemeinde Peiting bei diesem Thema den Ball flach halten. Bürgermeister Michael Asam und Tiefbaureferent Gerhard Habersetzer erklärten auf Nachfrage übereinstimmend, dass die Gemeinde einen Vermesser aus Rottenbuch damit beauftragt habe, das Niveau zu erkunden und das Ausmaß des Eingriffes festzustellen. Man sei sich darüber im Klaren, dass der Schaden in Ordnung gebracht werden müsse, fügt Bürgermeister Asam hinzu.

Noch gibt es noch keinen Zeitplan für eine Sanierung. Es steht, wie Roland Kriegsch als Behördenleiter des Wasserwirtschaftsamtes Weilheim schildert, noch eine „gemeinsame Ortseinsicht mit den Beteiligten an“. Dabei werde das weitere Vorgehen festgelegt.

Auf die Frage, wer die Sanierung zu bezahlen hat, antwortet Kriegsch, dass die Anordnung an den Markt Peiting ergangen sei; die Kommune sei „Unterhaltspflichtiger des Wielenbaches“. Die Marktgemeinde könne die ihr entstehenden Kosten auf den Verursacher umlegen, ergänzt der Chef des Wasserwirtschaftsamtes.

Ursprünglicher Zustand ist für immer verloren

Kriegsch ist bewusst, das sich der ursprüngliche Zustand am Wielenbach knapp zwei Kilometer oberhalb der Mündung in den Lech nicht mehr herstellen lasse. Das Konzept zur Sanierung müsse jedoch sicherstellen, „dass ein ökologisch gleichwertiger Zustand geschaffen wird“.

„Die Maßnahme ist ohne unser Wissen durchgeführt worden, die Bayerischen Staatsforsten haben zufällig Kenntnis davon bekommen und die Arbeiten sofort einstellen lassen“, erklärt der Behördenchef. Und er fügt hinzu: „Nachdem wir hiervon Kenntnis erlangt hatten, haben wir umgehend die zuständige untere Wasserrechtsbehörde (Landratsamt) informiert.“ Es sei nun Aufgabe des Wasserwirtschaftsamts, die „Sanierungsplanung und deren Ausführung intensiv zu betreuen“.

Franz Schmid vom WBV Birkland räumt den Fehler ein, dass man das Wasserwirtschaftsamt Weilheim nicht über die Kiesentnahme informiert habe. Doch gibt er zu bedenken, dass der Wasserbeschaffungsverband Birkland direkt auf der Südseite des Wielenbaches, der übrigens die Grenze zwischen der Gemarkung Peiting und dem bis 1978 eigenständigen Birkland darstellte, eine Fassung hat.

Aus den zwei Quellen werden jährlich 65 000 Kubikmeter des kostbaren Trinkwassers zum Hochbehälter im Süden Birklands befördert. Von dort werden nahezu alle 600 Bewohner in 168 Häusern der Ortschaft und 1500 Stück Vieh in den Ställen der Ortschaft versorgt.

Der Vorsitzende des Wasserbeschaffungsverbandes betont die Notwendigkeit des Auskofferns und der Ufersicherung, wofür bis in die achtziger Jahre das Forstamt zuständig gewesen wäre, bevor der untere Bereich des Wielenbaches in den neunziger Jahren zum schützenswerten FFH-Gebiet erklärt wurde.

Denn in Ufernähe verläuft unter einem Weg die Stromversorgung zum kleinen Kraftwerk oberhalb der Achmüllerbrücke. Zum Großteil wird die Turbine zwar über einen Kanal versorgt, der vom Wielenbach durch ein Stauwerk gespeist wird.

Diese Trasse müsse ebenso instandgehalten werden wie die Stromleitung gesichert werden müsse, erklärt Schmid. Niemand wolle dort unten ein Notstromaggregat, das mit Diesel befüllt werden muss. Das gab es in früheren Zeiten, und das war den meisten ein Dorn im Auge. Den Landwirten und Mitgliedern im WBV genauso wie den Vertretern der Behörden und den Fischern.

Johannes Jais

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