Weit weg von modernen Standards

Völlig vermoderte Fenster, Wasserschäden, ungedämmte Dachstühle: Die beiden stadteigenen Wohnblocks Im Tal befinden sich seit Jahren in einem desolaten Zustand. Fotos: Stadt SOG

Dass es um die beiden stadteigenen Wohnblöcke Im Tal nicht gut steht, dürfte kaum einen Schongauer Stadtrat überrascht haben. Seit Jahren steht die Sanierung der insgesamt 36 Wohnungen im Raum, doch andere Projekte wie der Bau der Dreifachhalle sowie die düstere Kassenlage haben das Vorhaben immer wieder hinaus gezögert. Als Christian Gößwald vom gleichnamigen Planungsbüro nun dem Stadtrat erstmals ein umfassendes Gutachten über den Zustand der Wohnblöcke sowie die Kosten für die Sanierung vorlegte, mussten die Gremiumsmitglieder allerdings schwer schlucken. Bis zu 2,7 Millionen Euro veranschlagt Gößwald für die Instandsetzung.

Die Liste der Mängel, die das Planungsbüro bei der eingehenden Untersuchung der Wohnblöcke vorgefunden hatte und die Gößwald zu Anfang den Stadträten präsentierte, schien endlos. Tiefe Risse in den Wänden, Wasserschäden, undichte Sanitäranlagen, Schimmelbildung, morsche und undichte Holzfenster, ungedämmte Dachstühle und Treppenhäuser: Je mehr der Planer aufzählte, desto deutlicher wurde der desaströse Zustand, in dem sich Sozial- und Obdachlosenwohnungen mit Baujahr 1963 befinden. Haus 18 ist gar derart baufällig, dass die dort befindlichen Wohneinheiten seit Jahren nicht vermietet sind. Ein Großteil der Wohnungen verfügt über keinen Warmwasseranschluss, stattdessen dienen Holz- oder Kohle-Badeöfen zum Erhitzen von Brauchwasser. Öl-, Holz- oder Kohle-Einzelöfen heizen die Wohnungen. Damit es warm wird, müssen die Mieter allerdings kräftig einschüren, denn ein Großteil der Wärme verpufft durch die schlechte Isolierung einfach nach draußen. Rund 12700 Liter Öl verbrauchen so sechs Wohnungen an Energie pro Jahr – drei bis vier Mal so viel wie moderne Wohnungen. Dass das auf Dauer kein tragbarer Zustand ist, darüber waren sich die Stadträte einig. Auf 2,7 Millionen Euro schätzt Gößwald die Kosten für die Modernisierung, wobei sich die energetischen Maßnahmen wie etwa die Wärmedämmung an der Mindestvorgabe der Energiesparverordnung von 2009 orientieren. Das Sanierungskonzept sieht vor, Haus 10 bis 18 an das Fernwärmenetz anzuschließen samt neuen Heizkörpern in allen Räumen. Dazu werden die Sanitäranlagen, die Bodenbeläge, Türen, sowie die sich in einem abenteuerlichen Zustand befindenden Elektroinstallationen kom-plett erneuert und Fenster ausgetauscht. Außerdem sollen die Wohnungen Balkone erhalten. Einsparpotential sieht das Konzept bei Haus 8, das derzeit als Unterkunft für Obdachlose dient. Hier soll es weder eine Zentralheizung noch Balkone geben. Auch die Dämmmaßnahmen werden nur in reduziertem Umfang durchgeführt. Als „gute Grundlage“ wertete CSU-Fraktionschef Michael Eberle das Gutachten. Genau wie die übrigen Räte schloss er eine Umsetzung ohne energetische Maßnahmen, was rund 500000 Euro einsparen würde, aus. „Das sind wir dem Klimaschutz schuldig.“ Wann mit der Sanierung begonnen werden soll, ist noch offen. Allerdings wird der Startschuss laut Stadtbaumeister Ulrich Knecht wohl nicht vor 2013 fallen.

Meistgelesene Artikel

Närrisches "Wohlfühlparadies"

Peiting/Hohenfurch – Bürgermeister Guntram Vogelsgesang wurde kurzerhand in Quarantäne gesteckt und ab ging die Post. Mit einem rauschenden Ball in …
Närrisches "Wohlfühlparadies"

Cool, cooler, Schongauer Prinzenpaar

Schongau – In Schongau hat die fünfte Jahreszeit begonnen. Der traditionelle Inthronisationsball war wie immer ein Riesenerfolg. Und doch war …
Cool, cooler, Schongauer Prinzenpaar

Friedrich Zeller will's nochmal wissen

Schongau/Memmingen – Zwölf Jahre war Friedrich Zeller Bürgermeister in Schongau, es folgten sechs Jahre als Landrat. 2014 verlor der 50-Jährige …
Friedrich Zeller will's nochmal wissen

Kommentare