"Es wird keine Bauruine entstehen" – Hohenpeißenberg: Knappes Budget bringt Bauarbeiten der Umgehung in Verzug

Dampf stieg aus der Gerüchteküche, als vergangene Woche bekannt wurde, dass es beim Bau der Hohenpeißenberger Ortsumfahrung wohl zu zeitlichen Verzögerungen kommen wird. Das Geld des Staatlichen Bauamtes Weilheim würde wegen Olympia 2018 in den Straßen- und Tunnelbau nach Garmisch-Partenkirchen fließen, wurde spekuliert.

„Über die Presse“ hat Hohenpeißenbergs Bürgermeister Thomas Dorsch erfahren, dass die beiden Bahnunterführungen heuer nicht mehr in Angriff genommen werden können, weil die dazu nötigen Finanzmittel fehlen. Da kommen Spekulationen wie diese völlig ungelegen. 10 000 Fahrzeuge quälen sich täglich durch den Ort, der von der B 472 förmlich durchschnitten wird. „Wir sind das Nadelöhr zwischen Kempten und Irschenberg“, klagte Dorsch im Gespräch mit unserer Zeitung. 30 Jahre lang warten die Hohenpeißenberger schon auf eine Entlastungsstraße und haben fest mit ihrer Eröffnung im Jahr 2013 gerechnet. Auch die Planungen im Ortszentrum seien darauf ausgerichtet worden, sagte der Bürgermeister. Als „unbegründet“ weist das Staatliche Bauamt Weilheim jedoch die Befürchtungen zurück, dass es an der Hohenpeißenberger Entlastungsstraße zwecks Geldmangel zu einem Baustopp kommen wird. Eine „Bauruine“ werde es in Hohenpeißenberg nicht geben, bezieht Sven Maertz vom Staatlichen Bauamt Weilheim Stellung: „Selbst im Winter wird an den großen Brücken an Eierbach und Kohlgraben fleißig weitergebaut.“ Beide Talbrücken, jeweils 83 und 84 Meter lang, sollen heuer noch fertiggestellt werden. Die für 2011 vom Bund zugeteilten Finanzmittel werden auch für die Umfahrung der Hohenwarter Kehre zwischen Peißenberg und Hohenpeißenberg genutzt, wo seit Herbst 2010 die Bauarbeiten ruhen. Nicht mangels Geld, wie Maertz betont, sondern „weil der Untergrund dort keine Ruhe gibt“. Um auf der neuen B 472 Rutschungen zu verhindern, haben Bodengutachter unter der Leitung der Technischen Universität München ein Sicherungssystem ausgearbeitet, das ab Ostern mit dem Einbringen von 400 Betonsäulen umgesetzt werden soll. Insgesamt 3,7 Millionen Euro, rechnet Maertz, werden heuer inclusive aller Nebenarbeiten in die 5,2 Kilometer lange Umfahrungsstraße investiert, eine ähnliche Summe, wie sie für den Kramer Tunnel bei Garmisch-Partenkirchen vorgesehen ist. Seit 2009, teilt das Weilheimer Straßenbauamt mit, wurden für die Hohenpeißenberger Entlastungsstraße bereits 5,7 Millionen Euro aufgewendet. Im Verlauf der Umgehung muss die Bahnlinie Weilheim-Schongau zweimal unterquert werden. Für die beiden Bahnunterführungen gilt es mit der DB Netz Vereinbarungen zu treffen. Maertz berichtete dem KREISBOTEN von „sehr schwierigen Verhandlungen“. Erst wenn ein Konsens gefunden worden sei, können als nächstes diese Baulose ausgeschrieben werden. Bürgermeister Dorsch geht davon aus, dass es „jetzt wohl ein Jahr länger dauern wird, bis wir die Umfahrung eröffnen können“. Sein Parteifreund MdB Alexander Dobrindt habe ihm jedoch zugesichert, dass der Baufortschritt in Hohenpeißenberg nicht gefährdet sei. „Vielleicht“, hofft Dorsch, „haben wir ja nächstes Jahr wieder mehr Finanzmittel zur Verfügung.“ Dass Gelder für Olympiamaßnahmen zurückgehalten werden, mag Dorsch nicht glauben, wo „Garmisch doch noch gar keinen Zuschlag bekommen hat“. Der Baubeginn der Hohenpeißenberger Ortsumgehung im Jahr 2009, meldete sich der Bundestagsabgeordnete Dobrindt zu Wort, sei mit der Aufnahme in das Konjunkturpaket II des Bundes realisierbar geworden. Das heuer vom Bundesverkehrsministerium vorge- sehene Geld bleibe gesichert am Ort. Wie hoch die jährlich neu vergebenen Haushaltsmittel für 2012 ausfallen werden, konnte der CSU-Abgeordnete nicht beziffern. Dobrindt rechnet bei der Fertigstellung der Straße mit einer „Zeitverzögerung von ein paar Monaten“. Die Hohenpeißenberger Umfahrung führt den Durchgangsverkehr südlich um den Ort herum und soll die Ortsdurchfahrt um 70 Prozent entlasten. Die alte B 472 wird mit zwei neuen Anschlussstellen an die Ortsumgehung angebunden. Im östlichen Bereich der neuen Straße ist ein dritter Fahrstreifen vorgesehen.

Meistgelesene Artikel

Närrisches "Wohlfühlparadies"

Peiting/Hohenfurch – Bürgermeister Guntram Vogelsgesang wurde kurzerhand in Quarantäne gesteckt und ab ging die Post. Mit einem rauschenden Ball in …
Närrisches "Wohlfühlparadies"

Cool, cooler, Schongauer Prinzenpaar

Schongau – In Schongau hat die fünfte Jahreszeit begonnen. Der traditionelle Inthronisationsball war wie immer ein Riesenerfolg. Und doch war …
Cool, cooler, Schongauer Prinzenpaar

Update für die Heimat

Peiting – Wie hält der Landkreis den Anschluss an nationale und globale Entwicklungen? Beim Neujahrsempfang der Peitinger CSU im Sparkassensaal …
Update für die Heimat

Kommentare