Jäger sollen Druck machen

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„Erntedank“ bei der Hegeschau in Fischen. Die Jagd geht allerdings noch weiter; die Jäger sollen beim Rotwild kräftig nachlegen, um den Abschuss zu erfüllen.

Fischen – Eingebettet in die Allgäuer Jäger- und Naturtage präsentiert der Kreisjagdverband Oberallgäu die traditionelle Herbsthegeschau der Hochwild-Hegegemeinschaft Sonthofen in Fischen. Anlass auch, die aktuelle „Ernte“ zu betrachten vor dem Hintergrund, dass die Jägerschaft in den vergangenen Jahren das geforderte Abschusssoll beim Rotwild nicht erfüllen konnte. Eindringlich daher der Appell, jetzt „Druck zu machen“.

Von „Vertrauensvorschuss und Entgegenkommen“ spricht der Stellvertretende Landrat des Oberallgäus, Alois Ried, wenn er erwähnt, dass das Abschusssoll beim Rotwild ohnehin erneut von der Unteren Jagdbehörde zurückgeschraubt worden war – um 287 Stück gegenüber dem Vorjahr. Man habe daher „Erwartungen gehegt“, so Ried, der sich enttäuscht über die Zwischenbilanz zeigt, wonach bislang erst ein Drittel der vereinbarten 904 Hirsche im Bereich der Hochwild-Hegegemeinschaft geschossen worden seien. Die vorliegenden Zahlen gäben „Grund zur Besorgnis“, so Rieds Appell an die Jäger, beim Abschuss jetzt umso mehr Druck zu machen. Zufrieden sei man im Landratsamt mit der Zusammenarbeit mit der Jägerschaft was die TBC-Untersuchungen angehe, ergänzt Alois Ried. Wieder zeigten sich aber „Problembereiche“ wenngleich man nicht von einem flächigen Auftreten der Seuche beim Rotwild sprechen könne. Er hoffe auf baldige fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse, was mögliche Übertragungswege zwischen Rotwild und Rindern angehe.

So schlecht sei das Zwischenergebnis von knapp 40 Prozent auch wieder nicht, weist Jürgen Wälder, der Geschäftsführer der Hochwild-Hegegemeinschaft die Kritik zurück. Das sei in den vergangenen zehn Jahren nie anders gewesen. Vielmehr sei es immer gelungen, doch noch weitgehend an die Sollvorgabe heranzukommen. „Es fehlen 550 Stück.“ Das sei durchaus zu schaffen, deutet Wälder an.

Jagdberater Stefan Pfefferle appelliert an seinen Jägerkollegen: „Nicht nachlassen! Alle an einem Strang ziehen.“ Den „Vorabschuss“ bis Mitte Oktober bezeichnet Pfefferle als „sehr wenig“, doch jetzt werde man loslegen und das Versprechen erfüllen.

Dr. Ulrich Sauer, Leiter des Bereichs Forsten am Landwirtschaftsamt Kempten, erinnerte in seinem Kurzreferat an die Verantwortung der Jäger, die bei zwei Kernbereichen der aktuellen Biodiversitätsstrategie Einfluss hätten: Mischwald und Weißtanne. „Deshalb ist waid- und waldgerechte Jagd so wichtig.“ Die sogenannte Biodiversitätsstrategie der EU will die Artenvielfalt fördern und dies nicht zuletzt mit Stilllegungsflächen in Wäldern erreichen, die von jeglicher Nutzung ausgenommen sein sollen. Der sogenannte bayerische Weg, so Sauter, setze dagegen auf „Naturschutz in der Fläche“, auf naturschonende, naturnahe Bewirtschaftung der Wälder und Gebiete, die in einer Art Ruhephase belassen belieben. „Dieser Weg hat durchaus Sinn“, meint Sauter.

In einem weiteren Vortrag beleuchtete Dr. Florian Asche „das Bild der Jagd“ in der Gesellschaft und unterstrich: „Jagd ist mehr als eine Dienstleistung.“ Was Jagd bedeute und ausmache, dürfe man keinesfalls „anderen überlassen, die von Natur keine Ahnung haben“.

Josef Gutsmiedl

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