Die Jagd geht weiter

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Die Jäger wollen mitziehen bei den Anstrengungen, gesunde artgerechte Wildbestände im Oberallgäu zu erreichen.

Fischen – Kein großer Schlagabtausch bei der Frühjahrshegeschau des Kreisjagd- verbandes Oberallgäu in Fischen. Statt gegenseitiger Schuldzuweisungen beim Thema der Wald-Wild-Problematik gab es Appelle für ein weiteres Miteinander bei der Suche nach Lösungen, vor allem beim heißen Eisen Rinder-TBC. Nicht zufrieden mit den Abschusszahlen zeigte sich Landrat Anton Klotz.

„Es geht nicht um die Zahl allein“, betonte der Vorsitzende der Hochwildhegegemeinschaft Sonthofen, Erich Erbgraf zu Waldburg-Zeil. In die Abschussfestlegung sollte vielmehr auch die Struktur eines Wildtierbestandes einfließen, mithin wissenschaftliche wildbiologische Aspekte. Und mit Blick auf das aktuell anstehende neue Forstliche Gutachten zum Zustand der Naturverjüngung meinte Waldburg-Zeil weiter, dass der Erfolg nicht mit „ständigen neuen Zielvorgaben“ zu finden sei. Zudem sei aktuell offenbar weniger der Verbiss junger Waldbäume das brennende Problem, sondern vielmehr das Schälen und Fegen der großen Bäume. „Das macht verheerende Schäden“, räumt der Erbgraf ein.

Zielführend beim Waldumbau und der lokalen Wald-Wild-Debatte sei letztlich nur der Dialog und ein Miteinander aller Betroffenen, meinte auch der Oberallgäuer Landrat, Anton Klotz. Er hoffe, dass die Abschusserfüllung „künftig wieder mehr Anlass zur Zufriedenheit“ gebe. Konkret monierte Klotz, dass beim Rotwild nur 76 Prozent des Solls erfüllt wurde. Dennoch sei er der Überzeugung, dass die Orientierung der Abschussvorgaben am Waldzustand und eine einvernehmliche Planung und verlässliche Abschusserfüllung zum Ziel führten. „Wir haben ein Problem und das müssen wir selbst lösen. Sonst wird uns da niemand helfen“, so Klotz.

Erlegt wurden im Jagdjahr 2014/15 im Bereich der Hegegemeinschaft Sonthofen 902 Hirsche (Vorgabe 1191 Stück) was einer Erfüllung von 76 Prozent entspricht. Ausreißer nach unten ist erneut Oberstdorf mit 60 Prozent. Beim Gemswild mit insgesamt 543 Stück beträgt die Quote knapp 90 Prozent. Noch Nachholbedarf sieht man beim Kreisjagdverband beim Rehwildabschuss, der nach zwei von drei Jahren bei 60 Prozent liegt (4258 Stück von 7092 in der Dreijahresplanung).

Dass es beim Ziehen am gleichen Strang offenbar nicht überall klappt, kritisierte der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes, Heinrich Schwarz. So habe der Jagdbeirat der gemeinsamen Abschussplanung seine Zustimmung verweigert, und die intensive Vorarbeit aller Beteiligten „zunichte gemacht“, ohne sich dabei eingebracht zu haben, beklagte Schwarz. „Das ist sehr enttäuschend und frustrierend.“ Schwarz forderte die Mitglieder auf, ihr Amt dann doch lieber niederzulegen.

Heißes Eisen bleibt im Oberallgäu die Bekämpfung der Rinder-TBC. „Das Thema ist nach wie vor aktuell; wir sind da noch nicht am Ende“, betonte Landrat Klotz und bestätigte der Jägerschaft eine „beispielhafte Unterstützung“ beim Monitoring. Eine notwendige Regulierung der Wildbestände könne ohne Jäger nicht erreicht werden.

Aktuell wird die TBC-Untersuchung von Alpvieh durchgeführt, das in wenigen Wochen gesömmert wird. „Das läuft sehr erfolgreich“, so Klotz. Etwa drei Viertel der rund 22000 Tiere seien bereits untersucht; die Landwirte zögen mit. Von einer weiteren Untersuchung des heimkehrenden Alpviehs im Herbst verspricht sich der Landrat weitere Rückschlüsse über möglichen Ansteckungswege vom Rotwild.

„Die Jagd steht beim Rotwild-Monitoring weiter zur Verfügung“, versicherte der Erbgraf zu Waldburg-Zeil. Das Thema sei seiner Einschätzung nach „beim Landratsamt gut aufgehoben“. Allerdings gebe es weltweit keine Studie, die als Nachweis einer möglichen Ansteckung von Rindern durch Rotwild tauge. Irgendwann müsse man aber auch ein Fazit ziehen können, drängte Waldburg-Zeil auf Ergebnisse. Wenn sich bei der Untersuchung von 2000 erlegten Hirschen lediglich ein Durchseuchungsgrad von 2 Prozent zeige, sei das „nichts“, wehrte er jede Zuweisung einer möglichen „Gefährdung“ zurück. Optimistisch gab sich der Vorsitzende der Hegegemeinschaft bei der neuen Abschussvorgabe: „Wir werden versuchen, die Abschüsse hinzubekommen.“

Josef Gutsmiedl

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