Auch das Oberallgäu soll sich an der Rettung des Allgäu Airport beteiligen

Des Kaisers neue Pläne

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Auch darüber, ob der Allgäu Airport ein reiner „Abflugflughafen“ ist oder ob er Touristen und Geschäftsreisende in ausreichendem Maß in die Region bringt, besteht Uneinigkeit.

Allgäu - Geht es nach den Plänen des ehemaligen Landrates Gebhard Kaiser, werden die Allgäuer Landkreise und kreisfreien Städte in Form einer Besitzgesellschaft Flächen rund um den Flughafen Memmingen erwerben und vermarkten. Damit soll der angeschlagene Allgäu Airport gerettet werden. Die Meinungen dazu gehen in der Region auseinander.

Der ehemalige Oberallgäuer Landrat Gebhard Kaiser hat ein Konzept zur Sanierung des angeschlagenen Allgäu Airports vorgelegt. Demnach soll sich eine neue Besitzgesellschaft um die Vermarktung brachliegender Flächen rund um den Flughafen kümmern, die nicht direkt für den Flugbetrieb verwendet werden. Auch die Gebietskörperschaften – Städte und Landkreise in der Region – sollen sich mit insgesamt rund 8,2 Millionen Euro an der Gesellschaft beteiligen. Ob dieses Konzept den Allgäu Airport aus den finanziellen Turbulenzen bringen, wird quer durchs Allgäu recht unterschiedlich betrachtet.

Laut dem Konzept von Gebhard Kaiser, der als Koordinator für den Flughafen tätig ist, soll die Allgäu Airport GmbH & Co. KG in drei Teilgesellschaften neu aufgestellt werden: Eine Gesellschaft kümmert sich um den Flugbetrieb, eine weitere Gesellschaft stellt Fläche und Infrastruktur für den Flugbetrieb zur Verfügung. Die dritte Gesellschaft soll die Liegenschaften außerhalb des Flugbe- triebes kaufen und vermarkten: insgesamt 28 Hektar an Gewerbeflächen. Wie hoch die Beteiligung der jeweiligen Gebiets- körperschaften ist, soll von der Entfernung zum Flughafen abhängen.

Unterallgäu sagt "ja"

Der Landkreis Unterallgäu wird sich mit 2,45 Millionen Euro beteiligen. Die Mitglieder des Unterallgäuer Kreistages sprachen sich am Montag mehrheitlich für das Mitwirken des Landkreises an der noch zu gründenden Besitzgesellschaft aus. Der Unterallgäuer Landrat Hans-Joachim Weirather sieht die Beteiligung des Landkreises als „richtiges Zeichen zur richtigen Zeit“, heißt es in einer Pressemeldung des Landratsamtes Unterallgäu. Schließlich habe der Freistaat Bayern seine weitere finanzielle Unterstützung des Flughafens an ein Engagement der Gebietskörper- schaften geknüpft. Gabriela Schimmer-Göresz, ÖDP-Kreisvorsitzende Memmingen-Unterallgäu, spricht hingegen von einem „schäbigen, wenn auch geschickt eingefädelten Deal“, von einem „Lehrstück von Lobbyismus und Ignoranz, wenn sich die gewählten Volksvertreter über sämtliche Warnhinweise in Bezug auf dieses sogenannte ‚abgesicherte Investment’ hinwegsetzen.“

Der Oberallgäuer Kreistag wird sich in seiner Sitzung am 17. Juli mit dem Thema befassen und einen Beschluss fassen. Es geht um 1,34 Millionen Euro. Die Meinungen im Vorfeld? Kontrovers. So sind zum einen die Ansichten über den wirtschaftlichen Nutzen der Region durch den Flughafen gespalten. Zum anderen werden auf den Grundstücken, die auf dem Gelände des ehemaligen Militärflugplatzes Memmingerberg liegen, gefährliche Altlasten vermutet, deren Beseitigung erhebliche Kosten verursachen wird. Auch gehen die Meinungen, ob es Aufgabe des Landkreises und der Gemeinden ist, einen privat geführten Flughafen finanziell zu unterstützen, auseinander.

Klotz: "Guter Vorschlag"

Landrat Anton Klotz sieht den Vorschlag seines Vorgängers durchwegs positiv. „Der Allgäu Airport hat sich zu einer wichtigen Infrastruktureinrichtung der Region entwickelt. 800.000 Passagiere im Jahr zeigen, dass das Potential für den Verkehr im Allgäu da ist.“ Für Klotz bietet der Vorschlag Kaisers zur Neustrukturierung des Flughafens „die reale Chance, die vor allem aus Gründen der Sicherheit notwendigen Investitionen zu stemmen und gleichzeitig den Airport auf solide Beine zu stellen“. Region, private Gesellschafter und auch der Freistaat müssten hierzu ihren Teil leisten – „es funktioniert nur gemeinsam!“ Laut Klotz profitiert auch der Landkreis Oberallgäu mit seiner Wirtschaft und dem Tourismus vom Allgäu Airport. „Der Standort Allgäu insgesamt wird mit dem Airport deutlich besser bewertet als ohne.“

Falls sich der Kreistag in seiner nächsten Sitzung für die Beteiligung an der Flughafengesellschaft ausspricht, „werden die kommunalen Gesellschafter voraussichtlich die Mehrheit haben und entsprechend über die Geschicke des Unternehmens mit bestimmen“. In Hinblick auf die vermuteten Altlasten beruhigt Klotz. „Die Gesellschafter haften in der neuen Gesellschaft nur mit dem eingebrachten Kapital.“ Weiter habe die Bundesrepublik Deutschland bereits anerkannt, der Verursacher der PFT-Rückstände zu sein. Perflourierte Tenside (PFT) gelten als krebserregend und können nicht abgebaut werden. Sie wurden durch Löschschaum der Luftwaffe verursacht.

In Kempten fällt die Entscheidung über eine Beteiligung an der Besitzgesellschaft am 6. August. Oberbürgermeister Thomas Kiechle sieht eine Beteiligung der Stadt Kempten auf Grund der klaren Trennung zum Flugbetrieb als akzeptabel an, „da mit dem Kauf von wirtschaftlich verwertbaren Airport-Flächen ein echter Gegenwert besteht“. Zumal er in einem solchen Projekt eine Chance sieht, „ein interkommunales Gewerbegebiet zu entwickeln“.

Kritik von den Grünen

Scharfe Kritik üben hingegen die Allgäuer Grünen an den Plänen Kaisers. „Es geht nur darum, den Flughafen mit schnellem Geld der Allgäuer Kreise und Städte zu versorgen. Dies widerspricht jedoch den Absichtserklärungen der Kreis- und Stadtratsgremien im Allgäu“, sagt der Landtagsabgeordnete Thomas Gehring. Er sehe keinen wirtschaftlichen Nutzen für die Region durch den Allgäu Airport. So werde der Flughafen in erster Linie als Abflughafen in einen billigen Urlaub genutzt, die Zahl der Touristen, die über Memmingen in die Region kämen, sei hingegen verschwindend gering.

Hinzu kommen auf den betreffenden Grundstücken vermutlich „zahlreiche Altlasten, wie das nichtabbaubare und krebserregende PFT“, wie der Grünen-Landtagsabgeordente Ulli Leiner aus Sulzberg befürchtet. Gutachten über die Altlasten seien erst zum Jahresende zu erwarten, jedoch sei zu befürchten, dass mit den Flächen deshalb in absehbarer Zeit kein Geld zu erwirtschaften ist. „Ich verstehe nicht, warum der Landkreis Flächen in einem anderen Landkreis kaufen soll“, so Thomas Gehring. Zudem fragen sich die beiden Abgeordneten, „warum die Flughafengesellschaft die Grundstücke bisher nicht selbst vermarkten konnte und dies nun die öffentliche Hand besser können soll als die Wirtschaft.“ Für Leiner und Gehring gibt es „so viele Fragezeichen, dass selbst Befürworter des Flughafens diesem Vorschlag von Ex-Landrat Gebhard Kaiser nicht zustimmen können!“

Auch der Bund Naturschutz hat große Bedenken, was das Konzept zur Sanierung angeht.

Sicht der Bürgermeister

Für Immenstadts Ersten Bürgermeister Armin Schaupp ist der Allgäu Airport „ein ganz schwieriges Thema“, auch wenn die Gemeinden nicht direkt an der Besitzgesellschaft beteiligt sein sollen. „Eine gute Infrastruktur ist für die Region sehr wichtig“, immerhin befände sich das Oberallgäu in einer „infrastrukturellen Randla- ge“. Die Frage sei, ob es in Zukunft gelinge, den Flughafen Memmingen auch als „Ankunftflughafen“ zu etablieren und so den wirtschaftlichen Nutzen für die Region zu verbessern. Dies betont auch Sonthofens Erster Bürgermeister Christian Wilhelm. Ein breiteres Angebot an innerdeutschen Flügen böte vor allem den heimischen Unternehmen die Möglichkeit, ihre Geschäftsreisen über Memmingen abzuwickeln – ein klarer Standort- vorteil, so Wilhelm. Der Allgäu Airport müsse sich auf lange Sicht selbst tragen. Hierzu müsse ein schlüssiges Konzept her. Für Wilhelm, selbst Mitglied im Oberallgäuer Kreisrat, stehe jedoch zunächst einmal die Frage im Vordergrund, mit welchen Mitteln eine Beteiligung des Landkreises an den Grundstücken in Memmingen finanziert werden soll: ob aus bereits vorhandenen Haushaltsmitteln oder durch eine Erhöhung der Kreisumlage – was wiederum die einzelnen Gemeinden stärker belasten würde.

Zuversichlich, dass Kaisers neuer Vorschlag für Aufwind für den kriselnden Allgäu Airport sorgen kann, ist der Allgäuer Landtagsabgeordnete Eberhard Rotter. Der Freistaat Bayern wolle mehr Geld einbringen, die Gesellschafter weitere Mittel zuschießen – das dritte Standbein könnte durchaus die ins Spiel gebrachte Grundstücksgesellschaft sein. Dass die öffentliche Hand auf diesem Weg Geld einbringe, sei „in der Tat nicht einfach zu erklären“, räumt der CSU-Politiker ein. Übers Knie brechen sollte man aber jetzt nichts. Rotter rät zunächst abzuwarten, wie die näher am Allgäu Airport gelegenen Landkreise mit dem Vorschlag umgehen. „Dann sollten die anderen Gremien Solidarität zeigen.“

Mit der Kapitalbeschaffung allein sei es allerdings nicht getan. Um den Allgäu Airport langfristig auf Kurs zu bringen und eine solide wirtschaftliche Basis zu schaffen, komme man umhin, das Angebot auszubauen; sprich, innerdeutsche Verbindungen dauerhaft zu etablieren. „Es geht nicht darum, die Allgäuer mit Billigfliegern in die Urlaubsparadiese zu bringen, sondern darum, Menschen ins Allgäu zu holen.“ Alle Prognosen sprächen für einen „steilen Aufwärtstrend“ beim Flugreiseverkehr, betont Eberhard Rotter: „Der Allgäu Airport hat eine gute Zukunft.“ Um den Flughafen sicher zu betreiben, brauche es aber Geld, nicht zuletzt um den technischen Ausbau und die Ausstattung auf das erforderliche Niveau zu bringen.

Für die Ostallgäuer Landrätin Maria Rita Zinnecker ist der Airport „ein wichtiger Standortfaktor für das gesamte Allgäu“. So würden auch Ostallgäuer Bürger und Wirtschaft davon profitieren. „Ich sehe uns daher in der Verantwortung, die Zukunft des Allgäu Airports sichern zu helfen, sofern die Rahmenbedingungen stimmen.“

Laut Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse haben sich die Allgäuer Landräte und Oberbürgermeister der kreisfreien Städte grundsätzlich verständigt, sich an der neuen Grundbesitzgesellschaft im Zusammenhang mit dem Allgäu Airport zu beteiligen. Diese Übereinkunft sei jedoch vorbehaltlich der Zustimmung der Gremien. Auch der Füssener SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Paul Wengert steht einer Beteiligung der Allgäuer Städte und Kommunen aufgeschlossen gegenüber. „Die SPD-Landtagsfraktion begrüßt die beab- sichtigte Ertüchtigung des Flughafens“, so Wengert auf Anfrage des Kreisboten. „Wir sehen im Allgäu Airport eine wichtige Struktureinrichtung und sprechen uns für eine verstärkte Förderung aus“, erklärte er. Ziel der SPD sei, dass sich Freistaat sowie Städte und Gemeinden an dem Airport beteiligen, entweder über eine Beteiligung an der Betriebsgesellschaft oder über weitere Investitionsförderungen.

eva/mm/kl/gts

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