Trumpfkarte Regionalität

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Jörg van Loock (links) von Arla Foods und Hubert Rupp, Vorsitzender der Allgäuer Bergbauernmilch eG, hoffen auf einen Erfolg der neuen regionalen Bergbauern-Marke.

Oberallgäu – Selbst ein weltweit engagierter Molkerei-Konzern wie Arla Foods kann am Milchpreis nichts „drehen“. Das wurde bei der jüngsten Mitgliederversammlung der Allgäuer Bergbauernmilch eG in Thalkirchdorf deutlich. Die Milchlieferanten sind es letztlich selbst, die das Ungleichgewicht auf dem Milchmarkt erhalten – es ist zuviel Milch „unterwegs“.

Wenn Arla „seinen“ Bauern bei der Bergbauernmilch weiterhin einen überdurchschnittlichen Preis zahlen könne, dann deshalb, weil sie den „einzigartigen Rohstoff“ in Form von hochwertiger Spezialmilch lieferten. Mit dem Wiederaufbau der Marke Allgäuland / Bergbauernmilch will Arla auf diesem Markt weiter punkten.

Jörg van Loock, seit Oktober 2016 verantwortlich für die Allgäuer Arla-Standorte, stellte in seinem Blick auf das Unternehmen und den Milchmarkt klar: „Das Allgäu ist keine Insel der Seligen.“ Der Einfluss des Weltmarktes reiche längst in die Region. Es sei kein Geheimnis, dass es offenbar nicht bergauf gehe mit dem Milchpreis. Sein Trost für Arla-Partner wie die Genossenschaft der Allgäuer Bergbauernmilch: „Absolut sieht es schlecht aus – für Arla aber relativ gut.“

Die Lage auf dem Milchmarkt lässt sich van Loock zufolge schnell zusammenfassen: ein Überangebot trifft auf sinkende Nachfrage. „Es gibt keinen Markt für zuviel Milch“, bringt er das Dilemma auf den Punkt. Das herrschende Ungleichgewicht sei zudem hausgemacht. Die Milchproduktion in Europa steige – seit dem Wegfall der Milchquote besonders in Deutschland. „Europa ist die treibende Kraft beim Angebot“, betont van Loock weiter.

„Europa ist es nicht gelungen, diese zusätzliche Milch in den Export zu lenken.“ Im Gegenteil: der Export nach Russland sei praktisch zum Erliegen gekommen; China schwächle. „Es würde unserem Markt gut tun, wenn sich Russland und Europa wieder annäherten“, meint van Loock. Gegen den aktuellen Preiskampf könne sich kein Landwirt, keine Molkerei wehren, folgert Jörg van Loock weiter. Der Handel stärke letztlich den Verbraucher, nicht den Milchproduzenten. An der Stellschraube Mengenbegrenzung werde Arla nicht drehen. Es sei nicht Aufgabe des Unternehmens dem Milchlieferanten zu sagen, was er zu tun habe und was nicht. Loock: „Es ist die persönliche Entscheidung eines jeden Einzelnen, ob er auf Expansion setzt oder nicht.“

Arla verfolgt Loock zufolge zwei Strategien. Einmal will das Unternehmen den Export ankurbeln. Zum anderen wird Arla die regionalen Spezialitäten besser vermarkten, etwa die Heumilch- und Bio-Linien. Aktuell steht Arla mit der wiederentdeckten Allgäuland-Schiene in den Startlöchern. In diesen Wochen werden Loock zufolge die ersten Partien in den Regalen auftauchen. „Diverse Listungen beim Einzelhandel sind unter Dach und Fach. Es lässt sich gut an.“ Unterm Strich sei diese Offensive „der Schlüssel, um den Marktpreis relativ gut zu halten“. Einen anderen Schlüssel habe der Verbraucher in der Hand. Nur wenn die Nachfrage da sei, könne das Comeback der Allgäuland-Produkte zum Erfolg werden.

Die Liefergenossenschaft der Allgäuer Bergbauernmilch wird die aktuelle Marketingoffensive von Arla auch finanziell begleiten. Vorsitzender Hubert Rupp sieht mit dem Neustart der Berg- bauernmilch einen seiner Wünsche in Erfüllung gehen, die er seit der „Übernahme“ der einstigen Allgäuland Käsereien durch Arla gehegt habe. „Diese Produkte gibt‘s nicht überall. Das ist die beste Bergbauernförderung, die man sich vorstellen kann!“

Rupp erinnert auch an die Einführung der Milchmengenbegrenzung durch die Einführung der Quote in den 1980er Jahren. Diese „Leitplanke“, die vieles geregelt habe, sei im Vorjahr weggefallen. Trotz Flächenschwund und Biogas-Boom werde auf Teufel komm raus produziert. „Über kurz oder lang muss die Politik wieder eingreifen“, so Rupp.

Auch wenn die Milchmarktkrise an Arla nicht spurlos vorübergeht, die Mitglieder der Liefergenossenschaft „fahren“ mit Arla Foods offenbar gut. Immerhin sei es bei den jüngsten Preisverhandlungen gelungen einen „angemessenen Preis für ein nicht austauschbares Produkt“ zu erzielen, so der Aufsichtsratsvorsitzende Franz Willi. Aktuell zahlt Arla für konventionelle Milch32,6 Cent pro Kilogramm; für „Biomilch“ sogar fast 50 Cent. „Wir Bio-Bauern können im Moment nicht klagen...“ meint ein Bergbauernmilch-Genosse gegenüber dem Kreisbote.

Josef Gutsmiedl

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