Leichter Preisverfall

+
Unter dem Dach von Arla Foods treibt die Allgäuer Bergbauernmilch eG die Konsolidierung nach der Allgäuland-Misere voran.

Oberallgäu - „Nicht beschweren“ über den Milchpreis können sich die Mitglieder der Allgäuer Bergbauernmilch eG. Dieses Fazit zog der Vorstandsvorsitzende, Hubert Rupp, anlässlich der jüngsten Mitgliederversammlung in Thalkirchdorf. Die Konsolidierung der Genossenschaft nach der Allgäuland-Liquidation komme voran, die „Altlasten“ in der Bilanz würden aufgearbeitet.

Gerade diese „Aufarbeitung“ sorgte bei der Mitgliederversammlung unerwarteter Weise für Erklärungsbedarf. Ein Mitglied monierte eine neuerliche Satzungsänderung, die in der Tagesordnung vorgesehen war. Danach sollen – so der neue Satzungsinhalt – im Falle einer Auflösung und Liquidation der Genossenschaft, die Überschüsse zu gleichen Teilen unter allen Mitgliedern verteilt werden – unabhängig von neuen oder alten Geschäftsanteilen. Das Verfahren komme einer „Kopfprämie“ gleich, kritisierte Helmut Epple. Er musste sich allerdings erläutern lassen, dass die Geschäftsanteile der Bergbauern-Genossenschaft aus den Allgäuland-Zeiten ohnehin längst „auf Null gesetzt“ seien und somit ohne Wert.

Die Versammlung stimmte dieser Satzungsänderung schließlich mit großer Mehrheit ebenso zu wie weiteren Anpassungen, die vor allem wegen einer Neufassung des Genossenschaftsrechtes erforderlich wurden. Betroffen davon sind etwa die Kündigungsfrist für Mitglieder, die künftig jährlich möglich ist zum Ende des Geschäftsjahres.

Ein Stück weiter ist die rund 400 Mitglieder zählende Genossenschaft auch in puncto Eigenverwaltung. Der Dienst- leistungsvertrag mit Arla Foods ist beendet. Diese Selbständigkeit mache auch Arbeit, so Rupp, gehe es doch um „nicht gewöhnliche kaufmännische Abläufe“. „Dank der richtigen Leute geht es“, lobte Rupp die versierte Bilanzbuchhalterin der eG, Andrea Landerer.

Dass man nur wenige Monate nach Verabschiedung der neuen Satzung schon wieder mit Satzungsänderungen zu tun habe, verteidigte Rupp mit dem Hinweis, dass der Vorstand diese Anpassungen zwar laut Auftrag hätte in eigener Regie hätte regeln können. Angesichts der ohnehin anberaumten Mitglieder- versammlung habe man die Themen hier aufgreifen wollen. Noch sei das Thema Milchpreis wohl kein Thema, deutet Markus Seemüller von der Vereinigung der Bayerischen Milcherzeuger-Gemeinschaft (Bay MeG) mit Blick auf den nationalen und internationalen Milchmarkt an. „Aber der Markt läuft nicht rund.“

Auffallend sei die Talfahrt bei Butter: die meisten Discounter bieten das 250-Gramm-Stück wieder unter der 1-Euro-Marke an. Auch der Käsemarkt verzeichne Rückgänge, unter anderem, weil Käse aus Litauen derzeit auf dem russischen Markt „unerwünscht“ sei und im EU-Raum Absatz suche. Bei der Trinkmilch sei man bislang „noch gut davongekommen“, so Seemüller.

Der Preisrückgang werde wohl nicht so dramatisch ausfallen wie vor einigen Jahren, meinte Markus Seemüller in seiner Einschätzung. Allerdings beobachte man ein „aggressives Auftreten“ eines weiter konzentrierten Lebensmittelhandels. Dem müsse man die Bündelung der Milcherzeuger entgensetzen. Teil der Vernetzung sei aktuell der Kooperationsvertrag der Bay MeG mit der Nord MeG. Es dürfte zwar keine Absprache über Preise stattfinden, aber ein Austausch von Informationen sehr wohl, hofft Seemüller auf positive Signale.

Ein wenig spüren könne man die Entwicklung schon, räumte Wolfgang Ehrmann von Arla Foods Deutschland ein. Arla ist der Milchverarbeitungspartner der Allgäuer Bergbauernmilch eG. Die Auszahlungspreise seien rückläufig, und Arla werde sich „dem nicht verschließen können“, so Ehrmann. Er hoffe aber, dass sich der Preis bald einpendeln werde. „Die Aussichten sind nicht katastophal schlecht“, gab er sich verhalten optimistisch.

Josef Gutsmiedl

Meistgelesene Artikel

"Kein schönes Bild, aber notwendig"

Sonthofen – Beim „Hochwasserschutz Ostrach“ arbeitet das Wasserwirtschaftswerk Kempten derzeit am letzten Bauabschnitt. Gestern wurden dafür im …
"Kein schönes Bild, aber notwendig"

Integration als großes Thema auf dem Arbeitsmarkt

Allgäu – Mit dem Wort Stabilität lassen sich die Ergebnisse des Arbeitsmarktes im Geschäftsbereich der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen im …
Integration als großes Thema auf dem Arbeitsmarkt

Drogen: Streit in Immenstadt eskaliert

Immenstadt - Am späten Dienstagabend eskalierte ein Streit unter zwei Paaren im Alter von 20 bis 30 Jahren in einer Wohnung eines Mehrfamilienhauses …
Drogen: Streit in Immenstadt eskaliert

Kommentare