Allgäuer Krimi-Autorin Nicola Förg ganz nah am Tatort

Ihr Norwegerpferd „Falco“ darf schon mal der Krimiautorin Nicola Förg über die Schulter schauen. Fotos: privat

Die Oberallgäuer Romanautorin Nici Förg feiert mit ihren Allgäu-, Oberland, Alpen-Krimis ein kleines Jubiläum: Zehn Jahre „Mord- und Totschlag“ am Fuße der Alpen (oder auch mal auf den Bergen...). Mit „Mordsviecher“ kommt gerade ihr zwölfter Regionalkrimi in die Buchläden. Der KREISBOTE sprach mit Nicola Förg über ihren „Mordsspaß“ am Schreiben und den Tatort „auf dem Land“, dort, wo das Allgäu und das Oberland am Schönsten sind.

Die Krimischreiberei macht offenbar – immer noch – Spaß / Mordsspaß. Zehn Jahre, zwölf Alpen-Krimis lassen schon auf Zeichen einer „Sucht“... oder Leidenschaft schließen? Nicola Förg: Sucht nein, Leidenschaft ja. Man lebt ja schließlich mit seinen Figuren, sie „wachsen“ quasi mit, sie werden älter - wie man selber! So nebenher aus dem Ärmel schütteln geht angesichts der profunden Recherchen wohl nicht. Sie befassen sich offenbar intensiv mit den „Rahmenbedingungen“ der jeweiligen Romanhandlungen, etwa im aktuellen Krimi „Mordsviecher“ wo es um Gifttiere geht. Oder um krumme Geschäfte mit Tierarzneien. Nicola Förg: „Nebenher“ entsteht ein Buch nie, sofern es eben profund recherchiert ist und die Figuren keine klischeehaften Abziehbildchen sind, sondern echte Menschen. Was die Recherche betrifft, bin ich in der glücklichen Situation, dass ich durch mein journalistisches Arbeiten für die Tierseite im Münchner Merkur und für ein paar Berg-Skisportmagazine auf Themen stoße, die ein „Mehr“ verlangen. Animal Hoarding war ein Tierseiten-Thema, der miese und fiese Umgang mit Reptilien auch. Auch Daunen waren Thema. Das heißt, ich schöpfe bereits aus einem Fundus und ziehe dann meine Fachleute zu Rate, wie im Fall von Mordsviecher der großartigen Thomas Lücke vom Reptilienhaus in Oberammergau. Es geht natürlich auch um die Menschen. Und die Beweggründe für ihr Handeln. Um die klassischen Mordmotive: Liebe, Hass, Gier, Rache. Drängen sich da Handlungsstränge auf? Nicola Förg: Ich beobachte, ich höre zu und wenn ich mich so manches mal in der aktuellen Welt umsehe, drängt sich schon ein gewisser Gesellschaftspessimismus auf. Ich sehe Brotneid und Gier und immer mehr Menschen, die versuchen jemand anderer zu sein, was schief gehen muss! Ich vermisse manches mal Menschenverstand und Aufrichtigkeit und da gibts dann eben auch jede Menge Kriminelles zu ersinnen. In Mordsviecher ist Machtmissbrauch gegen Schwache ein großes Thema - seien es arme Viecher oder schwache Menschen. Irgendwo muss ein Krimi ja spielen. Könnten Sie sich einen Roman aus Ihrer Feder in einer ganz anderen Gegend vorstellen ohne sich (literarisch) zu verbiegen? Nicola Förg: Schwierig, solange es ein Krimi ist. Der lebt von einer Authemtizität, was Orte und Charaktere angeht. Würde ich einen Krimi in Essen spielen lassen oder in Flensburg, könnte ich wohl recherchieren, aber das ersetzt nie den Blick auf die „Pappenheimer“. Es genügt einfach nicht, ein paar Straßennamen zu nennen und dreimal einen Hausberg - name dropping genügt nicht und die Leser spüren das auch. Auch die Menschen gehören zu einer Gegend. Und „ihre“ Akteure wohnen quasi ums Eck? Kann man diese Typen im Allgäu oder im Oberland treffen? Im Biergarten oder auf dem Berg? Nicola Förg: Es ist ja tatsächlich so, dass Nebenfiguren erkennbar sind und das auch sein dürfen. Mörder und Leichen sind immer komplett erfunden. Und was die Personen betrifft: Ich habe da durchaus lebende Typen vor dem inneren Auge und die gibts hier in der Umgebung in Biergärten und Kneipen oder in Geschäften. Die haben dann zwar einen anderen Beruf, ein völlig anderes Leben, aber es macht Figuren plastischer, wenn ich sie optisch im inneren Kino aufstehen lasse. Wie begrenzt ist das Publikum für Ihre Regionalkrimis? Gibt es eine greifbare Leserschaft außerhalb des Alpennordrands? Nicola Förg: Die ersten waren begrenzter, einfach auch wegen der üppigen Dialektpassagen. Da aber alle Kommissar Weinzirl Krimis ja als Taschenbuchausgaben bei Goldman vorliegen, stehen sie längst in den Buchständern in Flensburg. Und die Serie mit den beiden Damen ist sicher überall lesbar, ich war letztes Jahr auch auf Lesungen in Paderborn oder auf dem Festival in Marburg. Der Fokus liegt auf der Region, aber es gibt genug Leser jenseits der Donau. Geht’s weiter mit dem Morden, Schreiben? Mit Ihrer Mordlust...? Nicola Förg: Ich bin doch gar nicht mordlustig! Ich bin aber eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin. Mich bewegt ein Thema und darüber möchte ich erzählen, die Krimihandlung ist edr Rote Faden, ist die Klammer, die ich rundum konstruiere. Ich nehme den Tod durchaus ernst und drum wehre ich mich auch ein bisschen gegen die Tendenz, dass Krimi heute eher Slapstick ist. Irgendwie finde ich tote Mensche  (und Tiere!) eher unlustig! Und weiter geht’s mit Irmi und Kathi mit einem Jagdthema - so viel sei verraten. Aber nun lest erst mal Mordsviecher!    Mordsviecher; Nicola Förg, Piper Verlag, München, März 2012; 320 Seiten; Broschur; ISBN 978-3-86612-310-6; Euro 14,99.

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