Wald und Straße sind fit

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Förster Andreas Fisel (von rechts) und Tobias Schäfer von der Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu erläuterten Anwohnern und Interessierten was am Alten Berg beim Sammelhieb „gestemmt“ wurde.

Fischen - Seit dem Wochenende ist es wieder vorbei mit der Ruhe am Alten Berg: nach einer 12-tägigen Komplettsperrung fließt der Verkehr wieder normal auf der B19 zwischen Sonthofen und Fischen. 

Drei Fliegen mit einer Klappe schlugen die Forstbehörde, das Staatliche Bauamt Kempten und die Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu FGB mit den Arbeiten am Alten Berg. „Alles ist optimal gelaufen“, zog Tobias Schäfer von der FBG jetzt Bilanz, als die betroffenen Waldbesitzer und Anwohner den „neuen“ Alten Berg besichtigen konnten. 

„An die Ruhe könnte man sich schon gewöhnen“, meinte ein älterer Mann, der am letzten Tag der B19-Sperrung mit dem Fahrrad die Straße am Alten Berg fast ganz für sich hatte. Nur oben auf der Kuppe, wo die Abzweigung nach Tiefenberg führt, hört man den Kompressor der Firma, die die neuen Schutzplanken montiert. Und die ersten Vögel sind schon wieder zurückgekehrt als die Holzfäller-Trupps vor einer Woche abrückten. Mit den Feierabendspaziergängen auf der sonst vielbefahrerenen Bundesstraße ist es erst einmal vorbei. „So bald wird sich das nicht wiederholen“, betont Förster Andreas Fisel, der bei einem „Baustellenbesuch“ rund 50 Interessierten erklärt, was in dieser kurzen Zeit alles passiert ist an der B19 am Alten Berg. 

Das eigentliche Problem am Alten Berg waren die Gefährdungen des Straßenverkehrs, die vom Wald beidseits der Straße ausgingen. Immer wieder brachen große Äste ab und fielen auf die Fahrbahn; Stürme und Schneelast ließen Bäume kippen. Die längst notwendigen Waldarbeiten konnten nur bei gesperrter Bundesstraße erfolgen. Und mehr als 20 Waldbesitzer zu einer „koordinierten Aktion“ zusammenzubringen war eine weitere Schwierigkeit. 

Die „aufwändige Geschichte“ unter der Regie der Forstverwaltung lief dann – nach nicht minder aufwändiger Vorarbeit – „hervorragend“, lobt Dr. Ulrich Sauter, Leiter des Bereichs Forsten am Landwirtschaftsamt Kempten, den Projektverlauf. „Das reicht jetzt für ein paar Jahre“, so Sauters Fazit. In knapp zwei Wochen wurde der Alte Berg im Zuge eines Sammelhiebs „frisiert“. Die Forstbetriebsgemeinschaft organisierte die Fällarbeiten, den Abtransport von rund 1300 Festmeter Nutzholz und etwa ebensoviel Häckselgut. 

„Eine extrem komplexe und aufwändige Aktion“, beschreibt Tobias Schäfer das Maßnahmenpaket. „Wir haben nach vielen Überlegungen und Gesprächen ein optimales Verfahren gefunden.“ Die Waldbesitzer konnten dabei „ernten“ und die Waldflächen pflegen und für die nächsten zehn bis 15 jahre „fit“ machen lassen von den schlagkräftigen Trupps. Auch die Naturverjüngung habe jetzt eine Chance, deutet Fördster Fisel an und zeigt auf eine abgesteckte Fläche am Waldboden. „Alles da – Buchen, Fichten, Tannen... es muss nur noch wachsen können.“ 

Unterm Strich finde das Rehwild bald sogar einen besseren Lebensraum, erklärt Fisel auf die Frage, „wo denn die Rehe am Alten Berg jetzt sind“. Nur zu viele sollten’s halt nicht sein. Zufrieden zeigt sich auch Thomas Hanrieder vom Staatlichen Bauamt Kempten. Die B19 ist in diesem Abschnitt jetzt auf Jahre hinaus sicher vor umstürzenden Bäumen. Zudem konnten im Zuge der Waldarbeiten auch die alten Schutzplanken erneuert und dem vorgeschriebenen Standard angepasst werden. So schnell werde man die B 19 am Alten Berg wohl nicht mehr sperren müssen, hofft auch Hanrieder.

Josef Gutsmiedl

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