Vorreiter statt Mitläufer

Bosch weiß, wie man's macht

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Die neuen Kamerasystem von Bosch werden in einem speziellen Reinraum gefertigt.

Immenstadt - Dicht an den Marktrends bleiben will Bosch mit seinen Produkten, die maßgeblich im Werk Immenstadt / Blaichach im Allgäu entwickelt und produziert werden. „Gut aufgestellt“ sei Bosch mithin für zukünftige Entwicklungen.

Trends setzen, von Anfang an mitbestimmen, wohin die Reise geht, nicht den Trends nachrennen. Das ist die Strategie, die Bosch mit dem Dreiklang „Exzellenz – Innovation – Zukunft“ verfolgt. Dies ließen die Vertreter der Werkleitung beim jüngsten Pressegespräch am Standort Immenstadt-Seifen erkennen. Johannes Lauterbach, Kaufmännischer Werkleiter, spricht von den Handlungsfeldern Sicherheit, Komfort / Assitance, Agilität („Fahrspaß“) und Umwelt, bei denen Bosch „Gas geben“ will.

Bosch wolle auf diesem Weg nichts nachmachen, sondern vor machen – wie es besser geht, günstiger produziert werden kann. Aktuelles Beispiel: neue Sicherheits- und Assistenzsysteme für Autos. Jüngstes Bosch-Kind ist die „Multi Pupose Camera“ MPC 2. Die Kamera liefert laufend aktuelle Informationen aus der optimalen Perspektive. Das Assistenzsystem wertet den Datenfluss aus und leitet daraus die entsprechenden – optimalen – Reaktionen ab. Schneller und zuverlässiger als jeder Mensch. Wo der Autofahrer etwa zögerlich auf die Bremse trete, könne das System kontrolliert und perfekt ein Vollbremsung einleiten und ausführern, ohne das das Fahrzeug ausbreche.

„In der Praxis eine tolle Erfahrung“, findet der Technische Werkleiter, Rupert Hoellbacher. „Das macht das Autofahren an sich sicherer, aber es wird den Menschen als verantwortlichen Fahrer nicht ersetzen“, ergänzt Presse-Chef Dr. Joachim Siedler. Bosch setzt jedenfalls auf dieses Pferd. Derzeit läuft die Produktion des Kamerasystems an. Dazu wurde eigens ein absolut staubfreier Reinraum errichtet. Rund 30000 Systeme sollen heuer noch ausgeliefert werden.

Dabei sei es nicht „das Zusammensetzen von Einzelteilen“, das den Bosch-Mehrwert ausmache, betonen Hoellbacher und Lauterbach. „Das Prozess-Knowhow der Produktion ist unsere Stärke.“ Oder: wie man’s macht wissen viele, wie man’s besser macht, weiß man bei Bosch. Es seien immer noch die findigen „Allgäuer Köpfe“, die Bosch voran brächten.

Nach wie vor ist Bosch „abhängig“ von der Automobilproduktion. Der Umsatz weltweit lag im vergangenen Jahr mit 46 Milliarden Euro um ein Prozent über dem Umsatz im Jahr 2012. Mit 30 Milliarden erweise sich die Bosch-KFZ-Technik mit ihrem Schwerpunkt im Allgäu als „Wachstumslokomotive“, wie Johannes Lauterbach das Ergebnis auf den Punkt bringt. Auch für das laufende Jahr erkenne er „gute Rahmenbedingungen“. Bosch im Allgäu beschäftigt aktuell 3108 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der „leicht rückläufige Trend“, so Lauterbach, spiegelt sich auch bei der Zahl der Lehrlinge wider: nach 57 im Jahr 2013 wurden heuer 50 Azubis eingestellt, vor allem als Industrie-Mechaniker.

Stolz ist man bei der Immenstädter Bosch-Leitung auf das Qualifizierungsprogramm, mit dem un- oder angelernte Mitarbeiter zu Facharbeitern „gemacht“ werden. Erst kürzlich haben weitere acht Teilnehmer den Qualifizierungskurs erfolgreich abgeschlossen.

Und Bosch investiert weiter. Für das laufende Jahr sind 35,1 Milliarden veranschlagt – davon allein 26 Milliarden für den Bereich Fahrwerksysteme. „Wir profitieren als weltweit aktiver Zulieferer vom Wachstums in den USA und Asien“, erklärt Lauterbach.

Josef Gutsmiedl

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