Warnung vor Wildwuchs

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Sepp Agerer vom Landschaftspflegeverein will vor allem Nicht-Landwirt über den Wandel in der Kulturlandschaft informieren.

Bad Hindelang - Ohne die attraktive Kulturlandschaft des Allgäus kein Allgäu-Tourismus. Für Touristiker eine Binsenweisheit. Doch „von ungefähr“ kommt der Reiz der Region nicht. Die Land- und Alpwirtschaft prägen seit Generationen das Bild der Landschaft.

„Es geht nur miteinander“, stellte Sepp Agerer, der Vorsitzende des Landschaftspflegevereins Hindelang, fest und plädiert in seinem Vortrag „Kulturlandschaftswandel – eine Gefahr für unseren Tourismus?“ für mehr gesellschaftliche Akzeptanz der bäuerlichen Landwirtschaft.

„Es reichen ein paar Jahre, und der Wald holt sich nicht mehr gepflegte, nicht beweidete Alpwiesen zurück“, meint Sepp Agerer und deutet auf die Fotos, die den Wandel eindrucksvoll aufzeigen. Wo bis Mitte der 1980er Jahre große Flächen an Bergflanken völlig frei von Waldbäumen waren, hat sich inzwischen ein „ausgewachsener“ Wald breit gemacht. Es gehe zwar schleichend, aber doch sehr schnell mit dem Wandel.

Agerer will mit diesen Bildern zeigen: ohne die Arbeit der Landwirte, die auch schwierig zu bewirtschaftende Flächen nicht links liegen lassen, droht die Verbuschung und auf lange Sicht die Rückkehr des Waldes und damit ein grundlegender Wandel der Kulturlandschaft.

Das Problem für die Landwirtschaft sei dabei, dass die Freihaltung von Weide und auch Wegen bei Allgäubesuchern und Urlaubsgästen nicht immer gut ankomme, berichtet Sepp Agerer aus eigener Erfahrung. Da müsse man dann schon einmal erklären, warum man einen ehemaligen, fast zugewachsenen Viehtrieb wieder öffnen wolle. Landwirtschaftliche Arbeiten würden nicht immer „verstanden“, ja sogar mitunter als ausgesprochen störend empfunden.

Selbst mit den Behörden sei es mitunter nicht leicht. Was sich die Natur erst einmal zurückgeholt habe, könne nicht einfach wieder weggeräumt werden. Da sind dann Genehmigungsverfahren zu beachten. Und immer mehr bislang landwirtschaftlich genutzte Fläche sei in Hand von Nicht-Landwirten. „Wer schafft an, wer macht die Arbeit?“ deutet Landwirt Agerer den Konflikt an. „Was ist besser - 150 Hektar Bergweide oder 150 Hektar Wald?“ Vor 40 Jahren habe es im Ostrachtal noch fast viermal soviele Bauern gegeben wie heute mit knapp 70 aktiven Betrieben. Der Tourismus brauche die Kulturlandschaft, betont Agerer.

Die Marktgemeinde Hindelang fördert durch einen regelmäßigen Zuschuss die Arbeit des Landschafspflegevereins, der seinerseits den Stand der Bewirtschaftung des Jahres 2009 sichert. Agerer: „Diese Mittelbewilligung muss von der Bevölkerung im Tal mitgetragen werden.“ Der Verein müsse quasi als Gegenleistung zeigen, dass „etwas mit dem Geld geschieht“. Der Schulterschuss unter dem Dach des Vereins „Hindelang - Natur & Kultur“ funktioniere jedenfalls.

Für die Zukunft ergeben sich Agerer zufolge zwei Alternativen. Entweder eine Art „Freilichtmuseum“ mit Konservierung des jetzigen Zusatndes - aber ohne Entwicklungsmöglichkeiten. Oder den Dingen ihren Lauf lassen, ein „Weiter so“, das letztlich zum Verlust der Qualität führe und den Tourismus schwäche.

Ein Ziel des Vereins sei es folglich auch, Gesellschaft und Bauern zusammen zu bringen. „Wir müssen die Problematik des Wandels in der Kulturlandschaft nach außen tragen“, fordert Agerer. Dabei seien auch neue Wege gefragt. Vielleicht ließen sich Alpflächen etwa da und dort durch die weniger arbeitsintensive Beweidung mit Ziegen offen halten.

Josef Gutsmiedl

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