Nachhaltigkeit hat Zukunft

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Wenn ein Rädchen ausfällt, ist es aus mit dem perfekten Zusammenspiel. Dr. Ulrich Sauter erläutert das „Wunderwerk“ Wald: Eine perfekte „Maschine“ wenn sie rund läuft...

Bühl - In diesem Jahr erinnert die Forstwirtschaft besonders nachdrücklich an den Begriff der Nachhaltigkeit. Vor genau 300 Jahren wählte Hanns Carl von Carlowitz das Wort „nachhaltend“, um das Prinzip vorausschauenden Wirtschaftens zu beschreiben, das besagt, dass man nicht mehr verbrauchen darf als nachwächst.

Mit der Sonderausstellung „Jeder gewinnt: Nachhaltige Forstwirtschaft im Allgäu – Einsatz, der sich lohnt“ im AlpSeeHaus in Bühl zeigt die Bayerische Forstverwaltung in Zusammeenarbeit mit dem Naturpark Nagelfluhkette wie Nachhaltigkeit funktioniert. Am kommenden Sonntag, 20. Oktober, findet von 12 bis 17 Uhr ein Waldaktionstag im Naturparkzentrum statt. 

„Ein simples wie logisches Prinzip“, bringt Dr. Ulrich Sauter, Bereichsleiter Forsten am Landwirtschaftsamt Kempten, die 300 Jahre alte „Idee“ auf den Punkt. „Nicht mehr verbrauchen als nachwächst.“ Die Erfolgsgeschichte der Forstwirtschaft sei letztendlich die Erfolgsgeschichte der Nachhaltigkeit. Sauter: „Das ist eine einfache Erhaltungsregel und ein Generationenvertrag. Wir ernten Holz, das die Eltern oder Großeltern gepflanzt haben. Was wir anpflanzen, ernten die Kinder und Enkel. Im Guten wie im Schlechten.“ Das „Rezept“ der nachhaltigen Forstwirtschaft, das der Bergbau-Manager von Carlowitz in Sachsen vor 300 Jahren verfasste, entstand vor dem Hintergrund einer katastrophalen Holzarmut. Und seit jener Zeit ist Nachhaltigkeit mit der Forstwirtschaft verbunden. „Bis ins 19. Jahrhundert hinein war Holz praktisch der einzige Rohstoff zur Erzeugung von Wärmeenergie“, beschreibt Sauter die Rahmenbedingungen früherer Jahrhunderte. Aus Holz wurden nahezu alle Gebrauchsgegenstände hergestellt, kaum ein Handwerk konnte auf Holz verzichten und der Bergbau schon gar nicht. 

Das war im „Industriegebiet Oberallgäu“ nicht anders als in Sachsen. „Ganze Berghänge wurden damals kahl geschlagen, um die Energieversorgung aufrecht zu erhalten.“ Erst als die Steinkohle als Energieträger Einzug hielt, änderte sich dies. Im Allgäu gab es allerdings im Zuge der intensivierten Milchwirtschaft eine weitere Rodungswelle, bevor es auch hier zu einer Erholung der Wälder kam und großflächigen Wiederaufforstungen mit dem „Brotbaum“ Fichte. Das Ergebnis sei der „zuwachsoptimierte Nutzwald“, erläutert Sauter. 

Und heute? Die Vorteile der Fichte allein reichen nicht mehr. Vom Wald wird mehr verlangt: er soll schützen – etwa vor Erosion oder Lawinen, soll Rohstofflieferant und Lebensraum sein, Klima schützend wirken und als Erholungslandschaft dienen... Das Patentrezept der Fortwirtschaft lautet: standortgerechter Mischwald. „Wer den Wald von heute verstehen will, muss sich notgedrungen mit seiner Geschichte beschäftigen“, fasst Dr. Sauter seinen Streifzug durch die Wald- und Kulturgeschichte zusammen. Die Forstwissenschaft und die Forstwirtschaft zeigten, dass Nachhaltigkeit möglich sei. Aber: „Nachhaltigkeit ist kein Selbstläufer. Wir müssen uns jeden Tag darum bemühen.“ 

Die Ausstellung im AlpSeeHaus in Immenstadt-Bühl infomiert über die nachhaltige Forstwirtschaft im Allgäu und über die vielfältigen Zusammenhänge im und um den Lebensraum Wald. Informationen zur Ausstellung auch unter www.nagelfluhkette.info im Internet. Die Ausstellung ist täglich bis 31. Januar 2014 von 10 bis 17 Uhr geöffnet (in den Monaten November bis März ist das AlpSeeHaus samstags, sonntags und an Feiertagen geschlossen).

Josef Gutsmiedl

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