"Hoibat": Fotograf Christian Heumader zeigt im Kuhstall Bilder von der "Heuernte in Handarbeit"

"Dass es nicht einfach so verreckt"

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Christian Heumader will seine packenden Schwarzweiß-Fotos nicht nur zeigen, sondern damit zum Nachdenken anregen und Anstöße geben.

Immenstadt – Kunst und ein Stück Allgäuer Kulturgeschichte gibt es Allgäuer Bergbauernmuseum in Immenstadt-Diepolz jetzt im Kuhstall. Genauer gesagt: im ehemaligen Kuhstall des „Museumsbauern“ Richard Wiedemann. Hier zeigt der Bad Hindelanger Fotograf großformatige Bilder aus seinem Bildband „Hoibat“ Szenen aus der mühsamen Arbeit der Heuernte von Bergbauern im Ostrachtal.

Kaum ein besseres Thema hätte die Museums-Mannschaft finden können für die diesjährige Sonderausstellung als die lebensnahe Darstellung der Heuernte wie sie einst war, unterstrich der Vorsitzende des Vereins Bergbauernmuseum, Siegfried Zengerle, bei der Ausstellungseröffnung. Und auch kaum einen besseren Platz für rund zwei Dutzend großformatige Fotos aus dem Leben der Berg­bauern als den alten Kuhstall. Dieser war jetzt frei geworden, nachdem die „Museumskühe“ in einen neuen Laufstall umgezogen waren.

So lange ist es gar nicht her, dass der Fotograf seine Aufnahmen bei den Bergbauern im Ostrachtal bei Bad Hindelang machte. „Ich werde oft gefragt, gibt es das heute noch?“, sagt Christian Heumader. „Ja, das gibt es auch heute noch.“ Die Frage sei aber, wie lange noch, gibt er zu bedenken. Vieles verschwinde aus dem Blickfeld und den Leben der Bergbauern, nicht zuletzt altes Handwerk, alte Traditionen, meint Heumader. Lieber als diese nostalgischen Szenen auf Fotos zu dokumentieren sei es ihm aber, wenn diese alte traditionellen Tätigkeiten im Bauernjahr „zu verhebe“, zu erhalten wären, im Alltag der bäuerlichen Land- und Alpwirtschaft. „Eine wichtige Aufgabe. Wir sollten es versuchen.“

Heumaders Blick in die beschwerliche Heuwerbung in den 1980er und 1990er Jahre zeigt etwa ganze Familien „mit Kind und Kegel“ beim Mähen, Rechen, Heinzen... Oft in Steillagen, die selbst mit Spezialmaschinen nicht zu bearbeiten sind. Und einige (wenige) Bergbauern verrichten diese Arbeit heute noch fast genauso wie der Vater und der Großvater. Heumader: „Wenn wir diese Landschaft, die Kulturlandschaft so erhalten wollen, müssen die Bauern, die diese Arbeit leisten, besser bezahlt werden.“ Subventionen seien zwar wichtig und durchaus gerechtfertigt, findet Heumader. Doch es fehle gemeinhin die öffentliche Anerkennung und Wertschätzung der Leistungen. Das Höfesterben gehe weiter; meist leise, wenn der Hofnachfolger erkenne: so kann es nicht weiter gehen, so kann ich nicht weiter machen. „Es ist ewig schade, wenn es einfach so verreckt“, bringt Christian Heumader die Entwicklung auf den Punkt. Auswege? Heumader wünscht sich zum Beispiel, dass der Wert der Heumilch, der Preis für diese Spezialmilch, sich deutlicher von der „Normalmilch“ abhebe. „Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung“, sagt Heumader und ergänzt: „Ich hoffe, dass diese Ausstellung dazu beiträgt, einen Anstoß zu geben...“ Heumader ist keiner der das Bild des Bergbauern romantisiert oder in die idyllische Ecke stellt. Er war 25 Jahre Alphirte und kennt den Knochenjob „Hoibat“ von beiden Seiten – vor und hinter der Kamera.

Am Internationaler Museumstag, am Sonntag, 22. Mai, heißt es ab 10 Uhr: Hoibat im Museum! Was sind Schwedenreiter? Wie wird mit der Sense gemäht und was muss man beim Dengeln beachten? Gezeigt wird an diesem „Heutag“ auch die Heuernte mit Pferd und Wagen und wie man Heinzen herstellt.

Das Allgäuer Bergbauernmuseum und die Ausstellung „Hoibat“ sind bis einschließlich 6. November täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Christian Heumader/Josef Schmid, Hoibat, 207 Seiten mit 228 s/w-Fotos, 39 Euro, Berg-Weg-Verlag, ISBN 978-3-00-034012-3.

Josef Gutsmiedl

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