"Wahnsinnig gern unterrichtet"

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Freuten sich über das große Interesse der 150 Vernissage-Besucher der 8. GZI-Kunstausstellung (von links): Anton Klotz, stellvertretender Landrat und Aufsichtsratsmitglied des Klinikverbunds Kempten Oberallgäu, Franz Meier und Michael Osberghaus, Geschäftsführer des Klinikverbunds.

Immenstadt – Mit feinem schwarzem Strich ist das Häuschen gezeichnet, umgeben von vielastigen Bäumen. Flächig und farbig präsentiert sich die „Überwachung“: Fotografen mit schwach konturierten ernsten Gesichtern zücken ihre Kameras, manche halten wie erschrocken die Hand vor den Mund.

Zwischen beiden Bildern liegen 62 Jahre. Die „Hütte mit alten Bäumen“ schuf der Sonthofer Maler Franz Meier im Alter von 18 Jahren. Die „Überwachung“, brennend aktuell vor dem Hintergrund der skandalträchtigen Ausspähungen durch Geheimdienste, entstand in diesem Jahr. Bis zum 1. Dezember sind 62 Beispiele aus dem Schaffensleben des Künstlers im Gesundheitszentrum in Immenstadt (GZI) ausgestellt. Anlass für die „Rückschau“: Im Oktober wird Meier 80 Jahre alt. 

Als „Retrospektive“ möchte der Maler die Ausstellung nicht bezeichnen: „Da bist du ja schon im Grab.“ Die „Rückschau“ gefällt im besser, obwohl er während der Vorbereitungsphase das „Erleben des eigenen Lebens“ als einen „wahnsinnigen Stress“ empfunden hat. „Das ist wie ein Abschiednehmen“, sagt er. Aber er ist dem Klinikverbund Kempten-Oberallgäu dankbar für die Chance, seine Werke im GZI neben der Klinik Immenstadt zu zeigen. Bereits zum achten Mal hat sich das Gebäude mit dem großen Lichthof in eine Galerie verwandelt, zum ersten Mal ist auf allen vier Ebenen nur ein Künstler vertreten. Das GZI sei eben mehr als eine „Wohnstatt für Praxen“, meinte Kliniken-Geschäftsführer Michael Osberghaus bei der Vernissage, die er musikalisch auf der Violine begleitete. Das Haus biete auch Raum für Begegnungen. Für den Verbund sei es Ehre und Auszeichnung zugleich, das Werk von Franz Meier vorstellen zu dürfen. 

Meier, in Kempten geboren und in Landsberg aufgewachsen, besuchte nach dem Abitur die Akademie der Bildenden Künste in München, bevor er 35 Jahre lang als Kunsterzieher an Gymnasien in München, Oberstdorf und Sonthofen tätig war. Er habe „wahnsinnig gern unterrichtet“, sagt Meier heute. „Er diente der Kunst, indem er sie jungen Menschen nahe bringen wollte“, betonte Gunther le Maire, Maler und Kunstkenner aus Immenstadt, in seiner Laudatio. Le Maire zeichnete ein respektvolles Bild des Künstlers. „Bequem war Meier nie.“ Diese „undiplomatische Geradlinigkeit“ spiegele sich auch in seinen Bildern. Er habe den sehr schwierigen Weg gewählt, „in seiner Malerei immer wirklich eigenständig zu sein“. Die Vielseitigkeit zeigen im GZI die vor etwa zehn Jahren entstandenen großformatigen malerisch unverhüllten Männerakte, aber auch das 2008 gemalte Ölbild „Öffentliches Schauen“: eine düstere, bedrohlich wirkende gesichtslose Menschenmasse. Daneben gibt es berührende Frauenporträts, realistisch anmutende und hintergründige „Fußball“-Bilder, Wolkenimpressionen mit und ohne strukturierende weiße Flugzeugspuren. 

Die Ausstellung im GZI ist bis zum 1. Dezember ganztägig von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

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