Bergmesse am Jägerdenkmal

Das Jägerdenkmal auf dem Grünten wurde vor 85 Jahren eingeweiht. Foto: privat

Am 8. und 9. September findet der traditionelle „Grüntentag“ statt. Mit dieser Veranstaltung wird seit über 60 Jahren an die schrecklichen Folgen von Gewalt, Terror und Kriegen erinnert. Insbesondere wird der Gebirgssoldaten aller Nationen gedacht, die in den beiden Weltkriegen gefallen, ihren Verwundungen erlegen, in Kriegsgefangenschaft verstorben oder aber durch Kriegsverbrechen ums Leben gekommen sind. Auch die Soldaten der Bundeswehr, die im Einsatz für Frieden und Freiheit ums Leben gekommen oder bei Auslandseinsätzen gefallen sind, sind in das traditionelle Gedenken einbezogen.

Die zentrale Veranstaltung findet wie immer am Jägerdenkmal auf dem Grünten statt. Mit diesem Denkmal ist den Gefallenen des Jägerregiments 3 aus dem Ersten Weltkrieg, der Gebirgstruppe der Wehrmacht und den Toten sowie Gefallenen der Bundeswehr ein würdiges Mahnmal gesetzt. Die Planungsarbeiten für dieses Denkmal begannen vor nunmehr 90 Jahren unter Leitung des Münchner Architekten Bruno Biehler. Die gestalterische Idee ist der so genannten Tschorte, einem Sakralbau aus Tibet, nachempfunden.1924 wurde es fertig gestellt. Am 14. August 1927, also vor 85 Jahren, fand die Einweihung der Krypta statt. Renommierte Künstler der damaligen Zeit gestalteten die Krypta für die 3.000 Toten des Jägerregiments 3: die Bildhauer Leipold (Namenstafeln), Eberle (Relief Jäger mit Tod) und Knappe (Fries marschierender Jäger) sowie der Kunstmaler Dreißer (Ausmalung der Kuppel). Mit den Namenstafeln gab man den Gefallenen ein Gesicht. Geldmangel war der Grund dafür, dass die Tafeln und das Fries zunächst lediglich in Terrakotta ausgeführt werden konnten. Bereits nach fünf Jahren mussten sie jedoch wegen Verwitterung durch die noch heute vorhandenen Bronzetafeln ersetzt werden. Zahlreiche Abordnungen von Soldatenverbänden aus dem In- und Ausland, wie z.B. Italien und Österreich, werden zum Grüntentag mit ihren Fahnen erwartet. Bereits seit 2002 nimmt regelmäßig eine Delegation der Vereinigung der italienischen Gebirgssoldaten (Alpini) am Grüntentag teil, ein Zeichen praktizierter Versöhnung, denn Alpini und deutsche Gebirgssoldaten kämpften in den beiden Weltkriegen gegeneinander. Im Ersten Weltkrieg fanden die Kämpfe zunächst 1915 an der Dolomitenfront und schließlich 1917 am Isonzo-Fluss statt. Im Zweiten Weltkrieg kämpften Italiener und Deutsche zunächst als Verbündete. Nach dem Seitenwechsel der Italiener 1943 kam es dann allerdings zu teils heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Gebirgssoldaten der beiden Länder. Abordnungen der Gebirgstruppe der Bundeswehr werden am Grüntentag ebenfalls wieder teilnehmen. Auch dies ist bereits Tradition. Seit nunmehr 55 Jahren legen Vertreter der Bundeswehr am Jägerdenkmal bei diesem Anlass Kränze nieder. Für die Umrahmung der Gedenkfeier auf dem Grünten, die bei jedem Wetter stattfindet, sorgen die Musikkapelle Rettenberg, die Alphornbläser aus Burgberg und die Oberallgäuer Feuerschützen. Die Truppen- und Gebirgsjägerkameradschaft „Grünten“, die 2012 ihr 25-jähriges Bestehen feiern kann, lädt alle ehemaligen sowie aktiven Soldaten und Reservisten mit ihren Angehörigen und Bekannten, aber auch alle Mitbürger ein, möglichst zahlreich am „Grüntentag 2012“ teilzunehmen, um der unermesslichen Opfer von Krieg und Gewalt zu gedenken und um ein Zeichen gegen das Vergessen und für den Frieden zu setzen. Am Samstag, 8. September, findet um17 Uhr eine Gedenkfeier am Gemeinschaftskreuz im Sonthofener Friedhof statt, amSonntag, 9. September, um 10.30 Uhr die traditionelle Bergmesse und Gedenkveranstaltung am Jägerdenkmal auf dem Grünten (bei jeder Witterung!). Die Gedenkansprache hält der Kommandeur des Gebirgssanitätsregiments 42 „Allgäu“, Oberfeldarzt Dr. Frank Hengstermann, aus Kempten. Zeitgleich (um 10.30 Uhr) findet die Gedenkmesse in der Pfarrkirche St. Michael in Sonthofen statt, mit anschließend Kranzniederlegung an der Ölbergkapelle. Ein Kameradschaftsnachmittag im Haus Oberallgäu in Sonthofen ab 14 Uhr rundet den Grüntentag schließlich ab.

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