Großer Handlungsbedarf

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In Balderschwang hat der Schutzwald eine besondere Bedeutung, da der Ort unmittelbar bis an die Steilhänge reicht.

Balderschwang - Im Projektgebiet Balderschwang der Bergwaldoffensive (BWO) fand ein „Erfahrungsaustausch Schutzwald“ statt. Vor rund 40 Forstfachleuten berichteten Schutzwald-Fachleute über die Bergwaldoffensive. Sie zeigten, wie die BWO in der Praxis funktioniert und wo sie noch besser werden will.

Der Kerngedanke der Bergwaldoffensive ziele darauf ab, von der bekannten Sanierungsarbeit im Schutzwald weg zu kommen und mit vorbeugendem Einsatz den Bergwald in seinen Funktionen „fit“ zu machen, skizzierte Klaus Dinser, der langjährige Schutzwald-Manager am Landwirtschaftsamt in Kempten, die Marschrichtung der BWO. „Vom Reparaturbetrieb weg, hin zum zukunftstauglichen Bergmischwald.“ 

Das „Fitnessprogramm“ für den Wald steht und fällt mit der Mitarbeit der Betroffenen. Dies sei einerseits das Problem der BWO, andererseits eine Chance, die Akzeptanz der Maßnahmen zu sichern. Die Bergwaldoffensive verlangt die Mitarbeit der Waldbesitzer, zumindest eine Form der „Duldung“ der Arbeiten, die die BWO anstößt. 

Ohne Freiwilligkeit geht nichts. Schützenhilfe erfährt die BWO nicht zuletzt seitens der Waldbesitzervereinigungen oder anderer Forstlicher Zusammenschlüsse. „Unsere Arbeit spielt diesen Organisationen in die Karten“, sagt Dinser. 

„Die Waldbesitzer zeigen sich sehr interessiert an den Maßnahmen“, berichtet Dinser weiter. Die BWO ermögliche durch ihren Einsatz erst die notwenige Pflege oder Nutzung der oft kleinen Waldparzellen. Mit frühzeitiger Einbeziehung aller Beteiligten in Runden Tischen und im Beirat der BWO wird jede Maßnahme vorbereitet und eine Zielbestimmung vorgenommen. Ausgemacht im Oberallgäu wurden anfangs 40 Projektgebiete. Letztlich ging es mit der BWO in acht besonders vordringlichen Projektgebieten los. Im vergangenen Herbst wurden drei weitere Gebiete nachgeschoben. 

 „Die Waldgesinnung fördern“, sei ein zentrales Anliegen der BWO, unterstreicht Dinser. Sprich: die vielen Waldbesitzer für ihren Wald zu interessieren und Pflege- und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen. 

Das Thema Wald und Wild im Zeichen der BWO interessierte die Gäste des Erfahrungsaustauschs in Balderschwang besonders. Für jedes Oberallgäuer Projektgebiet sei ein eigenes Jagdkonzept entwickelt worden, erklärt Klaus Dinser weiter. „Unbeeinflusst und von einem externen Gutachter.“ 

Ohne Geld läuft die beste Offensive nicht. Die Finanzierung der Bergwaldoffensive ist derzeit bis Ende 2013 gesichert. „Wenn das Geld ausbleibt, gibt es keine Maßnahmen und keine Erfolgskontrolle“, betont Dr. Ulrich Sauter, Bereichsleiter Forsten am Landwirtschaftsamt Kempten. „Aber es gibt auch keine Alternative.“ 

Revierförster Andreas Fisel erläuterte den Fachleuten das Projektgebiet Balderschwang. Mehr als drei Viertel der Waldfläche sind als Schutzwald ausgewiesen und der Ort ist auf den Lawinenschutz angewiesen. Der Objektschutz habe absolute Priorität. „Hoher Handlungsbedarf“, bringt Fisel die Lage auf den Punkt, zumal der in den 1950er Jahren angelegte Schutzwald „fit gemacht“ werden müsse. Eine Einschätzung, die das internationale Expertengremium bei einer mehrstündigen Begehung des Objektschutzwaldes oberhalb der Ortschaft einhellig teilte. 

Aufgrund des hohen Verbissdruckes sei über einen langen Zeitraum die notwendige Erneuerung des Schutzwaldes durch eine Verjüngung mit Weißtannen ausgeblieben, ergab der Ortstermin. Es liege nun an einer „konsequent am Waldzustand orientierten Bejagung“, innerhalb der nächsten zwanzig Jahre für diese dringend notwendige Walderneuerung zu sorgen. Die sehr augenfällige Schutzfunktion des Bergwaldes vor Steinschlag und Lawinen direkt oberhalb der Ortschaft dränge zur Eile, so die Bergwaldexperten nach der Exkursion.

Josef Gutsmiedl

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