Besuch aus der "alten Heimat"

Mit einem Festakt in der Emmich-Cambrai-Kaserne in Hannover wurde ein neues Kapitel in der Geschichte der Schule für Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr aufgeschlagen. Die Schule nimmt damit offiziell ihren Ausbildungs- und Lehrbetrieb am Standort Hannover auf, nachdem sie 53 Jahre lang in der Generaloberst-Beck-Kaserne in Sonthofen beheimatet war. Eine Delegation aus Sonthofen und dem Oberallgäu - darunter Landrat Gebhard Kaiser und Sonthofens Bürgermeister Hubert Buhl - vertrat die „alte Heimat“ der Feldjägerschule beim Neubeginn in der „neuen Heimat“. Nach dem Kraftakt des Umzugs soll die Bildungseinrichtung der Streitkräfte und ihre Soldaten und Mitarbeiter in Niedersachsen Wurzel schlagen, so der Tenor der Festreden.

Über die „Landung“ seiner Schule konnte sich der Kommandeur der Schule für Feldjäger und Stabsdienst, Oberst Hubert Katz, jedenfalls nicht beklagen. „Die Schule hat in Hannover eingeschlagen wie eine Bombe - rundum positiv!“ freut sich der Oberst. Ein unvergleichlicher Empfang sei es gewesen - nicht nur von offizieller Seite durch die Stadt und das Bundesland Niedersachsen, sondern auch von der Bevölkerung. Katz: „Die Menschen kommen auf uns zu.“ Stolz verweist der Kommandeur auf das Echo der lokalen und regionalen Medien: Mehr als eine ganze Seite widmete etwa die renommierte Hannoversche Allgemeine Zeitung der Schule und ihren Aufgaben. Eingezogen ist die Schule in der Emmich-Cambrai-Kaserne am Stadtrand der Landeshauptstadt Hannover schon im Sommer. Dass da und dort „noch Kleinigkeiten“ fehlen, räumt Oberst Katz ein, als er die Delegation der Behördenleiter aus dem Oberallgäu beim Besuch in der Kaserne begrüßt. Der Schulkommandeur zählt 38 große und kleine Baustellen. Aber bald schon werde man davon nichts mehr sehen. Auch ein eigenes „Sonthofen-Haus“ soll es geben. Hier wird die Geschichte der Feldjägerschule an ihrem bisherigen Standort Sonthofen dokumentiert und die Militärgeschichtliche Sammlung der Feldjägertruppe Platz finden. Maßgeschneidert Rund 80 Millionen Euro hat der Bund investiert, um die ehemalige Offiziersschule des Heeres in Hannover zu einem der modernsten militärischen Ausbildungszentren Europas zu machen. Der Ausbildungsbetrieb ist bereits angelaufen und wird Schritt für Schritt ausgebaut. Die tägliche Ausbildungskapazität soll schon im nächsten Jahr bei 1400 Plätzen liegen. Rund 7000 Lehrgangsteilnehmer werden pro Jahr erwartet. „Hier lässt es sich gut ausbilden und arbeiten“, so das erste Fazit des Kommandeurs. „Maßgeschneidert für die Belange der Feldjägertruppe.“ Das „Schießkino“ läuft bereits. Mit einer hochmodernen , wetterunabhängigen Raumschießanlage können typische Einsatzsituationen realitätsnah geübt werden, etwa Geiselbefreiungen. Geschossen wird bei solchen Trainingsläufen mit echter Munition... Gleich nebenan dient das ehemalige Heizkraftwerk als Übungsgelände für eine Industrieanlage. „Die Ausbildung soll den Einsatzbedingungen der Feldjäger möglichst nahe kommen“, erläutert Oberstabsfeldwebel Andreas Sauerländer beim Rundgang. Deshalb werden auch „Stresselemente“ verwendet: Lärm, Lichteffekte zum Beispiel. Kripo-Arbeit Anhand von Videoaufzeichnungen kann der Einsatz anschließend detailliert nachbearbeitet werden. Jeder einzelne Moment eines Szenarios lässt sich so gemeinsam mit den Akteuren auswerten. Im Ernstfall müsse alles sitzen, da sei keine Zeit für lange Abwägungen, so Sauerländer. In weiteren Gebäuden sind spezielle „Handlungstrainer“ untergebracht, sprich: Szenarien, die im Einsatzalltag der Feldjäger möglich sind. Hier erwerben die Militärpolizisten das Rüstzeug für ihre Arbeit - Aufgaben, die der Polizeiarbeit durchaus ähnlich sind. Spurensicherung am Tatort, Auswertung von Spuren oder Proben im Labor, Sammeln möglicher Beweise. In Afghanistan gehöre diese Arbeit und die Ausbildung der einheimischen Polizeikräfte schon zum Tagesgeschäft der Feldjäger. Umso wichtiger sei die fundierte Ausbildung, betont Oberst Katz. Auf Achse Zum Berufsalltag vieler Feldjäger, die in Sonthofen eingepackt haben, um in Hannover ihren Arbeitsplatz zu finden, gehört inzwischen die Wochenendheimfahrt. Auch Andreas Sauerländer gehört zu den Soldaten, die jeden Freitagnachmittag eine mehr als sechsstündige Fahrt auf der Autobahn A7 antreten und nach Hause fahren - ins Allgäu, zur Familie. In einer Fahrgemeinschaft lasse sich das „ganz gut“ bewerkstelligen, „vorerst mal“. Als Dauerzustand kann sich Sauerländer das Hin und Her zwischen Bad Hindelang und Hannover allerdings nicht vorstellen. Andere Kameraden, die ihre Pensionierung quasi schon vor Augen haben, wollen die drei, vier Jahre als Pendler durchhalten. Fast 400 zivile Mitarbeiter und Bundeswehrangehörige sind nach Hannover umgezogen. Keulenschlag Beim Festakt in der Emmich-Cambrai-Kaserne erinnerten der Oberallgäuer Landrat Gebhard Kaiser und Sonthofens Bürgermeister Hubert Buhl an die lange Tradition der Feldjägerschule in Sonthofen und den „schmerzlichen Verlust“, den die Verlegung für die Region und ihre Menschen bedeute. „Es hat uns getroffen wie ein Keulenschlag.“ Kaiser erinnerte noch einmal an die jahrelangen Bemühungen um den Erhalt der Schule. „Die Schule war eine große Bereicherung für unsere Region und tief in der Zivilbevölkerung verankert“, sagte der Oberallgäuer Landrat. Für Sonthofen sei das Aus für die Feldjägerschule am Standort „ein schmerzlicher Einschnitt“, so Bürgermeister Hubert Buhl. Er hoffe, dass die guten Kontakte weiter gepflegt würden, auch wenn die Schule jetzt aus dem Mittelpunkt Europas, nämlich Sonthofen, gerückt sei. Einen ersten Gruß aus der „alten Heimat“ überbrachten die Alphornbläser aus Memhölz, die den Festakt eindrucksvoll abrundeten. Eine musikalische Erinnerung an die gute Zusammenarbeit, nicht zuletzt bei den Musikfestivals der Euregio via salina, wo sich die Feldjägerschule stets als verlässlicher, unbürokratischer Partner erwiesen habe, wie Euregio-Präsident Kaiser anmerkte. Die Alphorn-Gruppe hatte auch beim Abschiedsappell in der „Burg“ mitgewirkt. In seinem Gepäck hatte Kaiser schließlich reichlich Bergkäse aus dem Oberallgäu, der nach dem Festakt von den Gästen direkt vom Laib „verputzt“ wurde. „Jetzt ist der Käse gegessen“, zog Schulkommandeur Katz einen kulinarischen Schlussstrich unter den Umzug der Schule. Die Stadt Hannover und das Land Niedersachsen, so versicherte der Innenminister des Bundeslandes, Uwe Schünemann, wollten „alles daran setzen, dass der neue Standort zur Heimat wird“. Ganz ähnlich begrüßte Hannovers Oberbürgermeister, Stephan Weil, die Feldjäger: „Sehen Sie Hannover als Ihre neue Heimat. Machen Sie sich breit - machen Sie mit! Herzlich willkommen!“

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