Mit viel Herzblut

+
Jubilar Hugo Lochbihler (Mitte) mit der Geschäftsführerin der Oberallgäuer Betriebshelfer-Station, Carolin Reihn (rechts) und Einsatzleiter Ludwig Mayr (links).

Oberallgäu - Mundpropaganda ist die beste Werbung, heißt es. Für den langjährigen Betriebshelfer Hugo Lochbihler scheint das jedenfalls zuzutreffen.

Immer wieder wird der 61-Jährige „angefordert“, um einen bäuerlichen Familienbetrieb am Laufen zu halten, wenn auf dem Hof der „Chef“ wegen Krankheit oder anderer Gründe eine Zeitlang ausfällt. Jetzt konnte Hugo Lochbihler sein 40-jähriges Dienstjubiläum als bäuerlicher Betriebshelfer feiern. 

„Der Hugo soll kommen“, heiße es nur allzu oft, berichtete Ludwig Mayr, der die Einsätze der Oberallgäuer Betriebshelfer seit vielen Jahren koordiniert. Das könne er zwar nicht immer garantieren – auch die anderen „mobilen Bauern für den Notfall“ seien Top-Leute – aber Hugo Lochbihler, betont Mayr, sei nun einmal „ein gefragter Mann“. „Den Laden am Laufen halten“, heißt auf einem Allgäuer Bauernhof mehr als ein paar Schalter umlegen. Milchviehhaltung bedeutet zweimal am Tag Misten, Füttern, Melken... Je nach Jahreszeit Mähen, Heuernte und anderes mehr. Wenn da der Betriebsleiter, der Bauer, für einige Tage oder Wochen ausfällt, dürfen „die Lichter“ nicht ausgehen. 

Deshalb gibt es die Betriebshelfer-Organisation in Bayern. Und Lochbihler ist seit 40 Jahren mit im Boot. Seine Leidenschaft für die Bauernarbeit habe er schon als Jugendlicher entdeckt. Auf einem Bauernhof bei Rettenberg aufgewachsen als jüngstes von fünf Geschwistern war Hugo Lochbihler nicht der Nachfolger auf dem Hof. „Ich habe oft in der Nachbarschaft ausgeholfen und angepackt“, erinnert sich der 61-Jährige, der eine landwirtschaftliche Lehre absolvierte und später die Meisterprüfung ablegte. Dann ergab sich ein erster „Notfalleinsatz“, als er im Westallgäu Dauerhelfer wurde auf einem Hof. „Da war ich halt der Knecht“, so Lochbihler. Das war schließlich der Sprung ins „Profilager“ der Betriebshelfer. 

Die Erfahrung zähle, meint Lochbihler. Der Betrieb müsse laufen. Mit viel Gelassenheit gehe er an die Arbeit, und der Bereitschaft, sich immer wieder auf Neues einzulassen. Es sei auch schon vorgekommen, dass er nach vielen Jahren wieder auf einen Hof kam, wo er schon für den Vater des heutigen Betriebsleiters einspringen musste. 

In 40 Berufsjahren hat sich auf den Höfen viel getan. Der alte Bulldog wurde vom High-Tec-Traktor abgelöst. Stall- und Melktechnik haben sich geändert. Regelmäßige Schulungen gehören für die Betriebshelfer zum Berufsalltag. „Man muss schnell klarkommen mit den Menschen, aber auch der Technik und den Maschinen auf den Betrieben“, sagt Lochbihler. „Aber letztlich ist es die Erfahrung aus vielen Einsätzen in vielen Berufsjahren.“ Mit Fingerspitzengefühl, Einfühlungsvermögen – und Einsatzfreude gehe er in jeden Einsatz. „Fast alle sind dankbar. Das gibt viel zurück“, meint Lochbihler. 

Inzwischen hat der Landwirt aus Leidenschaft längst selbst eine kleine Landwirtschaft, die er mit seiner Familie „umtreibt“. Überschaubar und zweckmäßig. Sein „Hobby“ sei die Bauernarbeit aber nicht, betont Lochbihler, auch wenn er seine Arbeit liebe. Hobby seien Berg- und Radtouren. An die Rente denkt er nicht.

Josef Gutsmiedl

Meistgelesene Artikel

Sonthofen und die Bundeswehr: eine fruchtbare "Ehe"

Sonthofen – Traditionell laden die Stadt Sonthofen und die Bundeswehr zum gemeinsamen Neujahrsempfang. Schließlich, so 1. Bürgermeister Christian …
Sonthofen und die Bundeswehr: eine fruchtbare "Ehe"

Neujahrsempfang der Sonthofer SPD: Kampf dem Populismus

Sonthofen – Für eine starke Demokratie, gegen populistische Strömungen sprach sich der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, …
Neujahrsempfang der Sonthofer SPD: Kampf dem Populismus

Gut-bürgerlich auf italienisch

Ofterschwang – „Gutes vom Dorf“ gibt es jetzt auch als original italienische Pizza! Das Restaurant im Ofterschwanger Haus – direkt an der …
Gut-bürgerlich auf italienisch

Kommentare