Blaichach: Freiwillige Feuerwehr und Werkfeuerwehr Bosch feiern Jubiläum

Feuerwehr-Duett in Blaichach

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Auszeichnung für verdiente Feuerwehrler. Mit dem Ehrenzeichen in Silber für 25 Jahre aktiven Feuerwehrdienst zeichneten der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz (rechts), Johannes Engel (von links) und Kommandant Ralph Appelt die Feuerwehrkameraden Frank Möslang, Georg Hangl und Günther Schöner aus; dahinte in der Bildmitte Kreisbrandrat Michael Seger.

Blaichach – Zwei Feuerwehren, ein Jubiläum. Gemeinsam feierten die Freiwillige Feuerwehr Blaichach und die Werkfeuerwehr Bosch Blaichach ihre Gründungen vor 150 und 125 Jahren. Der Festabend ließ die Geschichte der beiden Feuerwehren Revue passieren. Der große Umzug am Sonntag fiel buchstäblich ins Wasser und musste wegen heftiger Regenfälle abgesagt werden.

Eine Art Keimzelle beider Feuerwehren waren vor mehr als 150 Jahren die Blaichacher Turner. In Blaichach war es in jener Zeit wie fast überall: die neu gegründeten Sportvereine übernahmen auch den Feuerlöschdienst in den Orten. Die „Zeitreise“ durch die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Blaichach und der „Fabrikfeuerwehr“ – präsentiert von den Kommandanten und Vorständen der beiden Jubiläumsfeuerwehren – zeigte auch allgemeine Feuerwehrgeschichte und -entwicklung im Oberallgäu.

„Die Feuerwehren leisten enormes ehrenamtliches Engagement für unsere Gesellschaft – und besonders für Blaichach“, würdigte der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz die Einsatzbereitschaft und Schlagkraft aller Freiwilligen Feuerwehren beispielhaft an den beiden „Jubilaren“. Blaichach habe gleich zwei schlagkräftige Wehren. Es seien „verantwortungsbewusste, motivierte und teamfähige Menschen“, die sich in den Dienst der Gemeinschaft stellten. „Das ist gelebte Nächstenliebe“, so Klotz, der für beide Feuerwehren eine Spende für die Vereinskasse dabei hatte – jeweils einen Euro pro Jahr seit der Gründung.

1866 gründete sich in Blaichach aus dem Turnverein die Freiwillige Feuerwehr als Turn- und Feuerwehrverein. „Natürlich gab es schon vorher eine organisierte Feuerwehrgruppe im Ort“, räumt Vorstand Johannes Engel ein. Mit der Ansiedlung eines großen Industriebbetriebes, einer mechanischen Spinnerei, Mitte des 19. Jahrhunderts nahm die Einwohnerzahl rasch zu; viele Wohnhäuser wurden gebaut. Zum ersten Jubiläum, dem damals 25-jährigen Bestehen, wurde ein Mannschaftsfoto angefertigt und eine Fahne angeschafft, die bis heute erhalten ist. In diesem Jahr wurde die eigene Fabrikfeuerwehr für die ortsansässigen Spinnerei aufgestellt – als sogenannte „2. Kompanie“ neben der 1. Kompanie, die vorrangig für die Gemeinde zuständig war. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte die endgültige Ausgliederung der Fabrikfeuerwehr aus der Freiwilligen Feuerwehr Blaichach. Diese wiederum war in den 1930er Jahren aus dem Turnverein herausgelöst worden. Heute hat die Feuerwehr Blaichach 58 Aktive und eine stattliche hochmotivierte Jugendfeuerwehr.

Was für die Gemeinde gelte, gelte auch für das Unternehmen Bosch in Blaichach: die Zusammenarbeit klappe hervorragend, bestätigten die beiden Werkleiter von Bosch, Ruppert Hoellbacher und Johannes Lauterbach. Rund zwei Millionen Euro habe Bosch in den vergangenen Jahren in seine Feuerwehr – 44 Aktive und 42 ehrenamtliche Feuerwehrler kann Bosch aufbieten – investiert mit Ausbildung, Fahrzeuge und Ausstattung. „In drei Minuten sind unsere Leute an jeder Stelle im Werk“, beschreibt Hoellbacher die Schlagkraft der Feuerwehr-Mannschaft. „Darauf sind wir stolz.“ Und Bosch im Allgäu ist einer der wenigen Industriebetriebe in Bayern, die selbst Berufsfeuerwehrleute ausbilden.

Die Anforderungen an die Feuerwehren haben sich verändert. Das zeigte die „Zeitreise“ mit ihrem Blick auf die jüngsten Jahrzehnte. Die Kübelspritze von früher habe ausgedient, so Kreisbrandrat Michael Seger, heute sei hochtechnisierte Ausrüstung und gute Ausbildung Trumpf und unbedingte Voraussetzung. Und dass in den 1970er Jahren schon einmal ein ausgedientes Auto kurzerhand angezündet wurde, um die Bekämpfung eines PKW-Brandes zu üben, belegte ebenfalls ein Foto aus dem Archiv der Blaichacher Feuerwehr. Andere „Erinnerungsfotos“ lenkten den Blick auf mehrere große Brände im Ort und in der Umgebung und auf die verheerenden Hochwasserereignisse.

Mehrere verdiente Feuerwehrmitglieder wurden während des Festabends für ihren langjährigen aktiven Dienst gewürdigt. Mit Eduard Pulfer wurde ein „50-Jähriger“ für seine Verdienste und seine Treue zur Feuerwehr zum Ehrenmitglied ernannt. „Kein Beitrag mehr...“, kommentierte Ralph Appelt den Nebeneffekt dieser „Beförderung.

Jubiläum der Feuerwehren in Blaichach

Josef Gutsmiedl

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