Bergbahnen in Ofterschwang und Bolsterlang modernisiert

Schnellzug auf den Gipfel

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Die Geschäftsführer Hanspeter Schratt (links) und Rainer Hartmann sind zufrieden mit dem Start der neuen Kabinenbahn in Gunzesried.

Ofterschwang / Bolsterlang - Die Bergbahnen Ofterschwang/Gunzesried und Bolsterlang haben im vergangenen Jahr kräftig investiert in Modernisierungen und neue Anlagen. Gut vier Wochen nach dem Saisonauftakt zogen Betreiber und Touristiker der Hörnerdörfer eine erste Bilanz.

Gerade der bislang milde Winter zeige, dass man aufs richtige Pferd gesetzt habe mit den Investitionen von kanpp 25 Millionen Euro. „Unsere Hoffnungen wurden erfüllt“, bringt Hanspeter Schratt, der Geschäftsführer der Bergbahnen Ofterschwang / Gunzesried, seine erste Einschätzung auf den Punkt. „Ein sensationeller Dezember.“ Sein Kollege Rainer Hartmann nennt eine Umsatzsteigerung von 69 Prozent während der ersten 34 Betriebstage. 

Insgesamt sehe es ganz so aus, als könnte das gesteckte Ziel einer Umsatzsteigerung von 25 Prozent erreicht werden. Schratt rechnet allerdings nach dem ersten großen Schub um die Weihnachtsferien mit einem „Dämpfer“ im Februar: „Da wird’s weniger sein.“ Auch Wilfried Tüchler von der Hörnerbahn Bolsterlang verweist auf ein Plus, das er vor allem der neuen Weiherkopfbahn zuschreibt. „Wir haben die Gästezahlen zumindest gehalten.“ Besser wäre die Zwischenbilanz ausgefallen, wenn die neue Beschneiungsanlage rechtzeitig vor Saisonbeginn hätte eingesetzt werden können, meint Tüchler. „Das war nicht perfekt.“ 

Grund für eine erste Zwischenbilanz haben beide Bergbahnen: Im vergangenen Jahr wurden 24,5 Millionen Euro in moderne Liftanlagen, Komfort und Sicherheit gesteckt - etwa ein Drittel in Bolsterlang, zwei Drittel auf Gunzesrieder Talseite. Der alte Sessellift in Gunzesried wurde durch eine neue 8er-Kabinenbahn ersetzt, die Skifahrer in nur acht Minuten bis zur Gipfelstation des „Weltcup-Express“ bringen. Alte Schlepplifte wurden ausrangiert. Hanspeter Schratt: „Wir standen vor der Frage, Modernisieren oder warten bis nichts mehr geht...“ 

16 Millionen Euro kostete die „Aufrüstung“ des beliebten Familien-Skigebietes. Vor einigen Jahren war schon die Beschneiungsanlage erneuert und ein großer Speicherteich gebaut worden, um die Schneesicherheit zu verbessern. „Davon profitieren wir heute“, betont Schratt. Der ausgeprochen scheearme Winter 2006 war für die Verantwortlichen ein Alamzeichen und die Überlegungen, wie man zukünftig eine Wintersaison sichern könnte, nahmen Gestalt an. Die Frage der Schneesicherheit stellte sich auch beim Nachbarn, der Hörnerbahn Bolsterlang, wo im Vorjahr 8,5 Milionen Euro investiert wurden. Am Weiherkopf, wo der alte Schlepplift durch eine moderne Kabinenbahn ersetzt wurde, wäre in diesem milden Winter ohne moderne Beschneiungstechnik derzeit kein Betrieb möglich, unterstreicht Wilfried Tüchler. Rund eine Million Euro wurden allein dafür investiert. „Gott sei Dank“, meint Tüchler. Am Dorflift zeige sich gerade, wie wichtig die Beschneiung sei. 

Selbstzweck seien die Investitionen der beiden Bergbahnen allerdings nicht. Hotellier Michael Fässler von der „Sonnenalp“ verweist auf die Wirkung der attraktiven Skigebiete. Die Ansprüche an die Skigebiete mit ihrer Infrastruktur seien gestiegen. „Ohne Beschneiung ist kaum eines unserer Skigebiete zu halten“, gibt er zu bedenken. Unterm Strich profitierten alle vom Skigebiet, stellt Fässler fest. Attraktive Skigebiete brauchten zeitgemäße Qualität. 

Für „überlebensnotwendig“ hält Christian Neusch vom „Allgäuer Berghof“ den Wintersportbetrieb: Drei Viertel der Gäste in seinem Haus seien Skifahrer; nahezu 100 Prozent der Kinder wollten Ski fahren. Mit der neuen Mittelstation hat Neusch sogar eine eigene „Bahnstation“ vor der Haustüre. 

Blaichachs Bürgermeister Otto Steiger spricht von „öffentlichem Interesse“. Die Gemeinden müssten die Investitionen wie sie in Ofterschwang und Bolsterlang getätigt worden seien, fördern. Zur Modernisierung der Hörnerbahn hat die Gemeinde Bolsterlang hat 1,2 Millionen Euro beigesteuert; weitere 1,2 Millionen kamen in Form privater Darlehen, unterstreicht Bürgermeisterin Monika Zeller stolz. 

Zu einem Preissprung habe der Qualitätssprung nicht geführt. Um etwa zehn Prozent sei die Tageskarte teurer geworden, betonen die Beschäftsführer der beiden Bergbahnen. „Es gibt noch einiges zu tun - und zu investieren“, lenkt Wilfried Tüchler den Blick in die Zukunft. Da und dort werde es noch Verbesserungen geben. Sein „Traum“ sei noch immer die Verbindung der beiden Skigebiete. Das sei aber „ein größerer Brocken“, räumt der Geschäftsführer ein. Sein Kollege Hanspeter Schratt auf der Ofterschwanger Seite denkt an punktuelle Verbesserungen der Beschneiungsanlagen oder eine Walzengarage mit Werkstatt. Die Schneesicherheit mache den Verantwortlichen der Bergbahnen „vorerste keine Sorge“, so Schratt weiter. Seine Anlagen seien schlagkräftig und ausbaufähig. In einer Woche könne das gesamte Skigebiet komplett beschneit werden.

Josef Gutsmiedl

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