Bremse für Nachtschwärmer

Wie viel Nachtruhe braucht der Mensch - und wie viel Nachtleben verträgt eine „junge Stadt“ wie Sonthofen? Das Thema Sperrzeitregelung beschäftigte jetzt den Stadtrat. Eine generelle eigene Sperrzeitverordnung wird es allerdings vorerst nicht geben. Vielmehr sollen Einzelfallregelungen an den Brennpunkten für Ruhe sorgen und künftigen Ärger vermeiden helfen.

Offenbar hat sich Sonthofen zu einem heißen Tipp für Nachtschwärmer entwickelt. Bürgermeister Hubert Buhl spricht von „einigen Tausend Leuten“ in der Stadt - und massiven Belästigungen durch Lärm rund um diese Lokale. Die Zustände seien den Anwohnern bestimmter Straßenzüge nicht mehr zumutbar, so Buhl. „Hier muss man eingreifen.“, stellte der Bürgermeister fest. Dem Recht auf Konsum und Ausgehen stünde ein nicht minder wertvolles Recht auf Nachtruhe gegenüber. Ebenso könne nicht einem Betrieb die Schuld an der Situation zugeschrieben werden, gab Buhl zu bedenken. Man könne „nicht Einzelne herauspicken“, sondern brauche eine Regelung für alle. Darunter versteht Buhl eine eigene Sperrzeit-Verordnung, die ab 2 Uhr greifen soll. Ausnahmen seien - gegen Gebühr - möglich für Lokale, die keine Probleme verursachten. Als Schwerpunkt hatte sich in der Vergangenheit die Hirschstraße erwiesen. Hier hatte die Stadt mit einer Einzelfallregelung reagiert und - nach Lärmmessungen - die Sperrzeit für ein Lokal verlängert. „Zapfenstreich ist um 2 Uhr, nur an Samstagen um 3 Uhr. Offenbar mit Erfolg, denn die Polizei bestätigte die „Verbesserung der Situation“. Als im Oktober probeweise auf die alte Regelung umgestellt wurde, stellten sich die bekannten Probleme wieder ein; die Klagen der Anwohner nahmen erneut zu. Der Pächter des Lokals wollte allerdings längere Öffnungszeiten durchsetzen: Ein wirtschaftlicher Betrieb sei mit der Sperrzeitregelung nicht möglich. Der Stadtrat lehnte wie die Verwaltung eine neuerliche Verkürzung der Sperrzeit ab. Ein anderer Schwerpunkt für die „Nachtaktiven“ zeigt sich auch in der Promenadestraße, wo ein Imbiss bis 5 Uhr morgens geöffnet hat. Zudem, so die Erfahrungen des Ordnungsamtes, entwickle sich eine Art Suchverkehr, bei dem abgewiesene Gäste andere Kneipen ansteuerten und in der Innenstadt für zusätzliche Unruhe sorgten. Hotels- und Pensionen klagten, dass die Vermietung von Gästezimmern aufgrund der Lärmbelästigung unmöglich werde. Die Diskussion warf schließlich auch die Frage auf, ob eine rigorose Sperrzeitregelung einer Tourismus-Stadt wie Sonthofen gut anstünde. „Viele Gäste und Urlauber wollen auch mal länger ausgehen, einen draufmachen“, sagte Stadträtin Inge Stiefel. Idyllische Ruhe wie auf dem Land könne man in der Stadt nicht erwarten. In Sonthofen fehle ein Bereich, wo eine Discothek oder ein Nachtlokal nicht störend seien. Die von Bürgermeister Buhl angestrebte und von Ordnungsamtsleiter Helmut Schratt vorgestellte Sperrzeit-Verordnung für Sonthofen wollte der Stadtrat allerdings nicht beschließen. Vielmehr soll das Problem mit Einzelfallregelungen gelöst werden. Man werde die Reaktionen abwarten, meinte Bürgermeister Hubert Buhl. Die Verordnung könne dann immer noch auf den Weg gebracht werden.

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