Vor der Bruchlandung

Als „Anflug zur Bruchlandung“ sieht die Spitze des Bundes Deutschen Milchviehhalter BDM die aktuelle Situation auf dem Milchmarkt. Bei einem Milchbauernabend im Oberallgäuer Petersthal betonte der Vorsitzende des European Milk Board EMB, Romuald Schaber, dass der BDM von seiner Marschrichtung nicht abweichen wolle und weiter „politischen Druck“ machen werde.

Was der Quotenausstieg im Jahr 2015 anrichten werde, sei schon heute in der Schweiz zusehen. Ohne die vom BDM angestrebte „flexible Milchmengensteuerung“ unter Kontrolle der Milcherzeuger, komme man aus der Krise nicht heraus. Die Kritik, dass die bisherigen Aktionen des BDM nichts bewirkt hätten, lässt Romuald Schaber bei seinem „Heimspiel“ in seiner Heimatgemeinde Oy-Mittelberg nicht gelten. Zwar sei der Milchpreis nach einer kurzen Erholung vor einem Jahr regelrecht abgestürzt, räumt der Vorsitzende es European Milk Boards EMB ein. Doch das schreibt Schaber der Politik zu: „Das ist kein Zufall. Es läuft nach Plan.“ Die Milchquote sei zur Zeit wirkungslos und mit dem Quotenausstieg in Jahr 2015 gebe es nicht die versprochene „sanften Landung“. Vielmehr steuere man auf eine Bruchlandung zu, warnt Schaber. Am Ersatz der Quote werde schon gearbeitet. Vor allem die Molkereien rüsteten für die Zeit nach der Kontingentierung und entwickelten Modelle, wie sie weiter an den billigen Rohstoff Milch kommen können. Schaber: „Die Molkereien sollen es richten, nicht die Bauern!“ Vielen Milchviehhaltern sei noch nicht bewusst, was auf dem Spiel stehe, so BDM-Funktionär und aktiver Milchviehbauer Schaber. Er befürchtet einen „gnadenlosen Verdrängungswettbewerb.“ Als Illusion bezeichnet Schaber die Hoffnung, dass sich durch Umschichtung der Markt regele. Der weltweite Handel gleiche aus. Einzig die „flexible Mengensteuerung in bäuerlicher Hand“ könne im Sinne der Erzeuger positiv regulierend wirken, wiederholt Schaber den Kern der BDM-Forderungen. Statt diese Kurskorrektur aufzugreifen, setze die Politik auf Interventionskäufe und Exporterstattung. Dabei werde „staatliches Geld verplempert“, statt tatsächliche Mengenregulierung betrieben, kritisiert Schaber weiter. BDM-Vorsitzender Schaber skizzierte den neuen Vorstoß seiner Organisation, der den Milchpreis stützen soll: Die Milchproduktion wird freiwillig um zehn Prozent reduziert. Mit nationalen Saldierungen müsse ebenso Schluss sein wie mit der laufenden Quotenerhöhungen. Und Schaber zeigt sich kämpferisch und fordert entschlossenes Handeln: „Wenn wir nicht für unsere Interessen kämpfen, wer soll es sonst tun?“ Beispiel Schweiz Was nach dem Quoten-Aus zu erwarten sei, deutete der Milchviehhalter und engagierte Braun-Swiss-Züchter Martin Haab aus der Schweiz an. Die Schweiz sei offenbar eine Art „Experimentierfeld der EU“, meint Haab in seinem Blick auf den Schweizer Milchmarkt. Im Mai diesen Jahres kam das Ende der Milchquotenregelung in der Schweiz; seit dem Jahr 2006 war ein freiwilliger Ausstieg möglich, allerdings verbunden mit Beitritt zu einer Lieferorganisation, die die früheren Quoten zusammenfasste. Hier tappten die Bauern Martin Haab zufolge in die Falle. „Die Bauern gründeten nicht eine Organisation, sondern gleich 38 verschiedene!“ Der Milchhandel hätte daher leichtes Spiel, die einzelnen Organisationen gegeneinander auszuspielen und den Milchpreis nach unten zu diktieren. Statt Bündelung gab es Zerspitterung. Tatsächlich sei der Milchpreis in der Schweiz um 15 Prozent gefallen. Haab: „Die Milchverarbeiter tricksten die Lieferorganisationen aus.“ Das eigentliche Ziel, ein nationaler Pool der Milcherzeuger, rückte in weite Ferne. Mit dem Ende der Quote habe es einen weiteren Ruck gegeben, der Milcherlös sei erneut gefallen. Derzeit decke der Erlös gerade mal 50 Prozent der Kostenrechnung, schätzt Haab. „Druck machen“ wollten Bäuerinnen mit ihrem Hungerstreik vor dem Bundeskanzleramt. „Eine ganz tolle Aktion“, schwärmt Lucia Egner, eine Milchviehbäuerin aus dem Landkreis Weilheim-Schongau. Vier Tage lang waren die Frauen im Hungerstreik im Blickfeld der Medien. Selbst wenn man nicht an Bundeskanzlerin Angela Merkel herangekommen sei, habe der Streik der Bäuerinnen doch bewirkt, „dass Milch jetzt Chefsache ist“, so die BDM-Bäuerin aus dem Oberland. „Aber wir warten weiter auf Taten.“

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