"Holz" - Alte und junge Holzer stellen Christian Heumaders neues Buch vor

Kein Job, eine Leidenschaft

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„Es ist eine Leidenschaft“, stellte Buchautor Christian Heumader (von links) fest, als er sich bei der Buchpräsentation mit Holzern aus dem Oberallgäu, hier Theo Pinn und Bernhard Hage, unterhielt.

Bad Hindelang – Nach dreijähriger intensiver Arbeit konnte der Oberallgäuer Fotograf und Buchautor Christian Heumader sein neues Buch „Holz“ offiziell vorstellen. Eine packende Kombination von authentischen Fotos und prägnanten persönlichen Berichten von Zeitzeugen.

Das 300-seitige Werk stellt die Waldarbeit im Allgäuer Bergwald vor und lässt Menschen zu Wort kommen, die oft ein Leben lang mit viel Leidenschaft „ins Holz“ gingen. Die „spürbare“ Verbindung der Bilder und der dazugehörigen Geschichten war Christian Heumader sehr wichtig. War der Bezug nicht stimmig, flog dieses Kapitel aus dem Buch. Und dennoch hätten es weit mehr als die 300 Seiten werden können, die die Dokumentation der Arbeit der „Holzer“ schließlich umfasste. „Aber irgendwann musste Schluss sein...“, so Heumader. Getreu der Konzeption seines Werkes überließ es Heumader bei der Buchvorstellung nicht einem „Vorleser“, einige Passagen vorzutragen. Auch er selbst wollte nicht einfach den Erzähler geben. Vielmehr kamen in der gut besuchten Runde – wie im Buch – die Akteure zu Wort und berichteten in ihrer schlichten, bescheidenen Weise vom Alltagsleben „im Holz“. Ein Arbeitsleben, das offenbar keiner missen wollte.

Ein Leben, das sich heute kaum jemand mehr vorstellen kann. Nicht zuletzt ein abenteuerliches Leben, geprägt von schwerer Arbeit, von Zusammenhalt und Kameradschaft. Eine Arbeit, die etwas Besonderes war. Ein Schuss von Abenteuer, eine Portion Gefahr war immer mit im Spiel. Eine Arbeit für einen besonderen Menschenschlag, wie man aus den Erzählungen heraushören konnte und wie es die Bilder, die Heumader zusammengetragen hat, oft genug erkennen lassen. „Eine enorme Anstrengung und Schinderei, wie man auf vielen Fotos sieht“, so Heumader.

„Ein Denkmal für diesen Beruf“, bringt Theo Pinn aus Fischen-Weiler sein Urteil über das jüngste Werk Heumaders auf den Punkt. Pinn war in seiner Jugend Alphirte und zeitweise auch Holzer. „Sein“ Kapitel befasst sich mit dem Millionär aus Lindau, der Anfang des 20. Jahrhunderts in großem Stil den Holzeinschlag in den Allgäuer Bergen vorantrieb – und schließlich doch „vergantete“, also Pleite ging.

Der inzwischen 80-jährige Holzer Josef Besler aus Ried bei Obermaiselstein berichtete von der Waldarbeit in den 1950er und 1960er Jahren. Es lief nicht immer glatt – mal versank die Bergwelt im meterhohen Schnee, mal gab es zuwenig Schnee um das geschlagen Holz ins Tal zu bringen. Oder ein Fuhrwerk kippte um. „A Bommer wo no nie umgleert hott, isch no nie gfahre...“, zitiert Besler eine tröstliche Erkenntnis der Fuhrleute, dass immer mal etwas passieren könne. Er wolle diese Zeit nicht missen, betont Besler.

Sein Kollege, Engelbert Wille aus Bad Oberdorf, Jahrgang 1944 und „ein Leben lang im Holz“, meint: „Solange ich es machen kann, mach ich‘s.“ Seit mehr als 50 Jahren sei er Holzer. „Mich reut kein Tag.“

Die Leidenschaft für die Arbeit „im Holz“, also die Waldarbeit, packt immer wieder auch junge Leute. Berhard Hage aus Untermaiselstein steht für die Generation, die mit der Motorsäge und Mobiltelefon im Allradwagen in den Wald fährt – und doch die gleiche Begeisterung für diesen „etwas anderen Job“ mitbringt wie die „Alten“. Hage ist Holzrücker und holt mit seinen beiden Pferden Baumstämme aus Ecken, in die kein Schlepper oder Harvester kommt. „Weil ich das furchtbar gerne mache“, beantwortet er die Frage nach dem Wieso.

„Holz. Die Waldarbeit in den Allgäuer Bergen“, Christian Heumader, BergWegVerlag Bad Hindelang, 2016, 300 Seiten; zahlreiche Schwarzweiß-Fotos; 48,50 Euro; ISNB 978-3-00-053217-7.

Josef Gutsmiedl

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