Oberstdorf Therme "Ein Fass ohne Boden"

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Die Oberstdorf Therme steht vor einer ungewissen Zukunft.

Oberstdorf – Die Zukunft der Oberstdorf Therme ist ungewiss. Das Bad ist sanierungsbedürftig und reißt jedes Jahr ein großes Loch in den Etat der Marktgemeinde. Vor einigen Wochen hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die sich mittels eines Bürgerbegehrens für den Erhalt der Therme einsetzen will (der Kreisbote berichtete). Die Gemeinde hat sich nun in einer Mitteilung an die Bevölkerung gewandt, in der die Situation aus ihrer Sicht dargestellt wird.

„Plakativ kann man die Therme mit einem alten Auto vergleichen, das zwar fährt, aber immer öfter kostenintensive Reparaturen benötigt und so im Unterhalt sehr teuer ist, ohne eine sichtbare Verbesserung zu erzielen“, heißt es in der Mitteilung. Jedes Jahr würden von Seiten der Gemeinde zwischen 120.000 und 150.000 Euro in Sanierungsmaßnahmen gesteckt. Ohne finanziellen Zuschuss durch die Gemeinde könne der Betrieb der Therme nicht aufrecht erhalten werden, da sie stetig rote Zahlen schreibe. In den letzten Jahren hätten der Zuschuss sowie der Defizitausgleich jährlich etwa eine Million Euro betragen. Rund die Hälfte davon komme aus Kurbeiträgen.

Ein bereits 2006 in Auftrag gegebenes Gutachten schätzt die Kosten für eine Generalsanierung der Oberstdorf Therme auf 8,1 Millionen Euro. Der Marktgemeinderat fällte darüber jedoch keine Entscheidung. 2007 übernahm die Gemeinde die Therme wieder von einem privaten Betreiber. Bereits damals habe es Diskussionen darüber gegeben, „die Therme zu schließen oder aber an selber Stelle ein Hotel mit öffentlichem Bäderbetrieb als Alternative zu errichten“, heißt es in der Mitteilung der Gemeinde Oberstdorf weiter.

Mit dem Vorhaben der aja-Gruppe, im Karweidach ein Hotel mit öffentlich zugänglichem Badeangebot für Einheimische und Gäste zu errichten, hatte sich 2012 „Oberstdorf die Chance für einen modernen Bäderbetrieb auf privatwirtschaftlicher Basis“ geboten. Im Juli 2014 gab der Investor jedoch bekannt, dass er auf Grund einer Finanzierungslücke das Projekt nicht umsetzen werde (der Kreisbote berichtete).

Im Moment läuft der Betrieb der Therme weiter wie gewohnt. „Der Marktgemeinderat hat zu keinem Zeitpunkt eine Stilllegung oder Schließung der Therme beschlossen!“, hebt die Gemeinde in ihrer Mitteilung hervor. Derzeit werde der betriebliche Ablauf in der Therme optimiert, um die Kosten zu senken; die Abschaffung der Thermencard sei nur eine der Maßnahmen gewesen.

„Ob eine Sanierung und die ständigen Reparaturen die Zukunft der Oberstdorf Therme absichern, ist auf Grund der vorliegenden Erkenntnisse fraglich“, so die Mitteilung weiter. „Was sucht der Gast?“ und „Was braucht der Bürger?“, müssten künftige Fragen lauten.

Viele Gemeinden würden defizitäre Bäder betreiben, in manchen sei der Erhalt der Bäder für die Attraktivität als touristische Destination unausweichlich. In Oberstdorf jedoch sei die Therme lediglich ein Zusatzangebot – sind doch hier die Bergbahnen das Angebot, das die Wahl des Gastes für Oberstdorf als Urlaubsort entscheidet.

Weiter hebt die Gemeinde hervor, dass der weitere Betrieb der Therme „mit erheblichen Mitteln, auch aus Steuergeldern, finanziert werden muss“. Eine Sanierung aus dem laufenden Betrieb sowie aus dem Haushalt der Gemeinde sei nicht möglich. Hierfür sei ein externer Investor oder eine neue Schuldenaufnahme vonnöten. Ein Bürgerbegehren sei ein legitimes und demokratisches Mittel der Bürgerbeteiligung. Über die finanziellen Folgen des Erhalts und der Sanierung der Therme müsse sich jeder, der den Erhalt der Oberstdorf Therme fordere, jedoch im Klaren sein. „Eine Finanzierung durch neue Steuern dürfte ebenso ausscheiden wie die Einführung kostendeckender Eintrittspreise“, stellt die Gemeinde weiter fest. Ob das Angebot nach einer Sanierung den heutigen Anforderungen entspräche, sei darüber hinaus fraglich.

In seiner Sitzung am 18. September wird sich der Marktgemeinderat mit dem Thema Therme befassen. Eventuell soll ein externes Beratungsunternehmen beauftragt werden, eine Strategie zur künftigen Ausrichtung der Therme unter Berücksichtigung der touristischen Entwicklung sowie der Bedürfnisse der Bevölkerung zu entwickeln. Erst nach einer Bestandsaufnahme und Analyse könnten Entscheidungen über die zukünftige Entwicklung oder den Bestand der Therme getroffen werden. Bis dahin laufe der Betrieb weiter wie gehabt.

eva

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